13.12.2013 - 02:02 Uhr

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Über die Grenze und trotzdem begrenzt

Schüler des Kirchheimer Schlossgymnasiums widmeten sich intensiv dem Thema „Migration“ und gingen auf gleichaltrige Asylbewerber zu. Das Ergebnis schmückt nun das Haus der Geschichte in Stuttgart.

Gabriele Rolfs
Im Haus der Geschichte in Stuttgart sind die Arbeiten von Schülern des Kirchheimer Schlossgymnasiums und jungen Asylbewerbern, die in der Teckstadt leben, zu sehen.Foto: Werner Kuhnle
Im Haus der Geschichte in Stuttgart sind die Arbeiten von Schülern des Kirchheimer Schlossgymnasiums und jungen Asylbewerbern, die in der Teckstadt leben, zu sehen.Foto: Werner Kuhnle

Kirchheim/Stuttgart. Zwischen dem Schlossgymnasium und dem Flüchtlingsheim in der Charlottenstraße lagen früher Welten: Hier beschäftigten sich Schüler der zehnten Klasse mit dem Thema „Migration“, dort lebten junge Flüchtlinge auf engem Raum und warteten auf ihre Aufenthaltsgenehmigung. Doch nun gab es ein gemeinsames Projekt, das die Jugendlichen einander nähergebracht hat. Das Ergebnis des Projektes mit dem Titel „Über die Grenze und trotzdem begrenzt – Asyl in Kirchheim“ ist derzeit als Ausstellungsintervention im Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu sehen.

Das Haus der Geschichtete inte­grierte die Eröffnung der Kirchheimer Ausstellungsintervention in seinen Thementag „Flucht und Asyl“ zum Tag der Menschenrechte. Auf Initiative von Dr. Caroline Gritschke vom Haus der Geschichte hatten sich 60  Schülerinnen und Schüler des Schlossgymnasiums sowie junge Flüchtlinge über mehrere Monate gemeinsam mit der Geschichte von Asylbewerbern und Flüchtlingen in Kirchheim beschäftigt. In Arbeitsgruppen gingen sie Fragen nach wie „Wo waren die ersten Unterkünfte?“ oder „Wie sehen die Lebenssituation und Zukunftsträume von jungen Flüchtlingen heute aus?“

Unterstützung gab es von den vier institutionellen Partnern des Projektes: Das Stadtarchiv Kirchheim öffnete den Jugendlichen seine Türen. Die Schulleiterin des Schlossgymnasi­ums unterstützte die beteiligten Lehrer Manfred Machoczek und Stefanie Stagel. Renate Hirsch von der Chai Beratungsstelle für Flüchtlinge half den Jugendlichen aus der Charlottenstraße. Und das Haus der Geschichte integrierte schließlich die entstandene Ausstellung als Intervention in den Museumsbereich „Migration“. Zusätzlich unterstützte Ülkü Süngün die Jugendlichen bei der künstlerischen Umsetzung.

Für alle Beteiligten war von Anfang an wichtig, die Begegnungen und Gespräche der Jugendlichen möglichst ergebnisoffen zu halten. Die Schüler und Flüchtlinge interviewten Passanten, gingen zum Stadtarchiv, führten Interviews mit Politikern und Betreuungsorganisationen, mit Asylbewerbern und schon länger in Kirchheim lebenden Flüchtlingen. Was dabei entstand, ist nun in der Ausstellungsintervention in Stuttgart zu sehen: Matratzen auf dem Boden demonstrieren die Enge in den Unterkünften, auf Videos laufen Interviews ab, die die Jugendlichen geführt haben. Zitate von Passanten zum Thema Asyl sind als Projektionen an der Wand zu lesen. Ein Stadtplan von Kirchheim und Bilder der ehemaligen Flüchtlingsunterkünfte zeigen, wo Flüchtlinge seit den 1980er-Jahren bis heute untergebracht wurden.

Doch wichtiger als alle Interviews, Videos und Kunstwerke sind die Begegnungen, die durch dieses Projekt entstanden sind. Die Schüler besuchten die Flüchtlinge in der Charlottenstraße und freuten sich über deren Offenheit. Die jugendlichen Flüchtlinge kamen für Workshops ans Schlossgymnasium und erlebten die Welt ihrer deutschen Partner. Und auf einmal bedeutet „Migration“ für die Schüler des Schlossgymnasiums mehr als Zahlen und Fakten – im Vordergrund steht nun die Begegnung mit Gleichaltrigen.

Zum Abschluss des Thementages im Haus der Geschichte las der iranische Schriftstellers Ali Schirasi aus seinem Buch „Die Wüste glimmt“. Es folgte eine Podiumsdiskussion über die Erfahrungen von Asylbewerbern, moderiert von Silke Arning vom SWR. Wie gut das Miteinander funktionieren kann, zeigte dabei auch die multikulturelle Band „Wüstenblumen“, die den Abend musikalisch umrahmte.

Die Ausstellung „Über die Grenze und trotzdem begrenzt – Asyl in Kirchheim“ wird ab März in der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen sein.

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