10.12.2007 - 01:30 Uhr

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Zuerst und zuletzt an Kinder denken

Der Festakt zu 30 Jahre Kinderklinik Esslingen begann harmonisch. Alle Redner lobten die Kinderklinik, das Engagement und die Professionalität der Mitarbeiter. Doch der Chefarzt der Kinderklinik, Professor Carl-Joachim Partsch, wollte es nicht nur bei netten Worten belassen. Er nutzte den Rahmen, um seine Kritik an der Gesundheitspolitik vorzubringen.

GESA VON LEESEN

ESSLINGEN Zwar stimme er zu, wenn von Krankenhäusern effiziente und kostenbewusste Arbeit verlangt werde, sagte Partsch. Allerdings könne dies für die Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland "existenzgefährdend" werden. Partsch warnte davor, die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zur Fließbandarbeit zu degradieren. Ein Land, das hier "den letzten Penny rausquetschen möchte, versündigt sich an den wehrlosen Teilen der Gesellschaft und damit an seiner eigenen Zukunft."

Als Beispiel nannte er, dass bei der Kalkulierung der Fallpauschalen für die Krankenhäuser die besondere Situation der Kinder- und Jugendmedizin nicht bedacht worden sei. "So sind die Fallpauschalen folgerichtig nicht kostendeckend und jede Kinderklinik Deutschlands eigentlich und ehrlich betrachtet pleite." Der Professor plädierte dafür, Entscheidungswege zu verändern. Nur Gremien, in denen mehrheitlich Menschen sitzen, die berufsmäßig das Kindeswohl priorisieren, sollten politische und besonders gesundheitspolitische Entscheidungen fällen dürfen. Er appellierte an die Politiker: "Denken Sie bei all Ihren politischen Handlungen und Entscheidungen zuerst und zuletzt an die Kinder." Dafür gab's Applaus.

Doch Partsch bewegte noch mehr.Vor einigen Wochen zitierten Medien mehrere Untersuchungen, wonach Frühgeborene in kleinen Kinderkliniken weniger Überlebenschancen hätten als in großen, umfas- send ausgestatteten Kliniken. Ein Vorwurf lautete, dass die kleinen Kliniken Frühchen dennoch behandelten, weil das sehr gut bezahlt wird. Für die Esslinger Kinderklinik wies dies ihr Chef zurück. Er verwies auf die ausgesprochen geringe Säuglingssterblichkeit unter Frühgeborenen in der hiesigen Klinik und auf die gute Zusammenarbeit mit großen Kliniken wie dem Olgahospital in Stuttgart und der Universitätsklinik Tübingen.

Insgesamt, so das Fazit von Partsch, sei die Kinderklinik Esslingen wie in den vergangenen 30 Jahren auf einem guten Weg. 68 Betten stehen hier zur Verfügung, die Zahl der stationär Versorgten hat sich seit 2003 von knapp 3 000 auf knapp 4 000 Kinder und Jugendliche im Jahr erhöht. Ambulant versorgt wurden rund 10 000 junge Patienten. Dies wurde allgemein als ein Vertrauens-beweis gewertet, den die Eltern aus Esslingen und der gesamten Region der Klinik entgegenbringen. "Denn Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und das bekommen sie bei uns", sagte Klinikums-Geschäftsführerin Cornelia Lindner. Weil Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger dies weiß und als dreifacher Vater auch mehrfach erlebt hat, versicherte er: "Die Stadt wird die Kinderklinik auch in Zukunft nach Kräften unterstützen."

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