06.06.2006 - 01:15 Uhr

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Düsentriebwerk sorgt für sichere Rückkehr zum Flughafen

Segelflieger sind von der Thermik abhängig: Fehlt der Aufwind, müssen sie landen zur Not auf dem nächsten Acker, wenn der Flugplatz zu weit entfernt ist.

KORNELIUS FRITZ

ESSLINGEN An der Esslinger Fachhochschule für Technik (FHTE) wird nun ein Flugzeug mit Heimkehrhilfe entwickelt. Das Segelflugzeug mit Düsentriebwerk soll im Sommer 2007 zu seinem Jungfernflug starten.

Dass sich Studenten der FHTE mit der Entwicklung eines Segelflugzeugs beschäftigen, verdanken sie Ulrich Gärtner. Der Professor amInstitut für angewandte Forschung ist in seiner Freizeit Segelflieger und musste selbst schon die Clubkame-raden anrufen, damit sie ihn von einer Wiese abholen, auf der er notgedrungen landen musste. "Das ist ziemlich lästig, außerdem ist eine Landung im Acker nicht ohne Risiko", weiß er aus Erfahrung.

Die Idee mit der Heimkehrhilfe ist deshalb nahe liegend, und es gibt auch bereits Segelflugzeuge mit Hilfsmotor. Allerdings haben die einen ausklappbaren Propeller, der den Luftwiderstand und damit die Flugeigenschaften verschlechtert. Gärtners Idee: Mit einem Turbinentriebwerk, das in den Rumpf des Flugzeugs integriert ist, ließe sich dieser Nachteil vermeiden.

Schon seit vier Jahren tüfteln der Professor und seine Studenten nun daran, aus einem handelsüblichen Segelflugzeug vom Typ "Apis" den "Apis Jet" zu machen. "Wir haben das Großprojekt in einzelne Aufgaben unterteilt", erzählt Gärtner. In verschiedenen Projektgruppen haben sich mittlerweile rund 60 Studenten aus dem Fachbereich Maschinenbau an der Entwicklung beteiligt. Die einen konstruierten den Kerosintank, andere kümmerten sich um das Triebwerk, wieder andere beschäftigten sich mit der Schalldämpfung oder der automatischen Feuerlöschanlage. "Die Studenten können nicht einfach draufloskonstruieren", betont Gärtner. Die eingebaute Technik muss klein und leicht sein, zudem sind strenge Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Nur dann gibt es den Segen des Luftfahrtbundesamtes, ohne den das Flugzeug nicht abheben darf.

Für Ulrich Gärtner ist das Projekt damit sehr nah an dem, was später auch in der Praxis von den Ingenieuren gefordert wird. Interessant ist das Projekt auch deshalb, weil über Jahre hinweg verschiedene Studentengruppen an den gleichen Aufgaben arbeiten: Alle Arbeitsschritte müssen daher exakt dokumentiert werden, damit die nächste Gruppe auf die Ergebnisse der Vorgänger zurückgreifen kann. Wichtig ist dem Professor eine enge Kooperation mit Industriebetrieben. So wurde die Schalldämpfung zusammen mit einem Auspuffhersteller entwickelt, beim Splitterschutz, der den Piloten schützen soll, falls sich Teile aus der Turbine lösen, wurde auf die Erfahrung eines Herstellers von schusssicheren Westen zurückgegriffen. "Es wäre Unsinn, wenn wir das Rad neu erfinden würden", sagt Gärtner.

Inzwischen ist die Arbeit an dem Motorsegler weit fortgeschritten. Zuletzt wurde das Projekt bei der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin präsentiert: "Wir sind beim Fachpublikum auf großes Interesse gestoßen", berichtet Clemens Harr, Mitarbeiter am Lehrstuhl für angewandte Forschung. Ob der "Apis Jet" in dieser Form jemals in Serie gebaut wird, ist allerdings ungewiss. Vom flugfähigen Prototypen bis zum serienreifen Produkt sei es noch ein weiter Weg, betont Gärtner: "Das ist dann aber nicht mehr Aufgabe der Hochschule." Für die FHTE endet das Projekt mit dem Jungfernflug, der in etwa einem Jahr stattfinden soll. Ehrensache, dass der Professor dabei persönlich im Cockpit sitzen wird.

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