Zehn Projekte aus der Region rund um die Teck erhalten den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“
„Bildung ist mehr als Schule“

Sie sind wahrlich „Starke Helfer“ – die zahlreichen Ehrenamtlichen, die am Montagabend im Manfred-Henninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim bei der Abschlussveranstaltung des Ehrenamtspreises ausgezeichnet wurden. „Bildung – Gleiche Chancen für alle“: So lautete der diesjährige Leitgedanke.

Kirchheim. „Das ist Ehrenamtspreis live“, betonte Franz Scholz, nachdem die Veranstaltung musikalisch von der Trommelgruppe der Kirchheimer Raunerschule eröffnet wurde. „Danke für diesen dynamischen Auftritt. Das war großartig“, richtete sich der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse (KSK) Esslingen-Nürtingen direkt an die acht Schüler, die unter der Leitung von Sven Koos ihre lautstarken und energiegeladenen Trommelkünste präsentiert hatten.

Zum achten Mal hatten die Stiftung der KSK Esslingen-Nürtingen und der Teckbote den Ehrenamtspreis ausgeschrieben. Der Leitgedanke lautete in diesem Jahr „Bildung – Gleiche Chancen für alle“. Im Kreis Esslingen haben sich über 90 Projekte beworben. „Mit dieser Zahl liegen wir bundesweit vorne. Sie zeigt, wie reich unser Landkreis an ehrenamtlichem Engagement ist“, unterstrich Franz Scholz. Im Verbreitungsgebiet des Teckboten waren 27 Bewerbungen eingegangen. Daraus wählte die Jury unter dem Vorsitz von Landrat Heinz Eininger, der auch die Schirmherrschaft für den Ehrenamtspreis übernommen hatte, zehn Finalisten aus – wobei sich hinter einem Projekt gleich mehrere Initiativen verbergen: Da sich zahlreiche Lesepaten beworben hatten, entschied sich die Jury dazu, diese zu einem Projekt zusammenzufassen.

Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb (großes Foto, rechts) und Franz Scholz, KSK-Vorstandsvorsitzender, überreichten der Tochter v
Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb (großes Foto, rechts) und Franz Scholz, KSK-Vorstandsvorsitzender, überreichten der Tochter von Christa Schnitzler aus Owen, Elisabeth Oliverio, (Zweite von rechts) den ersten Preis. Darüber freute sich auch FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny, die für das Projekt von Christa Schnitzler eine Patenschaft übernommen hatte. Einen gelungenen Auftritt hatten auch Pia und Tim, die ein naturwissenschaftliches Experiment vorführten. Auf den kleinen Fotos sind die Trommelgruppe der Raunerschule sowie Weilheimer Schüler mit Heike Oltmanns und Carola Mors vom Schulsozialverein Weilheim zu sehen.Fotos: Deniz Calagan
„Die Auswahl der Endrundenteilnehmer ist uns nicht leicht gefallen“, verdeutlichte Franz Scholz. Denn hinter jeder Initiative stecke ein enormer Einsatz der ehrenamtlich Tätigen. „Sie sind starke Helfer, die sich freiwillig und ohne unmittelbare Gegenleis­tung einbringen. Sie sind Vorbilder und von großer Wichtigkeit für unser Gemeinwesen“, wandte sich der Vorstandsvorsitzende an die Ehrenamtlichen, die sich auf vielseitige Weise für Chancengleichheit und einen gerechteren Bildungszugang in der Gesellschaft einsetzen. Alle Projekte seien preiswürdig, fügte Franz Scholz hinzu. „Deshalb hat sich die Jury auf vier Preiskategorien geeinigt. Niemand geht leer aus.“

Ehrenamtspreis 2011 , Preisverleihung
Ehrenamtspreis 2011 , Preisverleihung
Auch Dr. Andreas Jetter, Professor am Landesinstitut für Schulentwicklung in Stuttgart und Fachjuror für den Ehrenamtspreis, würdigte in seinem Vortrag zum Thema Bildung den Einsatz der Ehrenamtlichen. Der frühere Schulleiter des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums ließ es sich nicht nehmen, seiner ehemaligen Wirkungsstätte einen Besuch abzustatten – und das, obwohl er am Wochenende Vater wurde. Die Entlassung seiner Frau aus dem Krankenhaus hatte er wegen der Preisverleihung eigens um einen Tag verschoben. Mit dem Ehrenamtspreis würden nicht nur lobenswerte Beispiele gewürdigt, sondern es werde auch eine grundlegende, unverzichtbare Haltung von Menschen ausgezeichnet.

„Bildung ist mehr als Schule“, verdeutlichte der Fachjuror. Zwar weise Baden-Württemberg mit einer niedrigen Quote von jungen Leuten ohne Schulabschluss und einer geringen Jugendarbeitslosigkeit positive Zahlen auf. Doch bei Pisa würden 20 Prozent der 15-Jährigen nur die unterste Kompetenzstufe im Lesen erreichen. Die Familien als „wichtige Bildungswelt“ würden immer häufiger an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Deshalb komme dem Ehrenamt eine immer größere Bedeutung zu. „Viele reden ins Blaue, Sie treffen mit ihrem Engagement ins Schwarze – davon brauchen wir mehr“, lobte Andreas Jetter die Ehrenamtlichen vor den zahlreich erschienenen Gästen.

Ulrich Gottlieb, Verleger des Teckboten, und Franz Scholz verliehen anschließend die Preise. Die Preisträger der ersten drei Plätze (sie­he Artikel links) stellten ihre Projekte kurz vor und erklärten, was sie zu ihrem Engagement antreibt. „Für mich ist es ein Gebot der christlichen Nächs­tenliebe, mich auf die Seite der Schwachen zu stellen“, betonte Sonja Adducchio, die in Dettingen eine Hausaufgabenbetreuung anbietet. „Unsere Tätigkeit macht mir unheimlich viel Freude. Man kann andere nur dazu motivieren, dass sie dasselbe tun wie wir zwei“, sagte Ursula Schulmeyer, die zusammen mit Grete Arenz leistungsschwache Schüler in Oberlenningen unterstützt.

Unter Anleitung von Wiltraud Bandle, Leiterin des Owener Kindergartens in der Bahnhofstraße, präsentierten die fünf Jahre alte Pia und der sechsjährige Tim im Anschluss ein naturwissenschaftliches Experiment: Die Kinder zeigten, wie Kohlendioxid entsteht. Dazu füllten sie einen Luftballon mit Backpulver und stülpten diesen über den Hals einer Flasche, in der sich Essig befand. „Jetzt steigt Kohlendioxid auf und pustet den Luftballon auf“, erklärte der kleine Tim fachmännisch. Diesen naturwissenschaftlichen Versuch hatten die Kindergartenkinder von Christa Schnitzler aus Owen gelernt, die den ersten Preis erhielt.

„Meine Mutter möchte mit einfachen Experimenten das Interesse der Kinder für Naturwissenschaften wecken“, sagte Elisabeth Oliverio, die das Projekt von Christa Schnitzler – sie weilt derzeit in Neuseeland – vorstellte. Über den ersten Platz freute sich auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny, die eine Patenschaft für das Owener Projekt übernommen hatte.

„Wir begleiten mit unserer Tageszeitung sehr gerne den Ehrenamtspreis und fördern dadurch gerne vielseitiges ehrenamtliches Engagement“, betonte Ulrich Gottlieb. Das Schönste sei, am Abend der Preisverleihung die Menschen persönlich kennenzulernen, „ohne die unsere Welt ein Stück ärmer wäre“. Das bestätigte Dietmar Ederle von der KSK: „Die Bezeichnung ,Starke Helfer‘ hat wahrlich ihre Berechtigung. Denn Sie sind starke Persönlichkeiten, die sich freiwillig für unsere Gesellschaft einbringen.“