Göppingen. „Das Jahr 2011 ist eine Erfolgsgeschichte“, verkündete Martin Scheel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göppingen, bei der gestrigen Jahrespressekonferenz. Dank der sehr guten wirtschaftlichen Lage habe der Agenturbezirk, zu dem die Landkreise Esslingen und Göppingen gehören, ein erfreuliches Jahr erlebt. Die Arbeitslosigkeit konnte deutlich gesenkt werden. In der Göppinger Agentur sei es gelungen, diese – im Vergleich zu den anderen Agenturen in Baden-Württemberg – sogar überdurchschnittlich zu reduzieren, fügte Scheel hinzu.
So lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent. Im Jahr 2010 hatte die Göppinger Agentur noch 5 Prozent registriert. Im Jahresdurchschnitt waren in den Kreisen Esslingen und Göppingen 16 589 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet – das sind rund 3 700 Menschen beziehungsweise 18,2 Prozent weniger als 2010. Zum Vergleich: Der Rückgang der Arbeitslosigkeit lag auf Landesebene bei 16,8 und auf Bundesebene bei 8,1 Prozent.
Im Kreis Göppingen stellte sich die Lage etwas positiver dar als im Kreis Esslingen: Während im Stauferkreis die Zahl der arbeitslosen Menschen um 23,5 Prozent gesenkt werden konnte, waren es im Kreis Esslingen 15 Prozent. „Das hängt aber auch damit zusammen, dass im Kreis Esslingen die Arbeitslosigkeit traditionell niedriger ist“, betonte Scheel.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung freute sich außerdem darüber, dass fast alle Personengruppen von dem Aufschwung profitierten. So sei die Arbeitslosigkeit sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, bei den Jugendlichen, den Ausländern, den über 50-Jährigen und den Langzeitarbeitslosen gesunken. Vor allem mit den jungen Leuten unter 25 Jahren meinte es die Entwicklung auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt gut: Der Rückgang der Arbeitslosigkeit lag hier bei fast 30 Prozent. Erstmals seit Jahren gab es mehr gemeldete Ausbildungsstellen (5 311) als Bewerber (4 825). Zwar waren 400 Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche nicht erfolgreich. Ihnen konnte man jedoch eine Qualifizierungsmaßnahme ermöglichen, sodass zum Stichtag 30. September 2011 im Agenturbezirk nur drei Jugendliche unversorgt blieben.
Auch die Beschäftigung älterer Menschen habe im Vergleich zu 2010 zugenommen. „Man kann nicht sagen, dass Ältere keine Chance haben.“ Könne zum Beispiel ein 50-Jähriger beziehungsweise eine 50-Jährige eine erforderliche Qualifikation vorweisen, dann sei er oder sie interessant für die Unternehmen. Bei Arbeitslosen „jenseits der 55“ sei eine Vermittlung allerdings nach wie vor nicht ganz einfach.
Schwierig gestalte sich die Lage außerdem bei Menschen mit einer Schwerbehinderung, räumte Scheel ein. Das hänge auch mit einer überdurchschnittlichen Zunahme von älteren schwerbehinderten Menschen zusammen.
Die Zahl der von den Unternehmen gemeldeten offenen Stellen sei 2011 kräftig gewachsen, verdeutlichte Scheel. So gab es im Jahresdurchschnitt 6 900 offene Stellen. Das sind 58,9 Prozent mehr als 2010. Zuwächse seien in allen Branchen zu verzeichnen gewesen. Den größten Anteil an den gemeldeten offenen Stellen trugen aber die Zeitarbeitsfirmen. Außerdem stieg die Zahl der befristeten Beschäftigungsverhältnisse.
Auf die Qualität der Arbeit angesprochen, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung, dass es sich bei der Zeitarbeit um eine reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung handelt und dass es hier auch Tarifverträge gebe. „Wir vermitteln niemanden in Sklavenjobs.“ Aber man müsse sich eben an den Gegebenheiten auf dem Markt orientieren. An Firmen, die zu geringe Löhne bezahlen, verweise die Agentur die Arbeitssuchenden jedenfalls nicht.
2011 sei aber nicht nur im Hinblick auf die gesunkene Arbeitslosigkeit ein Erfolgsjahr gewesen, unterstrich Scheel. „Wir konnten auch einen deutlichen Beitrag zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte leisten.“ So musste die Göppinger Agentur im Vergleich zum Vorjahr beim Arbeitslosengeld I 30 Millionen Euro weniger ausbezahlen. Beim Arbeitslosengeld II waren es 10 Millionen Euro weniger.
Ein großes Thema sei im vergangenen Jahr der Mangel an Fachkräften gewesen. So habe man für die Region Stuttgart Ingenieure aus Spanien angeworben. Zehn Arbeitsverträge konnten bereits abgeschlossen werden. Bei 16 weiteren Verträgen werden derzeit Verhandlungen geführt. „An der Baustelle Fachkräftebedarf müssen wir weiterhin arbeiten“, wagte Scheel einen Blick ins Jahr 2012.
„Trotz gewisser Eintrübungstendenzen“ könne man im Übrigen davon ausgehen, dass die Unternehmen in diesem Jahr weiterhin zusätzliche Stellen schaffen, machte Scheel Mut. „Die Stimmung ist nach wie vor optimistisch.“
