Lokales

125 Jahre alt mit vielen Plänen für die Zukunft

Wer Geburtstag hat, lädt sich Gäste ein. Daran hat sich am Wochenende auch der Mährisch-Schlesische Sudetengebirgsverein (MSSGV) gehalten und in und um Kirchheim sein 125-jähriges Wiegenfest gefeiert. Zu den Festivitäten gehörten die Pflanzung einer Mährisch-Schlesischen Eberesche am Eichendorff-Denkmal, ein Empfang bei Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und eine musikalisch umrahmte Feierstunde in der Kirchheimer Stadthalle.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Eröffnet wurde der Festabend vom Zweiten Vorsitzenden des MSSGV Horst Wahl. Er musste kurzfristig für den plötzlich erkrankten Ersten Vereinschef Günther Buck einspringen.

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker freute sich beim Empfang der Gäste im Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses darüber, im Vorfeld des Festabends Freunde in der Stadt Kirchheim begrüßen zu dürfen. Sie erinnerte daran, dass der 100. Geburtstag noch in der Zeit des kalten Krieges gefeiert wurde, wobei der MSSGV schon damals immer wieder als "Brückenbauer" aufgetreten sei. Das ganze geschah auf der unpolitischen Schiene, "da hat man nur das Menschliche gesucht". Sie erinnerte auch daran, dass für die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Raumschaft Kirchheim zunächst Zufluchtsort gewesen sei und diese Zuflucht nunmehr schon lange die zweite Heimat geworden ist. Die Zukunft des Vereins, so betonte sie abschließend, liege in seiner Vergangenheit und die "Machtzentrale" liege nunmehr in Kirchheim. Matt Heidecker zu den Gästen in der Stadthalle: "Wanderer kennen keine Grenzen und wir haben immer ein offenes Ohr und offenes Herz für die Belange des MSSGV."

Grußworte zur Geburtstagsfeier gab es von Bürgermeister Jiri Kratky aus Jesenik, Diplom-Ingenieur Jan Havelka, Präsident der Europäischen Wandervereinigung, dem ehemaligen Staatsminister Karl Schneider, Präsident des Deutschen Wanderverbandes, und Doktor Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Schwäbischen Albvereins. Rauchfuss bezeichnete den MSSGV als äußerst aktiven Wander- und Heimatverein "in unserem Ländle". "Wir verstehen uns vom Herzen her und so haben sich viele Freundschaften entwickelt", betonte er abschließend.

Für die musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgte das Malinconia-Ensemble, das sich zum Ziel gesetzt hat, Musik abseits von ausgetretenen Pfaden zu Gehör zu bringen und zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geratene Komponisten musikalisch in Erinnerung zu rufen. Dazu haben sich vier Musiker zusammengefunden: Helmut Scheunchen spielt seit 1972 Violoncello bei den Stuttgarter Philharmonikern, der Tenor Helmut Holzapfel singt am Staatstheater Stuttgart, Siegfried Hartauer spielt Violine und hat ebenfalls ein Engagement bei den Stutgarter Philharmonikern und am Klavier saß Günter Schmidt, der im Hauptberuf einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Würzburg hat. Zu hören waren in der Stadthalle Werke von schlesischen Komponisten aus drei Jahrhunderten. Darunter waren Josef Elsner, Friedrich Wilhelm Berner, Leopold Schefer, Hermann Franke und Hans-Georg Burghardt.

Im Jubiläumsjahr bietet das Vereinsprogramm noch weitere interessante Veranstaltungen: Im Juli steigt auf dem Martinskirchplatz ein großes Fest mit dem Abschluss der diesjährigen Aktion Wander(s)pass, im September feiert der MSSGV im Rahmen einer Wanderwoche im Altvatergebirge das Jubiläum am Gründungsort in Freiwaldau, und im Oktober findet ein sprachliches und kulinarisches Experiment unter dem Titel "Schwäbisch trifft Schlesisch" statt.

"Wandern zur Gesundheit" war das Thema des Doktors der Sportwissenschaften des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg Gunnar Liedtke. Nach seinen Worten war das Wandern immer eine beliebte Sportart, es galt aber lange Zeit als Bewegungsart für gesetzte ältere Herrschaften und für die auch meist älteren Mitglieder in den Wandervereinen. Bei jüngeren Menschen galt diese Fortbewegungsmethode als totol "uncool" mitgegangen wurde nur zwangsweise, wenn es sich denn gar nicht vermeiden ließ. Heute allerdings ist das Wandern eine Trendsportart auch bei jüngeren Menschen geworden. Auch die Tourismus-Verantwortlichen sind auf den Zug aufgesprungen und bieten oft mit Hilfe der früher verspotteten Wandervereine geführte Wanderungen an und bauen sogar neue Wanderstrecken.

Was eigentlich schon lange bekannt ist, so Dr. Liedtke, habe nun auch in der Wissenschaft einen festen Platz, dass nämlich die Bewegung in der Natur den kotrollierten Bewegungen im Fitness-Studio weit überlegen ist. Beim Wandern werden alle Sinne aktiviert und so der ganze Mensch angesprochen. Die Bewegung an der frischen Luft sei das wirksamste Mittel, sich selbst aus emotionalen Anspannungen oder Stress herauszuholen. So sei der Wald eine Schule für die Sinne und das Wandern an der frischen Luft wirke wohltuend auf den Organismus. Mit Dr. Liedtke wurde es eine unterhaltsame "Wanderung zur Gesundheit". Der Mensch sei einst Jäger und Sammler gewesen, erinnerte der Referent, und so sei eigentlich die Bewegung in der Natur schon immer für den Menschen vorgesehen gewesen. Allein durch die Bewegung könne vielen Krankheiten vorgebeugt werden und auch für die Psyche des Menschen könne durch die Entspannung viel getan werden.