Lokales

14-Jähriger als Drahtzieher

Ein 14-Jähriger aus Esslingen bezichtigte sich als Drahtzieher eines bewaffneten Raubüberfalls auf ein Toto-Lotto-Geschäft in Obertürkheim. Ein 25-jähriger Bekannter soll die Waffen besorgt, ein 16-Jähriger anschließend Geld aus der Beute von rund 1 200 Euro erhalten haben. Nun sitzt das Trio auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

SABINE FÖRSTERLING

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ESSLINGEN "Es war meine Idee", gab der 14-jährige Hauptschüler vor der 3. Großen Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts unumwunden zu. Der Türke ist seit seinem zehnten Lebensjahr durch Straftaten aufgefallen. Neben dem Raubüberfall auf das Toto-Lotto-Geschäft ist er noch wegen eines Diebstahls in einem Pizza-Service in Esslingen-Mettingen angeklagt. Dort erbeutete er eine Geldkassette, ließ sie aber auf der Flucht zurück. Es "kommt halt so", meinte er auf Frage des Vorsitzenden Richters.

Die drei Angeklagten wohnen in derselben Straße in Mettingen und trafen sich täglich in den dortigen Weinbergen. Mit seinem 25-jährigen Kumpel habe er ausgemacht, das Toto-Lotto-Geschäft in Obertürkheim zu überfallen, erzählte der 14-Jährige. Der Arbeitslose habe dann eine Maske, eine Schreckschusspistole sowie ein Elektroschock-Gerät besorgt.

Gemeinsam sei man am 19. Juni 2004 nach Obertürkheim zum Geschäft geradelt. Sein Begleiter habe zunächst ein paar Rubbellose gekauft, um die Lage zu sondieren. Als die Luft rein gewesen sei, habe er ihm Bescheid gegeben. Anschließend ist der 14-Jährige nach seinen Worten maskiert, mit der Waffe in der Hand und dem Elektroschock-Gerät in der Hosentasche in den Laden gestürmt.

"Gib die Kohle her". Von diesen Worten ließ sich der Inhaber nicht schrecken und versuchte, den Jugendlichen wegzustoßen. Daraufhin verpasste der Hauptschüler dem 78-Jährigen ein paar Faustschläge, so- dass dieser rückwärts zu Boden ging und sich eine Rippe brach. Der Verletzte konnte jedoch noch den Alarmknopf drücken. Zwei beherzte Passanten verfolgten den flüchtenden Räuber bis zum Bahnhof Obertürkheim.

Der 14-Jährige konnte jedoch mit rund 1 200 Euro, die er später in einem Schließfach im Bahnhof Esslingen bunkerte, entkommen. Später habe man sich das Geld geholt und sei auf Einkaufstour nach Stuttgart gefahren. Obwohl der ebenfalls angeklagte 16-Jährige beim Raubüberfall nicht dabei war, soll er ein Drittel der Beute erhalten haben, von dem er sich ein Handy kaufte. Er ist nur wegen Hehlerei angeklagt, während die anderen beiden sich wegen schweren Raubes verantworten müssen.

Der 25-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, bestritt im Prozess jede Beteiligung. Der 16-Jährige will nicht gewusst haben, dass das Geld aus einem Raub stammte. Der 14- und der 16-Jährige sowie weitere Kumpels sollen auch einen leer stehenden Einkaufsmarkt in Mettingen vollständig demoliert haben. Schaden: 25 000 Euro. Der Prozess wird heute fortgesetzt.