Lokales

150 Jahre und fünf Generationen Leuze

Ein Blick in die Firmengeschichte: Die Geschicke von „Textil, Maschinenbau, Electronic“ sind in einer Chronik aufbereitet

Zum Firmenjubiläum hat die Leuze Geschäftsführungs GmbH eine Firmengeschichte herausgegeben, mit dem Titel „150 Jahre Leuze – Textil, Maschinenbau, Electronic“. Autorinnen der Chronik sind die beiden Historikerinnen Dr. Sabine Widmer-Butz und Rosemarie Reichelt.

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Andreas Volz

Owen. Die Firmengeschichte von „C. A. Leuze“ ist reich an Ereignissen und Wendungen. Sie hat zunächst nichts mit dem Standort Owen zu tun, und sie ist eigentlich auch um einiges älter als „nur“ 150 Jahre. In Eningen sind Leuzes seit dem 17.  Jahrhundert als eine Familie von Textilhändlern nachweisbar.

Im 19. Jahrhundert gründete David Leuze in Eningen die Firma „Leuze, Dürr & Cie.“, die nicht nur Stoffe vertrieb, sondern sie auch produzieren ließ. Dabei handelt es sich um das Vorgängerunternehmen, aus dem später „C. A. Leuze“ hervorging. Die technische Entwicklung machte es nämlich schon bald notwendig, sich nach einem anderen Standort umzusehen, weil in Eningen die Wasserkraft fehlte.

So kamen die Söhne des 1860 verstorbenen David Leuze, Johann Georg und Christoph Adolph, nach Unterlenningen, wo sie 1861 an der Lauter eine Fabrik errichten ließen. Diese Verlegung des Standorts von Eningen nach Unterlenningen markierte einen entscheidenden Wendepunkt, weswegen nun – im Dezember 2011 – das 150-jährige Bestehen gefeiert wird. Dabei wurde der tatsächliche Betrieb in Unterlenningen erst 1863 aufgenommen. Außerdem wurde das Unternehmen „Leuze, Dürr & Cie.“ erst 1877 in „G. & A. Leuze“ umbenannt – nach den Vornamen der beiden Brüder, die als Gesellschafter fungierten.

Ein Jahr später zahlte Christoph Adolph Leuze die Witwe seines mittlerweile verstorbenen Bruders aus, die das einst gemeinsame Werk in Urach alleine weiterführte. Seit 1878 heißt das Unternehmen im Lenninger Tal deshalb „C. A. Leuze“. – Eine weitere Standortverlagerung kam 1886, weil in Owen noch ungenutzte Wasserkraft zur Verfügung stand. 1894 schließlich wurde auch der Sitz des Unternehmens von Unterlenningen nach Owen verlegt.

Diese Daten und Fakten sind bedeutend für den Beginn des Unternehmens, wie er in der Firmenchronik beschrieben wird. Eines aber ist in 150 Jahren Leuze trotz allen Wandels stets gleich geblieben: Immer waren es Mitglieder der Familie Leuze, die die Geschicke des Unternehmens mitbestimmten. 1886 trat Christoph Adolphs Sohn David Adolf als Teilhaber in die Firma ein. Zwei seiner drei Söhne folgten ihm später in der Geschäftsleitung: Robert Leuze 1920 und dessen jüngerer Bruder Max Leuze 1923, nach dem Tod des Vaters David Adolf. Die beiden Brüder erweiterten den Betrieb um ein zusätzliches Werk in Donzdorf und führten das Unternehmen durch eine besonders schwierige Phase: durch die Herrschaft des Nationalsozialismus und durch den Zweiten Weltkrieg.

1961 – zum 100. Firmenjubiläum – gab es eine grundlegende Änderung: Die vierte Generation trat an. Das waren die Söhne von Robert Leuze, Helmut und Adolf, und Max Leuzes Sohn Christof. Zu dritt fungierten sie bis 1970 als Geschäftsführer von Leuze textil. Zugleich wurde 1961 die heutige Leuze Gruppe gegründet: C. A. Leuze beteiligte sich an der Firma Hans Biel in Neuffen, und Adolf Leuze übernahm dort die kaufmännische Geschäftsführung. Seit 1968 gehört das Unternehmen vollständig zur Leuze Gruppe. Adolf Leuze wurde zum geschäftsführenden Gesellschafter, und der Name „bielomatik Leuze“ entstand.

Der Einstieg in den Maschinenbau war aber nicht die einzige Veränderung in dieser Zeit: Schon zwei Jahre später, 1963, folgte die Gründung der Firma Leuze electronic, mit Christof Leuze als Geschäftsführer. Die wichtigsten Kunden in der Anfangszeit von Leuze electronic waren Leuze textil und bielomatik.

Der Sprung in die anderen Branchen war 100 Jahre nach der Firmengründung im Lenninger Tal eine völlige Neuorientierung, bedingt aber unter anderem durch Krisen in der Textilbranche. Helmut Leuze blieb Geschäftsführer von Leuze textil und konnte das Textil-Unternehmen noch lange Zeit erfolgreich weiterführen. Doch sorgten die Entwicklungen der Branche schließlich dafür, dass Leuze textil 2001, also nach 140 Jahren, die Produktion einstellen musste.

Keiner der drei „Altgesellschafter“ Helmut, Adolf und Christof Leuze war zu diesem Zeitpunkt noch in der Geschäftsführung aktiv. Im Gesellschaftervertrag hatten sie langfristig schon vereinbart, dass die Geschäftsführer nach vollendetem 60. Lebensjahr ausscheiden sollen, um frühzeitig die Nachfolge regeln zu können. Als Gesellschafter, Verwaltungsratsmitglieder sowie als Geschäftsführer der Leuze Gruppe haben diese drei Urenkel des Firmengründers Christoph Adolph Leuze aber bis heute in unterschiedlichster Weise Anteil an der Entwicklung ihrer Unternehmen genommen.

Verwaltungsratsmitglieder waren und sind inzwischen Angehörige der fünften Leuze-Generation: Helmut Leuzes Sohn Frank sowie Christof Leuzes Söhne Stefan und Jürgen. Geschäftsführer sind im Jubiläumsjahr 2011 Ralf Bauer und Dirk Vößing (bielomatik) sowie Dr. Harald Grübel und Karsten Just (Leuze electonic). Holdinggeschäftsführer der Leuze Gruppe ist Hans Peter Hehn.

Im Vorwort zur Firmenchronik blicken die Gesellschafter aus der Familie Leuze dankbar zurück auf die Arbeit ihrer Vorfahren. Zugleich aber richten sie ihren Blick in die Zukunft, wenn sie schreiben: „Wir wollen nach Kräften dafür wirken, das Familienunternehmen gedeihlich fortzuentwickeln.“