Lokales

170 Quadratzentimeter Glück für Kinder

Deutlich mehr als 213 000 Euro haben sie schon an UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, überwiesen. Geld, das die Not von Kindern in aller Welt lindert. Rund eine Viertelmillion Euro, erwirtschaftet mit ehrenamtlichem Engagement diese Bilanz können Heidi Hahne, Barbara Magister und Irmgard Jäck von der Kirchheimer UNICEF-Gruppe ziehen. Und ihr Elan ist ungebrochen. Die Drei versprechen: "Wir bleiben dran."

MICHAEL KRAFT

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KIRCHHEIM Die Geschichte der UNICEF-Grußkarten klingt fast wie ein Weihnachtsmärchen. Sie beginnt vor 56 Jahren mit dem Brief eines kleinen Mädchens aus der damaligen Tschechoslowakei, adressiert an die Zentrale des Kinderhilfswerks in Amerika. Die Absenderin: Jitka Samkowa, ein sieben Jahre altes Mädchen. Jitka hatte in den Wirren des Zweiten Weltkriegs ihre Eltern verloren. Ein Name, fremd und unbekannt, war ihr zum Inbegriff der Hilfe geworden: UNICEF. Unter diesem Namen war aus den USA in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfe für Millionen Kinder in Europa gekommen Medikamente, Nahrung oder Kleidung. Und so malte das Mädchen aus Böhmen als Dankeschön ein Bild, auf dem Kinder im Sonnenschein um einen Maibaum tanzen, und schickte dieses Bild an "UNICEF, New York". Dort fand die Geste so großen Anklang, dass beschlossen wurde, das Bild als Weihnachtskarte zu verkaufen die UNICEF-Grußkarte war geboren.

1984 begann Heidi Hahne in Kirchheim und Umgebung mit dem Verkauf der Karten. Den Kundenstamm hatte sie von Sigrit Günzler und ihrem Mann übernommen, die 20 Jahre lang für UNICEF aktiv gewesen waren. "Ich hab immer schon gerne verkauft", erzählt Heidi Hahne. "Und als ich dann gehört habe, dass die Günzlers aufhören wollen, hab ich mir gesagt: Dann machst du das eben jetzt." Ehrenamtlich zu arbeiten war ihr schon damals nicht fremd: Als Buchhalterin hatte sich Heidi Hahne ehrenamtlich um die Finanzen der Familien-Bildungs-Stätte gekümmert. "Im Ehrenamt macht man das, was man gerne macht, am erfolgreichsten das gibt dir mehr, als es nimmt", sagt sie und lächelt.

Ungefähr DIN A 6 groß ist der Stoff, aus dem die Hoffnungen von Kindern sind: die UNICEF-Grußkarte, knapp über 170 Quadratzentimeter groß, gestaltet von internationalen Künstlern mit einer Vielzahl von Motiven. Ihr Verkauf ist für UNICEF längst zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen braucht wenig Geld, um viel Wirkung zu erzielen: Wie UNICEF vorrechnet, kann man zum Beispiel für 2,50 Euro eine Wolldecke kaufen, die ein Kind in einem afghanischen Flüchtlingslager vor der Kälte schützt, für 22 Euro kann ein Mädchen in Nepal ein Jahr lang einen Bildungskurs besuchen, für 130 Euro kann ein obdachloses Straßenkind in Brasilien einen Monat lang in einem Heim leben und zur Schule gehen.

Die drei Frauen von der Teck können bei ihrem Einsatz für die gute Sache auf viel Unterstützung im Familien- und Bekanntenkreis zählen. Die Kinder und deren Freunde helfen kräftig mit, die Männer der drei Frauen haben einen Verkaufsstand gezimmert, bauen diesen alljährlich auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt auf und helfen beim Verkauf. Buchhandlungen in Kirchheim und Weilheim sowie mehrere Lehrer von drei Schulen unterstützen ihre Bemühungen, mehrere Industrie- und Gewerbe-Betriebe der Umgebung kaufen regelmäßig UNICEF-Grußkarten. "So 10 bis 20 Firmen sind Stammkunden", schätzt Heidi Hahne.

Hätte sie sich träumen lassen, welch finanzieller Erfolg ihrem Engagement beschieden sein würde? Die Antwort ist kurz, sie kommt mit einem Lächeln und wie aus der Pistole geschossen: "Nö!" Und genauso wenig ist Heidi Hahne bange, wenn sie an die Zukunft der Arbeit für UNICEF unter der Teck denkt. Aber sie äußert einen Wunsch: Nachfolger zu finden, die die Arbeit der drei Frauen weiterführen wollen. Wer Interesse daran hat, kann sich gerne bei Heidi Hahne unter der Telefonnummer 0 70 21/5 28 30 melden.