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18 Eier und ‘ne größere Schüssel

Teckboten-Serie „Beste Freunde“: Alper Tezel und Thomas Mailänder lernten sich im „Bärenclub“ kennen

Wer will gute Waffeln backen, braucht dazu wohl sieben Sachen: Alper Tezel (links) und Thomas Mailänder in der AKB-Küche.Foto: J
Wer will gute Waffeln backen, braucht dazu wohl sieben Sachen: Alper Tezel (links) und Thomas Mailänder in der AKB-Küche.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Schlitten fahren fällt aus. Frau Holle wollte die Betten nicht schütteln. Dafür glühen die Waffeleisen in der AKB-Küche in der Kirchheimer Saarstraße. Alper Tezel, 25, und Thomas Mailänder, 42, sitzen an der Küchentheke. Alper mit

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den schwarzen Haaren und der Igelfrisur schlägt die Eierschalen auf und lässt Eiweiß und Dotter in eine Schüssel fließen. Alper: „Alle?“ – „Ja, alle, aber bitte ohne Schalen“. Thomas schaut nach dem Rezept. „Wir brauchen insgesamt 18 Eier und ‘ne größere Schüssel“.

Die beiden sind ein eingespieltes Team. Sie haben sich vor etwa sieben bis acht Jahren im „Bärenclub“ des Kirchheimer Aktionskreises Behinderte (AKB) kennengelernt. Damals wechselten die „Bären“ ihre Treffen von Freitagnachmittag auf Donnerstagabend. Und Thomas Mailänder, der seit seinem Zivildienst 1993 im AKB als Leiter aktiv ist, übernahm donnerstags den 14-tägigen Clubabend.

Noch gut kann sich Alper an diese Zeit erinnern. Vor allem an das tolle Wochenende des Bärenclubs im alten Bahnhof von Marbach auf der Schwäbischen Alb. Doch der fast zwei Meter große junge Mann aus Wendlingen und Thomas aus Kirchheim treffen sich nicht nur alle zwei Wochen im AKB. Sie bummeln in der Adventszeit über den Weihnachtsmarkt, gehen kegeln, Döner essen, ab und zu ins Fildorado und im Sommer auch zwischendurch mal ein Eis schlecken oder nach Albershausen zum Minigolfen und – meist mit dem Bärenclub – ins Kino.

Früher gingen die beiden Freunde samstags miteinander joggen am Waldfriedhof oder an den Bürgerseen. Auch auf dem Thüringer Rennsteig war Alper zwei- bis dreimal dabei. Das geht jetzt nicht mehr. „Alper braucht das Wochenende zur Erholung“, sagt Thomas. Behinderung? Für Thomas Mailänder und die AKB-Mitarbeiter spielt das keine Rolle.

Alper Tezel arbeitet seit fünf Jahren auf dem Hagenauer Hof der Familie Ehmann in Neuhausen auf den Fildern. Glückliche Hühner leben dort in Freiland- und in Bodenhaltung. Und Alper gehört zum sechsköpfigen Sortier- und Packteam. Je nach Lieferschein palettiert er die fertig verpackten Eier nach Sorten und Stückzahl. „Das ist kompliziert. Man muss sich konzentrieren“, sagt der 25-jährige Wendlinger, der täglich mit Zug und Bus anderthalb Stunden benötigt, um seinen Arbeitsplatz in Neuhausen zu erreichen. Das ist ziemlich umständlich, weshalb er jeden Morgen um 5.30 Uhr aufstehen muss.

Seinen Arbeitsplatz erhielt der 25-Jährige über die Vermittlung der Berufsberater der Arbeitsagentur. Ein Jahr lang wurde er im Christlichen Jugenddorf Hohenreisach auf die Berufswelt vorbereitet.

Im Sommerurlaub aber fährt Alper, das älteste von drei Kindern, mit seinen Eltern, die aus der Türkei kommen, nach Bergama bei Izmir. Darauf freut er sich. Was gefällt dir besser, Deutschland oder die Türkei? Alper muss nicht lange überlegen. „Beides gleich gut“, sagt er und lacht. „Türkisch ist meine Muttersprache“, doch er spricht auch sehr gut deutsch – und schwäbisch: „No net hudla“.

Vor jedem Treff klopft Alper per SMS oder via Facebook bei Thomas Mailänder an und fragt: „Was geht ab?“. Und der Kirchheimer Berufsschullehrer für Anlagenmechaniker im Sanitär-, Heizungs- und Klimabereich in Esslingen-Zell schreibt seinem Wendlinger Freund, was Sache ist – „Waffeln backen“. Dann setzt sich Alper in die S-Bahn nach Kirchheim. Wie heute Abend zum AKB-Treff.

Inzwischen ist der Teig fertig und es duftet in der ganzen Küche nach frischen Waffeln.