Lokales

1,8 Prozent Plus bei neuen Lehrverträgen erreicht

Die Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart haben die Vorgaben des Ausbildungspaktes erfüllt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 5175 gegenüber 5082 im Jahr 2003. Das Plus liegt bei 1,8 Prozent.

STUTTGART Claus Munkwitz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, erklärt dazu: "Damit haben die Betriebe ihre Verantwortung für die Zukunft der jungen Generation eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Jeder ausbildungswillige und ausbildungsfähige Bewerber hat eine Lehrstelle im Handwerk antreten können." Die Gesamtzahl der Auszubildenden in Handwerksbetrieben liegt derzeit bei 12 178. Ende 2003 waren es in der Region 11 989. Auch die Zahl der ausbildenden Betriebe hat sich positiv entwickelt. Sie stieg um 152 von 6150 im Jahr 2003 auf jetzt 6302 an. Den größten Anstieg der Zahl der neuen Lehrverhältnissen gab es in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen. Für Ludwigsburg konnte ein Plus von 113 Ausbildungsplätzen registriert werden, Böblingen liegt bei 60. Erfreulich ist auch der Trend, dass mehr Mädchen eine Ausbildung im Handwerk anstreben. Der Zuwachs bei den neuen Eintragungen liegt bei 5,5 Prozent. Der Anteil von Mädchen, die jetzt die handwerkliche Ausbildung begonnen haben, beträgt fast 30 Prozent.

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"Die enormen Anstrengungen von Betrieben und Handwerksorganisationen in der Region haben dieses Ergebnis möglich gemacht", erklärte Hauptgeschäftsführer Claus Munkwitz. Damit seien vielen Jugendlichen neue Zukunftschancen und gleichzeitig den Betrieben neue Qualifikationsperspektiven eröffnet worden. Allein über 300 Ausbildungsbetriebe konnten neu hinzugewonnen werden. Neu angeworben wurden über 600 Ausbildungsplätze und 118 Praktikumsplätze zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher. "Damit sind die Vorgaben für das erste Pakt-Jahr mehr als erfüllt", sagt Munkwitz. Den Erfolg führt er auf die ungebrochene Bereitschaft der Unternehmer zurück, vorhandenes Ausbildungspotenzial in qualifizierte Fachkräfte umzusetzen, die in wenigen Jahren dem Betrieb produktiv zur Verfügung stehen. "Damit haben unsere Nachfassaktionen, die zahlreichen Mailings, acht Nachvermittlungsaktionen mit den Agenturen für Arbeit sowie die Lehrstellenbörse im Internet und die Nachwuchskampagne der Kammer voll gegriffen."

Das erste Pakt-Jahr habe hohe Maßstäbe für die Aktivitäten in den kommenden beiden Jahren gesetzt, die alle bisherigen Anstrengungen zur Gewinnung von Lehrstellen übertroffen haben. Dies gelte auch für das Handwerk trotz seiner überdurchschnittlichen Ausbildungsquote. Die nach wie vor schlechte konjunkturelle Situation, der strukturelle Wandel, der unterschiedliche Bedarf an Fachkräften und die vielfach schlechte schulische Vorbildung der Lehrstellenbewerber seien wichtige Faktoren, die die Entscheidung für und gegen eine Ausbildung beeinflussen.

Die Verbesserung der Ausbildungsreife der Jugendlichen werde eine zentrale Herausforderung der nächsten Jahre sein, damit nicht noch mehr Betriebe von einer Ausweitung ihres Ausbildungsangebotes absehen oder freie Ausbildungsplätze unbesetzt lassen müssten.

Munkwitz versicherte, dass die Aktivitäten der Kammer beibehalten bleiben. Derzeit werden über 2000 Betriebe telefonisch nach Lehrstellen abgefragt, die in die Online-Lehrstellenbörse der Kammer eingegeben werden können.

Über 1000 freie Plätze sind derzeit gelistet. Seit wenigen Tagen unterstützt zudem ein neu eingestellter Lehrstellenwerber die Bemühungen der Handwerkskammer. Der positive Jahresabschluss 2004 ist umso erfreulicher, weil die Zwischenbilanzen der Handwerkskammer eher pessimistisch gestimmt hatten. Viele Verträge wurden aber sehr spät eingereicht, sodass sie erst dann registriert werden konnten. Zudem mussten massenweise Rückfragen getätigt werden oder es fehlten Unterlagen, ohne die die Eintragung nicht möglich war.

Zahlreiche Verträge waren auch ein Indiz für den Erfolg von Nachvermittlungsaktionen in allerletzter Sekunde oder von weiteren Anstrengungen, Jugendliche noch in eine Ausbildungsstelle zu vermitteln.

Die Top Ten der beliebtesten Ausbildungsberufe führt wie in den Vorjahren der Friseur (684 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse) vor den Kraftfahrzeugmechatronikern (496) und den Bäckern (265) an. Es folgen der Elektroniker, Energie- und Gebäudetechnik, (256), Tischler (239), Fachverkäuferinnen im Nah-rungsmittelhandwerk, Bäckerei, (218), Maler und Lackierer (166), Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (148), Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik (147) und die Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk, Fleischerei, (143).

Immer mehr Schulabgänger mit der mittleren Reife streben einen Handwerksberuf an. Hatten 2003 noch 1403 angehende Handwerker die Realschule abgeschlossen, waren es 2004 bereits 1506. Das sind 29,1 Prozent aller neuen Lehrlinge. Die größte Gruppe stellen wie in den vergangenen Jahren mit 52,4 Prozent die Abgänger mit Hauptschulabschluss. Nur vier Prozent Abiturienten waren zu finden. 2004 nahmen 3943 junge Handwerker an Gesellen- und Abschlussprüfungen teil, davon waren 3545 erfolgreich.

pm