Lokales

20 mal 20 Sekunden

Abwechslungsreiche Kurzvorträge in der Linde

20 Folien á 20 Sekunden, also genau 6.40 Minuten Redezeit waren die Rahmenbedingungen für die Vortragenden an einem Abend, zu dem Lucia Ruff und Jan Barocka in die Linde eingeladen hatten. Was zunächst als Zwangsjacke erscheinen musste, erwies sich als sinnvoll: Redselige Selbstdarsteller waren so von vornherein ausgeschlossen, und wer wirklich etwas zu sagen hatte, musste sich in Selbstdisziplin üben.

Kirchheim. Jeder, der sich berufen fühlte, einen Vortrag zu halten, konnte dies tun. Alles war erlaubt – nur das Überschreiten der Redezeit nicht. Den 20-Sekunden-Takt im Ablauf der Folienbilder mit der sprachlichen Darstellung zu synchronisieren, war selbst für geübte Referenten schwierig und zwang so manchen zu Probeläufen vor Spiegel und Angehörigen. Letztendlich hatten sich dann doch ein paar Leute bereit gefunden, etwas von dem vorzustellen, was sie umtreibt.

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Den Anfang machte Lucia Ruff selbst, mit einem emotionalen Aufruf zu mehr Zivilcourage und Hilfsbereitschaft. Für Gaffer und Wegseher bei Gewalttaten hatte sie die griffige Formulierung: „Wer nichts macht, macht mit.“ Jan Barocka stellte später einige Facetten des Themas „Freundschaft“ in digitalen Netzwerken dar. Im Weiteren bekamen die Zuhörer Einblicke in die hilfreiche Wirkung der neuro-linguistischen Programmierung in der sozialtherapeutischen Beratung unter dem Titel „Glaube nicht alles, was du denkst“. Mit „Die Kunst der wirbelnden Stöcke“ erfuhr man etwas über die philippinische Kampfsportart Shotoka, und danach wurde über die segensreiche Wirkung von Leinsamen und Leinöl berichtet. Dazu hatte die Referentin eigens einen großen Kuchen aus Leinsamen gebacken, von dem jeder in der darauf folgenden Pause ein großzügiges Versucherle haben konnte – oberlecker. Dazu gab es noch „gschmackige“ Häppchen aus durchaus gehobener Küche eines Besuchers.

Nach der Pause führte ein ausgewiesener IT-Experte vor, wie viele Menschen bereitwillig ihre „digitale DNA“ auf den Markt werfen, oft über den „Big Brother in der Westentasche“ – das Handy. Eine hochschwangere Ergotherapeutin führte in die Kommunikationstheorie nach Watzlawik ein und stellte humorvoll einige Verständnisschwierigkeiten zwischen Frau und Mann vor. Zum Schluss gestand ein Mittfünfziger seine langjährige Liebe zu einem Porsche 911 und offenbarte augenzwinkernd, warum manche Männer in ein Auto vernarrt sein können.

Nach diesen vielfältigen Anregungen blieben die Besucher in der Linde und später in privatem Rahmen noch lange im Gespräch beisammen. Es bleibt zu hoffen, dass Lucia Ruff und Jan Barocka dieses kurzweilige Format, an dem sich jeder beteiligen kann, wieder einmal auflegen.

Vielleicht können sie aus „Kurze Horizonte“, wie das Programm angekündigt war, etwas Ähnliches etablieren wie den Science Slam oder den Poetry Slam – allerdings ohne deren Wettbewerbscharakter.