Lokales

22 Prozent der Unfallverursacher "verduften" nach dem Knall einfach

Die Unfallstatistik des Kreises hat die Polizeidirektion vorgelegt. Danach sind die Unfallzahlen 2005 leicht angestiegen. Die Polizei musste mit 11 593 Verkehrsunfällen 5,5 Prozent mehr Karambolagen aufnehmen wie im Jahr zuvor. Verursacht wurde dieser Anstieg ausschließlich durch die erneute Zunahme der Bagatellunfälle auf insgesamt 6017, die nun einen Anteil von 52 Prozent am Unfallgeschehen einnehmen.

KREIS ESSLINGEN Ums Leben kamen bei Verkehrsunfällen im Jahr 2005 insgesamt 15 Personen und damit sechs weniger als im Vorjahr. Zurück ging auch die Zahl der Schwerverletzten und zwar um 16,3 Prozent auf 333, während die Anzahl der Leichtverletzten mit 1799 Personen fast unverändert geblieben ist. Der bei Verkehrsunfällen entstandene Sachschaden belief sich im Kreis auf zirka 17,9 Millionen Euro. In dieser Zahl ist allerdings die Summe der Bagatellunfälle nicht enthalten.

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Die Reihenfolge der Hauptunfallursachen ist wie in den Jahren zuvor unverändert: überhöhte Geschwindigkeit/Sicherheitsabstand; Abbiegen/Wenden/Rückwärtsfahren; Vorfahrtsverletzungen; Alkohol- und Drogeneinfluss. Wieder angestiegen und zwar um 6,8 Prozent auf nunmehr 2553 sind die Verkehrsunfälle mit Unfallflucht. Damit nehmen die Unfälle, bei denen sich die Verursacher "aus dem Staub" machen, mit 22 Prozent fast ein Viertel an der Gesamtzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle ein. Durch intensive Ermittlungsarbeit konnten aber knapp 70 Prozent der Unfallfluchten mit Verletzten oder hohen Sachschäden aufgeklärt werden. Ohne Zeugenhinweise sind allerdings Bagatellschäden oder so genannte "Parkplatzrempler" nach wie vor nur sehr schwer oder gar nicht aufzuklären.

Nach mehreren Rückgängen hat sich die Zahl der Schulwegunfälle deutlich und zwar um 39 Prozent auf 68 erhöht. Damit verbunden ist auch ein Anstieg der bei diesen Unfällen schwer Verletzten von 9 auf 14 und der Leichtverletzten auf 66 Personen. Bei 52 der Verletzten handelte es sich um Radfahrer; 26 davon waren ohne Helm unterwegs. Die Polizei im Landkreis führt mit unverändertem Einsatz Schulwegüberwachungen durch und beschult Kinder und Jugendliche in vielfältiger Art und Weise und bereitet sie auf die Gefahren im Straßenverkehr vor.

Ein leichter Anstieg auf 430 war im vergangenen Jahr auch bei den Verkehrsunfällen mit Radfahrern zu verzeichnen. Dies liegt offensichtlich daran, dass immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind und deshalb zwangsläufig auch mehr Unfälle passieren. Glücklicherweise kam aber kein Radfahrer ums Leben. Schwer verletzt wurden 83 Personen und 303 erlitten leichte Verletzungen. Dabei wurden 264 dieser Unfälle und somit über die Hälfte von Radfahrern selbst verschuldet.

Bei der Gruppe der "Jungen Fahranfänger" registrierte die Polizei im Landkreis insgesamt 1238 Verkehrsunfälle, wobei 803 von den jungen Autofahrern selbst verursacht wurden. Es sind dabei drei Personen getötet, 67 schwer und 422 leicht verletzt worden.

Leicht zurückgegangen ist die Zahl der unter Alkoholeinfluss verursachten Verkehrsunfälle und zwar um 7,4 Prozent auf 314 Unfälle. Dabei wurden vier Personen getötet, 33 schwer und 120 leicht verletzt. In 61 Fällen waren die Unfallverursacher allerdings gar nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Zudem wurden von den Polizeirevieren und der Verkehrspolizei im vergangenen Jahr 340 Führerscheine nach folgenlosen Trunkenheitsfahrten beschlagnahmt. Unter Drogeneinfluss wurden im vergangenen Jahr 17 Verkehrsunfälle verursacht. Dabei sind eine Personen getötet, drei schwer und sieben leicht verletzt worden.

Der Bereich "Drogen im Straßenverkehr" zählt nach wie vor zu den Schwerpunkten polizeilicher Verkehrsüberwachung im Landkreis Esslingen. Durch ständige Fortbildung und Bildung spezieller Teams konnte die Qualität der Drogenkontrollen in den letzten Jahren stetig verbessert werden. Dadurch hat sich auch die Anzahl der bei Kontrollen aufgefallenen Fahrzeuglenkern weiter erhöht. Im Rahmen derartiger Kontrollen wurden bei insgesamt 421 Verdachtsfällen Blutproben angeordnet. In 316 dieser Fälle war der Befund positiv, worauf die Fahrerlaubnis der Autofahrer entzogen oder ein Fahrverbot verhängt wurde.

Alkohol und Drogen im Straßenverkehr haben oft schwerwiegende und weit reichende Folgen für alle Beteiligten. Wer einen Unfall verursacht hat oder kontrolliert wird, muss mit hohen Kosten für ein Gerichtsverfahren und einen Anwalt sowie mit empfindlichen Strafen rechnen. Mit dem Führerschein verliert man heutzutage meist auch den Arbeitsplatz. Zudem sind bei solchen Unfällen häufig Schwerverletzte oder sogar Tote zu beklagen. Vielen der oft jungen Fahrer ist gar nicht bewusst, welche weit reichenden Konsequenzen Drogenkonsum für ihr weiteres Leben haben kann. Da es im Gegensatz zum Alkoholkonsum aber keine absoluten Grenzwerte gibt, reicht hier allein schon der Nachweis bestimmter Drogen für ein Fahrverbot aus. Die Polizei teilt solche Fälle immer der Führerscheinbehörde mit, die dann die Eignung der Betroffenen eingehend prüft.

Die verschiedenen Präventionsprojekte im Verkehrsbereich sind bereits mehrfach in den Medien vorgestellt worden. Die Mitarbeiter der Verkehrspolizei haben auch 2005 eine Vielzahl von Veranstaltungen angeboten. Insbesondere bei der Zielgruppe der "Jungen Fahranfänger" wurden bei 63 Veranstaltungen die knapp 1900 Teilnehmer umfassend informiert und für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert. Insgesamt wurden bei insgesamt 590 Seminaren, Projekttagen und Veranstaltungen 17 700 Personen unterrichtet. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Kindergartenkinder, Schüler, junge Erwachsene und Senioren, die an den Veranstaltungen der Verkehrspädagogen teilnahmen. Hinzu kommen noch 6000 Schüler, die in den fünf Jugendverkehrsschulen bei den "uniformierten Lehrern" die 5 bis 6-tägigen Radfahrkurse samt Prüfung absolviert haben.

Die Polizeidirektion Esslingen orientiert sich bei der Verkehrsüberwachung grundsätzlich an den Unfallschwerpunkten und legt danach auch die Prioritäten fest. Die Schwerpunkte werden dabei die Bekämpfung der Unfallursachen "Alkohol- und Drogeneinfluss", "überhöhte Geschwindigkeit" und "Sicherheitsabstand" sein.

Im vergangenen Jahr wurden bei Geschwindigkeitskontrollen 62 152 Fahrzeuge erfasst. 4188 Autofahrer mussten dabei beanstandet werden, weil sie zu schnell waren. Dies entspricht einer Beanstandungsquote von 6,7 Prozent. Zudem sind 1551 Fahrzeugführer bei Messungen mit der Laserpistole aufgefallen, weil sie zu schnell unterwegs waren. "Spitzenreiter" war ein Porsche-Fahrer, der am 25. August zwischen Nellingen und Ruit mit 195 km/h gemessen wurde. Erlaubt sind dort 70 km/h.

lp