Lokales

24 Stunden am Tag wird gebaut

Sechs Jahre müssen die Bürger mit dem Baulärm durch die ICE-Trasse leben

Für den Neubau der Schnellbahnstrecke zwischen Wendlingen und Ulm hat das Regierungspräsidium Stuttgart das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Wendlingen – Kirchheim eingeleitet. So fand am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung für interessierte Bürger aus Kirchheim statt und das Interesse war recht groß.

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Rudolf Stäbler

Kirchheim. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bemerkte bei ihrer Begrüßung, dass bisher schon sehr viele Bürger auf dem Rathaus die Pläne eingesehen hätten. Im Übrigen laufe die Einwendungsfrist gegen die geplante Trasse noch bis zum 27. Mai. „Ich gehe frohen Mutes an die Aufgabe heran“, betonte die Oberbürgermeisterin abschließend. Mitarbeiter der Projektgruppe der Deutschen Bahn stellten anschließend das Projekt sehr transparent vor und beantworteten am Ende fachkundig und ausgiebig die aus dem Publikum gestellten Fragen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die meisten Bedenken wegen des entstehenden Baulärms entstehen. Bei einer voraussichtlichen Bauzeit von mehr als sechs Jahren kann man wohl auch kaum von vorübergehenden Belästigungen sprechen. Allein 3,3 Millionen Kubikmeter Erde müssen im Trassenverlauf im Großraum Kirchheim bewegt werden.

Gegenstand der Planfeststellung ist der rund 11,06 Kilometer lange, größtenteils in Tunnellage verlaufende Streckenabschnitt von Wendlingen bis Kirchheim. Er beginnt kurz vor der Neckarüberquerung. Die Bahntrasse überquert das Neckartal, die Neckartalbahn und die Landesstraße L 1250. Der sich anschließende Albvorlandtunnel mit einer Länge von 8,155 Kilometer umfährt den Kirchheimer Stadtteil Lindorf, verläuft im Bereich des Gewerbegebiets Dettingen unter der Autobahn und unterfährt die Autobahnanschlussstelle Kirchheim-Ost. Von hier an wird die Neubaustrecke wieder oberirdisch bis zur nächsten Planfeststellungsgrenze „Kirchheim – Aichelberg“.

Horst Märtterer, Projektleiter des Planungsabschnitts, forderte die Zuhörer auf, ihre eventuellen Einwendungen gegen die Neubaustrecke schriftlich zu formulieren und diese entweder an das Regierungspräsidium oder aber an die Projektgruppe der Deutschen Bahn zu richten. Von beiden Behörden würden die Einwendungen genauestens geprüft und untereinander nochmals ausgetauscht. Dies allerdings sein nicht Gegenstand des heutigen Abends, entschieden würde erst bei der noch ausstehenden Erörterungsverhandlung. „Heute wollen wir sie lediglich nochmals im Detail über die geplante Strecke informieren“. Abschließend hatte er die Lacher auf seiner Seite: „Wer Erdaushub braucht, kann sich vertrauensvoll an uns wenden, er braucht nur zu sagen wie viele Lastwagen voll er haben möchte“.

Betroffene Grundstücksbesitzer müssen sich, was die Entschädigung oder die Zahlung von Grund und Boden betrifft, auch noch gedulden. Zwar „werde sich die Bahn nicht kleinlich zeigen“, näheres kann man allerdings auch erst nach Genehmigung des Planfeststellungsverfahrens erfahren. Erst dann liegen die Grenzen und die durch den Bau vorübergehend benötigten Flächen sicher fest. Enteignungen sind laut Aussage eines Bahnvertreters auf keinen Fall vorgesehen.

Günther Lohr, zuständig für die Baustellenlogistik bei der Deutschen Bahn, geht von einer Bauzeit von rund sechs Jahren aus. Ein direkter Baustellenverkehr durch die Stadt Kirchheim sei aber auf keinen Fall vorgesehen. Angesprochen wurden auch die möglichen Schall- und Erschütterungsimmissionen während des Neubaus und beim späteren Bahnbetrieb. In Sachen Lärmschutz gehen die Fachleute nach ihren Berechnungen davon aus, dass dieser deutlich unter den Grenzwerten liege. Nicht so sicher waren sich die Fachleute allerdings darüber, ob dies auch auf den Lärm während der Bauzeit Gültigkeit hat. Immerhin laufen die Arbeiten 24 Stunden am Tag und das über 365 Tage. „Sonn- und Feiertage gibt es bei solch einem Projekt nicht.“ Sicherlich eine Aussage, die bei den Bürgern der Kirchheimer Teilorte nicht so gern gehört wurde.