Lokales

25 Jahre "Linde" voller Ideen, Einsatz und Engagement

Einst war die "Linde" ein Gasthaus, heute bietet sie Raum für Jugendliche, in dem sie gemeinsam feiern, sich austauschen oder einfach nur relaxen können. Dieses Jahr hat die "Linde" als Jugendhaus 25-jähriges Jubiläum und feiert dies mit einem viertägigen Fest gebührend.

ANKE ALBRECHT

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KIRCHHEIM Blickt man auf 25 Jahre Geschichte zurück, so wird deutlich, dass sich die "Linde" in ständigem Wandel befindet. Sie erlebte Höhen und Tiefen und rief immer wieder neue Aktionen ins Leben, um die Menschen in und um Kirchheim anzuziehen. Generationen haben dieses Haus besucht, an Bildungsangeboten teilgenommen, "wilde" Konzerte gefeiert oder sich ehrenamtlich engagiert. Besondere Highlights waren dabei beispielsweise der Weltrekordversuch im Tischfußball 1983, beim dem sogar das Fernsehen anwesend war, das Konzert der holländischen Gruppe "Bots" oder auch der Besuch von Helge Schneider anlässlich des 15-jährigen Bestehens.

Die "Linde" wurde damals als zukünftiges Jugendhaus ausgewählt, da sie groß genug und deswegen funktional gut geeignet war. Außerdem hatte sie ein Fotolabor, was zu dieser Zeit in keinem Jugendhaus fehlen durfte. Der Anfang wurde im Oktober 1979 gemacht, als mit dem Umbau der "Linde" nach Plänen des Architekten Walter Bacher begonnen wurde.

Um die Fertigstellung des Jugendhauses zu unterstützen, riefen die damaligen Jugendhausleiter Berner und Eisrich sowie etwa 20 Jugendliche die "Aktion Linde" ins Leben. Ein Spendenaufruf, der Verkauf von Basteleien, Kalendern oder auch Souvenirs aus der "Linde" sowie Benefizkonzerte sollten zu Geld verhelfen. Die Jugendlichen wurden damals aufgerufen, selbst aktiv an dem neuen Jugendhaus mitzuarbeiten, da viele mit dem Provisorium im Vogthaus nicht zufrieden waren.

Im Juli 1980 startete endlich die Arbeit in der "Linde". Einen offiziellen Eröffnungstermin gab es jedoch nicht. Ein Problem musste damals aber noch gelöst werden: Die Mitarbeiter der "Linde" waren sich nicht einig, ob die Jugendlichen ein Mitspracherecht haben sollten oder nicht. Dies wurde dann aber zu Gunsten der Jugendlichen entschieden. Zu Recht, wie sich herausstellte: "Es gab jede Woche Vollversammlungen der Jugendlichen, bei denen basisdemokratisch abgestimmt wurde. Das funktionierte gut!", erinnert sich Kurt Spätling, Geschäftsleiter des Kreisjugendrings.

Jugendhäuser waren früher mehr für die Jugendlichen als nur Jugendhäuser so auch die "Linde". Natürlich hatten sie dort genauso Spaß und feierten Partys wie heute, jedoch kam noch ein weiterer, wichtiger Aspekt hinzu: Sie waren der Meinung, dass man in Jugendhäusern die Gesellschaft verändern konnte. Es ging also viel politischer zu als heute. Außerdem war bei der Jugend der Wunsch vorhanden, sich von den Eltern abzusetzen. Dies ließ sich in einem Jugendhaus natürlich gut realisieren, da es ein Haus für die Jugendlichen alleine war. Ein Raum, in dem sie sich ausleben und ungestört ihre eigene Musik hören konnten. Damit grenzten sie sich von der Gesellschaft ab und zeigten, dass sie nicht alles befürworteten.

Heute geht der Trend in der Jugendarbeit ganz klar in Richtung Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft, steht also im starken Kontrast zu den Anfängen der "Linde". Die Eingliederung ist deswegen so wichtig, da die Jugendlichen der demografischen Entwicklung zufolge in Zukunft einmal eine Minderheit darstellen werden und ihrem Leben in der Gesellschaft somit wieder eine größere Bedeutung zukommen wird. Dies wird in der "Linde" durch generationsübergreifende Projekte umgesetzt. Beispielsweise erklären die Jugendlichen den Älteren, wie ein Handy funktioniert oder sie stehen bei der Theatergruppe gemeinsam auf der Bühne. Es werden auch Veranstaltungen für Jung und Alt geplant. Ein gutes Beispiel hierfür ist der "Kulturkeller", in den auch mal der Opa mit seinem Enkel gehen kann.

Außerdem bietet die "Linde" ein vielfältiges Programm an, das vom Kleinkind bis zum Senior reicht, aber auch ganze Familien anspricht. Somit werden Jugendliche nicht abgekapselt, sondern bewusst in die Gesellschaft integriert. Beispiele hierfür sind die BUND-Spatzen oder auch das Kinderferienprogramm für die kleineren Besucher, der Türkische Kulturverein für türkische Familien oder auch der Computerkurs für ältere Menschen. "Die Jugend steht aber nach wie vor im Vordergrund", meint Jutta Deuschle, stellvertretende Hausleiterin der "Linde".

Die "Linde" will sich zukünftig noch mehr der Gemeinwesensarbeit widmen. Dazu kooperiert sie mit anderen Jugendeinrichtungen wie der Paulinenpflege und dem Brückenhaus, mit Sportvereinen, der Familien-Bildungsstätte, der Stadtverwaltung und vielen anderen Einrichtungen und Institutionen in Kirchheim. Außerdem will die "Linde" bürgerschaftliches Engagement fördern und unterstützen, in dem sie Räume und Begegnungsorte bietet, in denen sich Vereine oder Gruppen treffen können. Die Gemeinwesensarbeit in der "Linde" orientiert sich hierbei an den gesellschaftlichen Themen nicht an den Problemen.

Heute zählt die "Linde" zu einem der schönsten Jugendhäuser Deutschlands, da sie ein sehr vielfältiges Programmangebot besitzt, das ständig verbessert wird. "Es kommen immer wieder Anrufe von Jugendhäusern, die nachfragen, ob sie nicht mal vorbeischauen können, um sich ein paar Ideen für ihr eigenes Jugendhaus zu holen", verrät Jutta Deuschle.

Die Feier anlässlich des 25. Jubiläums soll die Bandbreite widerspiegeln. An den vier Tagen ist für jede Generation etwas dabei. Die Festlichkeiten beginnen am Donnerstag, 30. Juni, und enden am Sonntag, 3. Juli .

Zum Auftakt veranstaltet die "Linde" ein großes Kinderfest, das am Donnerstag um 10 Uhr beginnt. An diesem Tag stehen die "Kleinsten" im Mittelpunkt. Neben zahlreichen Aktionen wie einer Hüpfburg, Kistenstapeln oder Gesichterschminken, kann auch gegrillt werden. Um 13 Uhr öffnet dann der Linde-Palast mit einem Überraschungsfilm seine Türen.

Der Freitag, 1. Juli, ist der Tag der Jugend, der mit Cocktailbar und Pool ganz unter dem Motto "Somer, Sonne -Summerfeeling" steht. Die "Grillage", wie das gemütliche Grillen in der "Linde" genannt wird, beginnt um 16 Uhr. Abends steigt eine große Disco, bei der zu heißen Sommerbeats von Dj Quick L. gefeiert werden kann.

Für Samstag, 2. Juli, hat sich die "Linde" etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Sie gestaltet ein "Traumhaus" für alle Generationen und Geschmäcker, mit der Unterstüzung vieler Gruppen aus Vereinen, Einrichtungen und Schulen. Jede Gruppe entwarf dabei einen Raum, der darauf abzielt, verschiedenste Emotionen bei den Besuchern hervorzurufen. Diese Räume werden aber erst mit Hilfe der Besucher an diesem Samstag vollendet.

Den Abschluss des dritten Tages bildet ein Konzert mit zwei Bands der eher außergewöhnlichen Art. Die eine ist die Nürtinger Band "Far out". Ihren Musikstil kann man als Hardcoregroove bezeichnen, der durch melancholisch frustrierten Gesang, durchdringende Basswellen und rückkopplungsfressende Gitarren mit groovigen Rhythmen gekennzeichnet ist. Weiter geht es mit dem "Ikarischen Ensemble" aus Ditzingen, das Gedichte vertont und dessen Musik als eine äußerst anspruchsvolle Mischung aus Jazz und Rock umschrieben werden kann. Die beiden Konzerte werden durch Video- und Aktionskünstler unterstützt.

Der letzte Tag der Jubiläumsfeier wird um 10 Uhr mit einem "Klassikfrühstück" im Garten der "Linde" eröffnet. Alt und Jung können sich an einem Frühstücksbuffet bedienen und dabei klassischer Musik lauschen. Ab 13.30 Uhr feiern sich die "Linde" und all ihre Gruppen selbst. Egal ob Twilightzone, Breaker oder auch Türkisches Kulturhaus, an diesem Tag kann man die Menschen hinter diesen Namen und außerdem das vielfältige Programm der "Linde" kennen lernen.