Lokales

290-Tonnen-Koloss präzise "umgelegt"

Für die zahlreichen Zuschauer war es ein nicht alltägliches Spektakel: Am Samstag kurz nach 10 Uhr brachte das Pfullinger Sprengunternehmen Fink den Fabrikschornstein auf dem ehemaligen Faber & Becker-Gelände in Weilheim punktgenau zu Fall.

RICHARD UMSTADT

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WEILHEIM Was vor über 100 Jahren in mühevoller handwerklicher Arbeit hochgezogen worden war, fiel am vergangenen Samstagmorgen innerhalb einer Sekunde um. Um den rund 40 Meter hohen und zirka 290 Tonnen schweren Koloss zu fällen, reichten nach Angabe von Sprengmeister Martin Fink rund 4,2 Kilogramm Sprengstoff, gut verteilt in zwölf Bohrlöchern.

Das Pfullinger Sprengunternehmen ist spezialisiert auf Präzisionssprengungen in dichtbebautem Gebiet. So war es denn auch kein Wunder, dass das vormals weithin sichtbare Wahrzeichen der ehemaligen Weilheimer Weberei in die vorbestimmte Richtung auf dem einstigen Faber & Becker-Areal vom noch stehenden früheren Kesselhaus weg zur Seite kippte und dort, wo nun ein begrüntes Parkplatzgelände entstehen wird, zum Liegen kam.

Viele Zuschauer, darunter auch Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer, fanden sich ein, um dem nicht alltäglichen Spektakel beizuwohnen und anschließend das Werk der Sprengmeister zu begutachten. Feuerwehr und Polizei hatten zuvor das Gelände weiträumig abgesperrt. Von der Kirchheimer und der Kalixtenbergstraße jedoch konnte die Sprengung des alten Ziegelsteinkamins ohne Gefahr beobachtet werden.

Erneut wird sich der rote Bauschutt auf dem ehemaligen Fabrikgelände türmen, wenn das Kesselhaus wie bereits Monate zuvor die Hallen der Industriebrache der Abrissbirne zum Opfer fallen wird. Damit wird dann der Schlussakkord unter die Abbrucharbeiten gesetzt werden. Wie Bürgermeister Bauer sagte, konnte der Schornstein nicht im Zuge der Hallendemontage abgebrochen werden, weil die an dem Kamin befestigte Mobilfunkantennenanlage zuvor auf einen Masten in der Nähe umgesetzt und in Betrieb genommen werden musste.

Die kompletten Kosten für den Abbruch bezahlt als Käufer des 12 210 Quadratmeter großen Areals die Activ-Immobilien GmbH. Auf der Brache stehen bereits die neuen Gebäude der Lebensmittelmärkte Aldi und Rewe, die voraussichtlich im Juli oder August eingeweiht werden. Bis dahin werden auch die rund 210 Parkplätze für die Kunden fertiggestellt sein, die von der Kirchheimer Straße aus angefahren werden können.

Bürgermeister Hermann Bauer stellte mit Genugtuung fest, dass durch diese Lösung zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden konnten: Zum einen wird durch die Bebauung die Industriebrache sinnvoll verwendet und zum anderen können die Discounter stadtnah gebunden werden. Dabei vermerkte er positiv, dass damit einem Landverbrauch auf der grünen Wiese Einhalt geboten werden konnte.

Zu dem Gesamtpaket, das der Investor Activ-Immobilien GmbH erwarb, gehört auch die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Fabrikantenvilla an der Kirchheimer Straße. Dort sollen nach den Vorstellungen der Planer Wohnungen und Büros entstehen.

An die alten Faber & Becker-Zeiten erinnern wird außerdem auch die Ziegelbau-Fassade der ehemaligen Weberei, die als gelungenes Beispiel der Industriearchitektur um 1900 gilt.