Lokales

3 000 kinderpornografische Fotos

27-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagt

Nein, kinderpornografische Ambitionen habe er nicht mehr, sagte ein 27-jähriger Handwerker aus Oberboihingen vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Mann ist angeklagt, in unterschiedlichen Internet-Chats Kinder im Alter zwischen 10 und 13 Jahren zu sexuellen Praktiken animiert zu haben.

Nürtingen/Oberboihingen. Als am 18. April die Nürtinger Polizei den 27-Jährigen zu den Vorwürfen befragte und dann zunächst wieder laufen ließ, soll der Mann in einem Chat-Room munter weiter unter einer falschen Identität Kontakte zu zahlreichen Kindern in der Umgebung von Nürtingen und Wendlingen hergestellt haben. Zuvor schon, so die gewichtige Anklage vor der Jugendschutzkammer, habe er in mindestens 35 Fällen Mädchen und Buben dazu gebracht, sich vor der Web-Kamera zu entblößen. Die Fotos und Videos, die er dabei herstellte, soll er anderen zugänglich gemacht haben.

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Schließlich klickten dann bei dem Handwerker am frühen Morgen des 29. April die Handschellen. Nürtinger Kriminalbeamte hatten sich in die Chat-Unterhaltungen des Angeklagten geschaltet und konnten dessen Treiben mit den ahnungslosen Kindern verfolgen. Dabei kam zutage, dass der 27-Jährige sich zum einen als junges Mädchen mit den Profilen „Blauauge“ und „Lissy“ darstellte, andererseits auch als gut aussehender junger Mann. In Wirklichkeit ist er übergewichtig und nach seinem jetzigen Geständnis vor den Richtern würde ihm kein weibliches Wesen antworten, wenn er sein echtes Foto einstellen würde. Die Bilder, die ihn angeblich zeigten, hatte er aus dem Internet herunter geladen.

Den schweren sexuellen Missbrauch an Kindern begründet die Staatsanwaltschaft damit, dass der Angeklagte die jungen Opfer dazu brachte, sich vor den Web-Kameras zu entkleiden und darzustellen. „Sie machten es freiwillig“, versuchte der Beschuldigte zu beschönigen. „Eine Beteuerung, die wir in solchen Fällen immer wieder hören“, entgegnete ihm der Kammervorsitzende. Die Polizei hatte auf seinem Computer an die 3 000 kinderpornografische Fotos und 300 Videos mit eindeutigem Inhalt sichergestellt.

Der Justiz ist der Angeklagte bereits einschlägig bekannt. Das Nürtinger Amtsgericht hatte ihn schon wegen Besitz kinderpornografischer Bilder zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In der Schweiz, in der der Angeklagte zeitweise als Gas-Wasser-Installateur arbeitete, hatte ihn die Strafverfolgungsbehörde ebenfalls wegen solcher Vorwürfe abgeurteilt. In einem früheren Verfahren in Sachsen habe er sich einmal selbst angezeigt, um dann andere Kinderschänder entlarven zu können, sagte er.

Laut der jetzigen Anklage soll der 27-Jährige in einigen Fällen auch versucht haben, sich mit den Kindern zu treffen, um angeblich Modeaufnahmen zu machen. Als eine Elfjährige ihm im Chat antwortete, sie werde kommen, allerdings mit den Eltern, wurde nichts aus dem Treffen. Auch mit anderen Kindern kam nie ein Treffen zustande.

Der Angeklagte sah das Unrecht seines Treibens ein und befindet sich jetzt in einer Therapie. Er habe keine Ambitionen mehr, sich mit Kinderpornografie zu beschäftigen, und habe nun sogar eine gleichaltrige Freundin, betonte er. Das Urteil gegen ihn soll am Freitag, 9. September, verkündet werden.