Lokales

300 Millionen Euro Zusatzeinnahmen

"Deutschlands schönste Fankurve, Baden-Württemberg, freut sich auf die WM 2006. Mit diesem Slogan begrüßt das Ländle im nächsten Jahr fußballbegeisterte Fans aus aller Welt", ließ Dr. Horst Mehrländer, Staatssekretär im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium, bei einer Podiumsdiskussion die Zuhörer wissen.

WAIBLINGEN Renommierte Vertreter aus Politik und den Landes-sportverbänden diskutierten bei einer Veranstaltung des Sportkreises Rems-Murr über die Auswirkungen von Weltmeisterschaften und Großveranstaltungen auf den Sport und die Wirtschaft in der Region Stuttgart. Die FIFA-WM 2006 soll nach Annahme des Staatssekretärs 1500 neue Arbeitsplätze in der Region Stuttgart und 2500 im Land schaffen Aushilfs- und Studentenjobs nicht eingerechnet. Die Gastronomie, aber auch andere Dienstleister und nicht zuletzt die Baubranche werden nach Ansicht Mehrländers von den sechs WM-Spielen profitieren. Dabei rechnet er mit bis zu 300 Millionen Euro Zusatzeinnahmen und 500 000 Übernachtungen für den Tourismus im Land.

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Herbert Rösch, Präsident des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) pflichtete ihm bei: "Profitieren werden wir immens. Unsere Region liegt am zentralsten, das wird vermarktet. Die Menschen werden im Schwarzwald und auch im Rems-Murr-Kreis übernachten."

Neben der Fußball-WM werfen weitere Großveranstaltungen in der Landeshauptstadt bereits ihre Schatten voraus. Stuttgart ist von 2006 bis 2008 Gastgeber des Finales der "World Athletics Tour" der Leichtathleten, der Rad- und Turnweltmeisterschaften 2007 sowie der Handball-WM 2007, bei der Mannheim weiterer Austragungsort in Baden-Württemberg sein wird. "Einzigartige Chancen" sieht Horst Mehrländer in dieser Anhäufung von Titelkämpfen.

"Stuttgart kann sich damit nachhaltig als ,Stadt der Weltmeisterschaften' international positionieren", so der Vertreter des Wirtschaftsministeriums.

Moderator Johannes Seemüller (SWR) hingegen beschäftigte die Frage, ob nicht alle anderen Sportarten der Fußball-WM zum Opfer und "durch den Rost fallen". Der Vizepräsident des Handballverbandes Württemberg (HVW), Dr. Joachim Wolf, zeigte sich besorgt, dass etwa die Vorbereitungen für die vier Stuttgarter Vorrundenspiele der Handball-WM im Frühjahr 2007 "von der Fußball-WM überstrahlt" würden. Ebenfalls mit Sorge blickte Fred Eberle als Vizepräsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV) auf das World Final (9./10. September 2006). Für die Straßenrad-WM im September 2007 "wird das Geld der Sponsoren ziemlich verbraten sein", befürchtet Gerd Krieg, Vizepräsident des Württembergischen Radsportverbandes (WRSV).

Neben den wirtschaftlichen Chancen und der Imagewerbung für Region und Land kam ein weiterer Aspekt zur Sprache: die Signalwirkung von großen Sportveranstaltungen auf die Nachwuchsförderung. Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen und schwäbischen Turnerbundes, hofft auf Impulse: "Diese Fülle von Weltmeisterschaften soll dazu führen, Talente entschieden und qualifiziert zu fördern." Seine Anregung: "Die Vereine im Vorfeld der WM öffnen für ein Gespräch." Leichtathletik-Vize Eberle brachte es auf den Punkt: "Der große Sport beginnt bei den Kleinen".

(aus: der Sport)