Lokales

34 Millionen Umsatz durch Touristen

Heike Büttner stellt den Jahresbericht für das Sachgebiet Tourismus und die Kirchheim-Info vor

Der Tourismus in Kirchheim ist im Aufwind: Das belegen die Zahlen, die Heike Büttner beim Jahresbericht der Kirchheim-Info dem Finanz- und Verwaltungsausschuss vorgelegt hat. Der Näherungswert für den Gesamtumsatz, der in Kirchheim mit dem Tourismus zusammenhängt, liegt bei über 34 Millionen Euro im Jahr.

Stadtführungen stehen in Kirchheim hoch im Kurs. Um das Angebot besser an die hohe Nachfrage anpassen zu können, haben Stadt und
Stadtführungen stehen in Kirchheim hoch im Kurs. Um das Angebot besser an die hohe Nachfrage anpassen zu können, haben Stadt und Volkshochschule gemeinsam neue Stadtführer ausgebildet.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. 57 628: Das ist die Anzahl der Übernachtungen, die das Statistische Landesamt für Kirchheim im Jahr 2012 mitteilt. Weil jeder Übernachtungsgast im Durchschnitt pro Tag 188 Euro ausgibt, ließen also die Touristen, die nicht nur tagsüber für ein paar Stunden nach Kirchheim kamen, 2012 in der Teckstadt 10,8 Millionen Euro zurück. Diese Summe lässt sich aber noch bei Weitem übertreffen und sogar mehr als verdoppeln: durch das Geld, das die Tagestouristen ausgeben. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass es sich um Berechnungen anhand statistischer Werte handelt, die nicht zu hundert Prozent zuverlässig sein können.

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Der eine statistische Wert besagt, dass sich jeder einzelne Übernachtungsgast mit 13,2 Tagesgästen „verrechnen“ lässt. Demnach wären 2012 rund 760 000 Tagestouristen nach Kirchheim gekommen. Weil – und das besagt der andere statistische Wert – jeder dieser Ausflügler im Schnitt 30,70 Euro ausgibt, gab das in Kirchheim einen Jahresumsatz von 23,3 Millionen Euro. Insgesamt ergeben sich gerundet etwa 34,2 Millionen Euro, die Touristen 2012 in Kirchheim ausgegeben haben: für Übernachtungen, für Essen und Trinken, für Einkäufe oder für Eintritte.

Das eine oder andere Ausschussmitglied zweifelte die Zahlen im Sitzungssaal zwar an oder konnte sich zumindest nicht vorstellen, dass tatsächlich jeden Tag mehr als 2 000 Ausflügler nach Kirchheim kommen sollen. Allerdings ist es auch schwierig, sich diese Zahl wirklich vorzustellen, denn die 2 000 Tagesgäste kommen ja nicht alle auf einmal oder gar allesamt mit der S-Bahn. Natürlich hat die S-Bahn viel dazu beigetragen, dass so viele Menschen als Touristen nach Kirchheim kommen. Immerhin stammen 41 Prozent der Anfragen bei der Kirchheim-Info aus dem Großraum Stuttgart. Aber andererseits zählen sowohl zu den Übernachtungsgästen als auch zu den Tagestouristen die Geschäftsreisenden. Und auch wer nur zum persönlichen Vergnügen nach Kirchheim reist, muss deswegen noch lange nicht im Stadtbild „auffallen“, indem er etwa an einer Stadtführung teilnimmt.

Die Stadtführungen allerdings sind ein wichtiges Stichwort für die Arbeit der Kirchheim-Info im Max-Eyth-Haus. Zwar ist die Anzahl der Führungen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen – von 402 im Jahr 2012 auf 386. Aber Heike Büttner und ihr Team führen das unter anderem auf „die schlechte Witterung des vergangenen Frühjahrs“ zurück. Mit knapp 23 000 Euro lagen die Einnahmen der Stadtführungen noch vor denen aus dem Ticketverkauf, die sich 2013 auf über 20 000 Euro beliefen. Ein weiterer Grund für den leichten Rückgang bei Stadtführungen waren „Engpässe“, die nun dadurch überwunden werden sollen, dass die Stadt in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule neue Stadtführer ausgebildet hat.

Dieser Stadtführerkurs geht jetzt im Februar noch zu Ende – mit schriftlichen und praktischen Prüfungen, denen sich die neuen Stadtführer zu stellen haben. Heike Büttner hob in der Ausschusssitzung speziell das Niveau sowie den „breiten Ausbildungsinhalt“ der Stadtführerschulung hervor. Dieser Kurs muss zudem auch über Kirchheim hinaus schon einiges an Aufmerksamkeit erregt haben: Heike Büttner zufolge gab es bereits zahlreiche Anfragen von anderen Kommunen und Regionen zu den Erfahrungen, die Kirchheim mit der Stadtführerausbildung gemacht hat.

Ein ähnlicher „Exportschlager“ ist auch die „Fachwerkrallye“ für Familien, die eigentlich nur als Begleitprogramm zur großen Fachwerkausstellung vor zwei Jahren gedacht war. Inzwischen gehört die Rallye zum Dauerangebot. Und auch in diesem Fall haben schon etliche Touristen-Informationen aus anderen Städten nach den Kirchheimer Erfahrungen gefragt.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker stellte angesichts der Umsatzzahlen zunächst fest: „Tourismusförderung ist auch Wirtschaftsförderung.“ Anschließend sprach sie eine völlig neue Form der Führungen in Kirchheim an, die in absehbarer Zeit und über mehrere Jahre hinweg Touristen nach Kirchheim locken könnten: Baustellenführungen im ICE-Tunnel. Aber auch unabhängig von solchen Führungen dürfte der Neubau der ICE-Trasse für eine Steigerung der Touristenzahlen sorgen – ob mit oder ohne Übernachtung. Die Baustelle bringt ja nicht nur Zuschauer nach Kirchheim, sondern auch Handelnde. Und Letztere zählen als Geschäftsreisende in der Statistik ebenfalls zu den Touristen.