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34 Monate hinter Gitter

Nur geständige Angeklagte können mit milden Strafen vor Gericht rechnen. So auch der 37-jährige Mann aus Großbettlingen, der die elfjährige Tochter seiner Lebensgefährtin knapp vier Jahre lang sexuell missbrauchte (wir berichteten). Da der Mann geständig war, schickte ihn das Stuttgarter Landgericht nur für 34 Monate hinter Gitter

BERND S. WINCKLER

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STUTTGART Hätte der 37-Jährige vor der 3. Großen Jugendschutzkammer am Stuttgarter Landgericht die insgesamt 150 Fälle von sexuellem Missbrauch, darunter einige Fälle als schwerer sexueller Kindesmissbrauch, von sich gewiesen, dann hätte zum einen das Gericht eine wochenlange Beweisaufnahme gegen ihn durchführen müssen. Und zum andern zahlreiche Zeugen und Sachverständige vernehmen müssen. Die Frage, sagt das Kind vor Gericht die Wahrheit oder hat es die sexuellen Übergriffe erfunden? hätte dann im Mittelpunkt des Verfahrens gestanden.

Die meisten wegen derartiger Sexualstraftaten Angeklagten streiten die Vorwürfe ab. Nicht so der 37-Jährige. Er hat sich am Montag dieser Woche die Anklage angehört und am zweiten Verhandlungstag dann einen Großteil der Vorwürfe zugegeben. Allerdings korrigierte er die Anklageschrift von 150 Fällen des Missbrauchs auf rund 74. Mehr sei es keinesfalls gewesen, gab er zu Protokoll.

Zuvor hatten die Richter ihm in einer Art "Verständigung" zugesagt, dass bei einem Geständnis eine Strafe herauskommt, die nicht höher als zwei Jahre und zehn Monate ist. Dieses Angebot nahm der Mann an.

Immer wenn seine Lebenspartnerin, die Mutter der Elfjährigen, außer Haus war, hatte er sich an dem Mädchen vergangen bis zu deren 14. Lebensjahr. Ja, so sei es gewesen. Auf Einzelheiten mussten er und die Juristen daraufhin nicht mehr eingehen. Und was ihm ebenfalls hoch angerechnet wurde, war der Umstand, dass man die heute 16-jährige Schülerin nicht mehr in den Zeugenstand laden musste.

Urteil gleich angenommenDa er bisher nicht einschlägig vorbestraft ist, sah die Jugendschutzkammer keine Gefahr, dass er erneut in sexueller Hinsicht mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Die verhängten milden zwei Jahre und zehn Monate im strafrechtlichen unteren Bereich muss er zumindest zu zwei Drittel verbüßen. Das Urteil nahm er noch im Stuttgarter Gerichtssaal an.