Lokales

36 nächtliche Einbruchstouren

Drei Männer haben Gaststätten, Spielhallen und Wettbüros heimgesucht

Eine Diebesbande, bestehend aus drei 29- bis 34-jährigen Männern aus dem Kosovo sowie aus Albanien und Mazedonien, soll in der Zeit von Juli bis Dezember vergangenen Jahres in 36 Fällen Gaststätten, Spielhallen und Wettbüros in Kirchheim, Wendlingen, Dettingen und Nürtingen heimgesucht und bei den nächtlichen Einbrüchen großen Schaden angerichtet haben. Die Männer sitzen nun auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

BERND WINCKLER

Kirchheim/Stuttgart. Am 12. Dezember vergangenen Jahres klickten genau an dem Tag die Handschellen, an dem die drei Angeklagten in Dettingen in eine Spielhalle eingebrochen sind und dort aus einem Automaten 3 000 Euro in bar erbeuteten: Zwei Männer konnte die Polizei unmittelbar nach der Tat festnehmen. Der dritte Täter, ein 29-Jähriger aus dem Kosovo, der damals noch in Bretten wohnte, wurde elf Tage später in seinem Wohnort verhaftet. Jetzt wirft die Stuttgarter Staatsanwaltschaft dem Trio 36 banden- und gewerbsmäßige schwere Diebstähle vor – begangen, um sich dadurch eine ständige Einnahmequelle zu schaffen.

Die „Dreier-Bande“ soll sich laut Anklage vor der 19. Großen Strafkammer im Juni vergangenen Jahres zusammengeschlossen haben. Die ersten nächtlichen Einbruchstouren sollen sich in Spielotheken in Kirchheim ereignet haben, wobei die Einbruchsschäden an den Türen und Behältnissen weitaus höher waren als die Bargeldbeute. So beklagte bei einem Einbruch am 25. Juni in der Kirchheimer Straße in Wernau der Inhaber der dortigen Spielhalle einen Sachschaden von 15 000 Euro, während die Diebe nur 2 000 Euro aus einem Automaten knacken konnten.

Ähnlich verhielt es sich bei den folgenden Taten, die der Staatsanwalt vor den Stuttgarter Richtern fein säuberlich auflistete: 7. Juli, Spielhalle in Kirchheim, Sachschaden 2 000 Euro, Beute 200 Euro; in der Nacht darauf Einbruch in einem Spielclub in ­Neckartenzlingen, Sachschaden 2 000 Euro, Beute gleich Null; in der Nacht zum 24. Juli Einbruch in ein Wettbüro in Kirchheim: Es entstand ein Sachschaden von 2 500 Euro, der „Coup“ aber misslang, weil sich die Kasse nicht öffnen ließ; und in der Nacht zum 6. August soll das Trio gleich zweimal in Lenninger Gaststätten aktiv gewesen sein und eine Beute von mehreren Tausend Euro gemacht haben – der Sachschaden liegt hier bei insgesamt 5 000 Euro.

Bis zur endgültigen Festnahme am 12. Dezember wirft der Staatsanwalt den Dreien noch weitere Einbrüche in Spielhallen und Gaststätten in Esslingen, Dettingen und Wernau vor. Bei einem Esslinger Einbruch sollen den Männern 18 000 Euro bar in die Hände gefallen sein. Beim nächsten Einbruch in derselben Nacht erbeuteten sie dann nochmals 15 100 Euro, wobei sie einen Sachschaden von 10 000 Euro verursachten. Nach dem letzten Coup am 12. Dezember mit einer Beute von 3 000 Euro aus einer Spielhalle in Dettingen war ihnen die Polizei bereits auf den Versen. Zwei Stunden später saßen zwei Mitglieder der „Dreier-Bande“ in Haft.

Vor der 19. Strafkammer des Landgerichts mussten die Täter am ersten Prozesstag noch keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Aus Zeitgründen vertagten die Richter den Fortgang der Verhandlung auf den 14. Juni, um dem Trio Gelegenheit zu Geständnissen zu geben. Dann nämlich, so der Strafkammervorsitzende in seiner Belehrung, könne man mit einem „Strafrabatt“ von 25 Prozent rechnen.

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