Lokales

50-Jähriger würgt Ex-Frau und schrottet Autos

Wegen versuchten Totschlags, mehrfacher gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung muss sich seit gestern ein 50-jähriger Elektriker aus Wernau vor dem Stuttgarter Schwurgericht verantworten. Er soll am 11. Juni zum wiederholten Mal versucht haben, seine gleichaltrige Ehefrau zu erdrosseln. Mit seinem Fahrzeug habe er zudem absichtlich zwei Garagengebäude der Schwiegereltern zerstört.

BERND WINCKLER

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STUTTGAERT Die Vorwürfe der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den 50-Jährigen vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts sind enorm: Der seit April dieses Jahres getrennt von ihm lebenden Ehefrau soll er am Abend des 11. Juni vor dem Wendlinger Bahnhof aufgelauert haben. Als die Frau dann gerade in ihr auf dem Parkplatz stehendes Fahrzeug einsteigen wollte, habe er die Beifahrertüre aufgerissen und sich gewaltsam ebenfalls in das Fahrzeug begeben.

Mit den Worten, er wolle mit ihr reden, habe er dann mit beiden Händen die Frau am Hals so lange gewürgt, bis ihr schwarz vor den Augen wurde. Dabei soll er noch gesagt haben: "Du bist tot!" Auf die Hilferufe des Opfers wurden Passanten aufmerksam und kamen ihr zu Hilfe. Der Angeklagte wurde aus dem Auto gezerrt und so lange festgehalten, bis die Polizei erschien und ihn festnahm.

Dies soll aber nicht der einzige Angriff auf das Leben seiner Ehefrau gewesen sein, sagt der Ankläger jetzt. Bereits am Abend des 15. April, kurz nachdem die Frau ihre Trennung bekundet hatte, soll er in der damaligen gemeinsamen Wohnung in Köngen auf sie losgegangen sein und sie ebenfalls kräftig gewürgt haben, bis die Frau keine Luft mehr bekam. Dabei habe er ihr auch Schläge in das Gesicht und auf den Körper verabreicht und sie dann an eine Wendeltreppe geworfen. Die Ehefrau sei dabei erheblich verletzt worden.

Der dritte Punkt der umfangreichen Anklage gegen den Mann betrifft einen Vorgang vom 25. Mai in Köngen. Ohne im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein, habe er seinen damaligen BMW absichtlich gegen das Tor einer Holzgarage der Schwiegereltern gesteuert und dabei das gesamte Garagengebäude beschädigt. Danach soll er mit einem Zweitschlüssel das Fahrzeug seiner Schwiegermutter in Gang gesetzt und auch damit gegen das Tor einer zweiten Garage gerast sein. Den Gesamtschaden beziffert der Staatsanwalt auf 10 000 Euro.

Der Angeklagte selbst sagt nun aus, er habe seine Ex-Frau mit dem Würgen nicht töten wollen. An Schläge in das Gesicht und den Körper erinnert er sich infolge damaliger Alkoholisierung nicht mehr. Auch nicht an die Drohung, er werde sich mitsamt dem Einfamilienhaus in Köngen in die Luft sprengen. Vielmehr beschuldigt er die Ehefrau, die ihm als Nebenklägerin vor der Schwurgerichtskammer gegenübersitzt, sie habe ihn geschlagen "eine wuchtig ausgeführte Ohrfeige", so seine Worte. Auch habe die Frau ihn früher mal angezeigt, als er ohne Führerschein sein Auto bewegte. Dies habe ihm ein langes Fahrverbot eingebracht.

Im Übrigen ist der Beschuldigte bei Gericht bereits bekannt. Insgesamt vier Mal sei er wegen Trunkenheit im Verkehr, wegen Widerstand und Beleidigung und wegen einer Vollrausch-Tat verurteilt worden, stellt das Gericht fest. Da der Verdacht besteht, dass auch in den jetzt angeklagten Fällen der Alkoholgenuss eine große Rolle spielt, haben die Richter einen Gutachter hinzugezogen, um dies zu klären. Der Angeklagte selbst berichtet, er habe täglich bis zu zehn Bier getrunken. Der Prozess wird am 21. Dezember fortgesetzt.