Lokales

53 Minuten

"Wann sind endlich wieder Ferien?" kaum sind die Sommerferien vorbei, sehnen wir uns bereits wieder den nächsten Urlaub herbei. Endlich wieder freie Zeit haben, um dies und jenes zu tun gute, geschenkte Zeit. An den meisten Tagen im Jahr ist unsere Zeit straff geplant, Terminkalender und Zeitplan "planieren" unsere Gedanken und Herzen planieren vielleicht auch unsere Seele zu? Und dies, obwohl wir doch Zeit übrig haben müssten.

Technische Errungenschaften wie Internet, Mailbox, Flugzeug und andere helfen uns, Dinge sofort und effektiv zu erledigen; Dinge, für die unsere Großeltern noch viel Zeit brauchten. Seltsamerweise haben die wenigsten Menschen Zeit und viele Menschen lechzen nach Urlaub, um endlich ein bisschen Zeit zu haben.

Anzeige

Antoine de Saint Exupery greift dieses Problem im Büchlein "Der kleine Prinz" auf: "Guten Tag", sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken. "Warum verkaufst du das?" sagte der kleine Prinz. "Das ist eine große Zeitersparnis", sagte der Händler. "Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart 53 Minuten in der Woche." Und was macht man mit diesen 53 Minuten?" "Man macht damit, was man will..." "Wenn ich 53 Minuten übrig hätte", sagte der kleine Prinz, "würde ich gemütlich zu einem Brunnen laufen..."

Mich bewegt an dieser Szene, dass Menschen lebenswichtiges Trinken aufgeben. Und der Händler daraus ein Geschäft macht ein Geschäft aus der Unfähigkeit, mit der Zeit umzugehen. Hoffentlich geben wir den Sonntag niemals auf! Den Tag, an dem unser Schöpfer uns zu den "Wassern der Ruhe" führen will; den Tag, der als Ruhetag gedacht ist, als geschenkte Zeit für die Begegnung mit Gott, als Zeit zum gemeinsamen Feiern und Spielen. Und immer wieder sind wir gefragt: "Was macht man mit den 53 Minuten?"

So viel ist für mich klar: Ich möchte mir mein Geld nicht für schnöde Pillen und zeitsparende Wundermittel abzocken lassen. Ich möchte Zeit finden, um dem zu begegnen, der und lebendiges Wasser anbietet umsonst. Wenn der Terminkalender drängt und mein Leben zu planieren droht, dann will ich mir trotzdem nein erst recht! Zeit nehmen, um zum Brunnen zu gehen und an der Quelle lebendigen Wassers zu trinken.

Wenn Sie 53 Minuten übrig hätten, was würden Sie tun?

Marcel Holzbauer

Pastoralassistent in der

Katholischen Kirchengemeinde

Maria Königin in Kirchheim