Lokales

72 Stunden für die Menschheit ohne Kompromiss

Die Zusammensetzung der Teilnehmer in Kirchheim war schon eine soziale Sache für sich: Sonderschüler, Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten, Schulabbrecher, Berufsschüler bildeten einen bunten, aber motivierten Haufen, dem die härtesten Aufgaben nichts anhaben können. Und das 72 Stunden lang.

KIRCHHEIM Bereits am ersten Tag der Kirchheimer 72-Stunden-Aktion hatten alle bewiesen: Auch die verschiedensten Leute können miteinander etwas erreichen, wenn das Ziel stimmt. Zusätzlich zur ungewöhnlichen Konstellation hatten Teilnehmer und Verantwortliche ein Projekt übernommen, das sie noch einmal herausforderte: Das Einsatzgebiet "Lindorfer Weg" in Kirchheim ist der Sammelpunkt einer Vielzahl von Nationalitäten, die unter anderem auf der Suche nach Asyl in Kirchheim gelandet sind. So kommt mitten auf dem zu gestaltenden Platz ein buntes Sammelsurium von zwei Dritteln der Nationen der Welt zusammen und das Größte war: Es klappte! Die Sprache von Schaufel und Spaten, von Buddeln und Lachen ist völkerverständigend und bildet Gemeinschaft über viele soziale Gräben hinweg.

Anzeige

Nachdem die Aktion "72 Stunden ohne Kompromiss" mit dem Countdown in SWR 3 begonnen hatte, erfuhren die 62 Jugendlichen der Kirchheimer Gruppe "Mix it up" von ihrer Schirmherrin Angelika Matt-Heidecker, welche Aufgabe auf sie wartete. Sie sollten einen Spielplatz im Lindorfer Weg renovieren, damit dort wieder ein Treffpunkt für Jung und Alt entsteht.

Nach dem Startschuss wurde die Arbeit in Gruppen aufgeteilt: Die Stadt- und Materialgruppe zog durch die Stadt, um Lebensmittel, Geld, Material und weitere Hilfskräfte zu organisieren. Im Bonauhaus war das Quartier der Presse. Alles, was mit Organisation, Werbung, Hilfeaufrufen zu tun hatte, wurde dort gemanagt. Auch die fleißigen Handwerker hatten trotz der schlechten Wetterverhältnisse schon die baufällige Ausstattung des Spielplatzes abgerissen.

Die Kirchheimer hatten auch Kontakt mit anderen Gruppen aufgenommen. Zum Beispiel konnte die Gruppe "Let's move" aus Heilbronn für ihr Projekt die Rutsche gebrauchen, die im Lindorfer Weg abgerissen wurde. Die Baufirma Wagner unterstützte die Handwerker mit einem Bagger und stellte noch dazu einen Fahrer zur Verfügung. Anwohner des Wohngebiets verpflegten die aktiven Jugendlichen und halfen ihnen. Es gab auch eine eigene Gruppe, die für das leibliche Wohl aller übrigen Gruppen sorgte. In der vorgegebenen Zeit wurde gepflastert, gesät, gepflanzt und verschönert.

Nach rund 48 Stunden gab es abends für alle Teilnehmer die "72-Stunden-Party" im Bohnauhaus. Dabei brachten die Band "Süd-Apotheke" und DJ Da Funk die 72-Stunden-Leute auch nachts zum Schwitzen. Teilnehmer und Gäste gingen ab bei rockiger Musik mit einer Band, die durch 72 Stunden bekannt und vielleicht sogar über die Grenzen Kirchheims hinaus berühmt wird: "Süd-Apotheke" wurde vorgeschlagen, bei der Abschlussparty am 19./20. November in der Halle in Reichenbach mit aufzutreten. Anschließend legte DJ Da Funk auf, und beim Chillen konnten alle Kräfte für den Endspurt sammeln.

Zum Abschluss der Aktion in Kirchheim wurde der fertige Platz an die Anwohner übergeben. Symbolisch wurde dabei ein Baum gepflanzt und ein kleines Fest mit allen Beteiligten gefeiert. Es dauerte anschließend noch einmal etwa 72 Stunden, bis alles aufgeräumt war. Aber dafür ist alles geschafft, was sich die Kirchheimer Gruppe vorgenommen hatte.

wm