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950 000 Euro Schaden angerichtet

Ein Ermittlungsverfahren gegen insgesamt acht Tatverdächtige wegen betrügerischen Rohrreinigungen in großem Stil haben Gewerbeermittler der Polizeidirektion Esslingen nun abgeschlossen. Die Verdächtigen im Alter zwischen 23 und 45 Jahren werden beschuldigt, über 500 Kunden um eine Summe von etwa 950 000 Euro geprellt zu haben.

KREIS ESSLINGEN Bei den beiden Haupttätern handelt es sich um einen 23-jährigen Italiener aus Bad Urach und um einen 38-jährigen Landsmann aus Winnenden.

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Im Februar diesen Jahres erstatteten nahezu zeitgleich 35 Hausbesitzer aus dem Landkreis Esslingen Anzeige gegen eine Rohrreinigungsfirma aus dem Landkreis Reutlingen. Ins Rollen gekommen war der ganze Fall durch einen Zeitungsbericht über eine Gerichtsverhandlung beim Amtsgericht Reutlingen. Dort war wegen gleich gelagerter Fälle gegen eine von einigen der Verdächtigen geführte Firma verhandelt worden.

Wie die weiteren Ermittlungen ergaben, hatten die Täter bei den überwiegend älteren Hausbesitzern mit einer kostenlosen Kameraüberprüfung angebliche Verunreinigungen in den Abwasserrohren der Häuser festgestellt. Mit geschickter Gesprächsführung und Vorspiegelung hoher Fachkompetenz machten die Vertreter den älteren Menschen Angst und zeigten ihnen wahre Schreckenszenarien auf, wenn sie ihre Rohre nicht sofort reinigen ließen. Dabei war auch von Überschwemmungen und hohen Sachschäden die Rede. Viele der eingeschüchterten älteren Menschen wurden dadurch regelrecht zum Abschluss eines Rohrreinigungsvertrages genötigt.

Meist erschienen dann die Mitarbeiter der im Landkreis Reutlingen ansässigen Firma noch am selben oder am nächsten Tag und begannen mit ihren Arbeiten. Die Firma berechnete anschließend für ihre nur wenige Stunden dauernden Leistungen zwischen 1700 und 2000 Euro.

Im Frühjahr wurden dann von den Ermittlern die Wohnungen von vier Tatverdächtigen und mehrere Büroräume durchsucht. Dabei konnten eine ganze Reihe von Beweismaterial sowie acht Rohrkameras und zwei Laptops beschlagnahmt werden. Dadurch konnten auch sämtliche Aktivitäten der Firma und ihrer Beschäftigten unterbunden werden.

Nach Auswertung der beschlagnahmten Akten und der etwa 350 in diesem Verfahren durchgeführten Vernehmungen steht für die Ermittler des Arbeitsbereichs Umwelt und Gewerbe fest, dass die betrügerischen "Handwerker" über 500 Kunden aus den Landkreisen Reutlingen, Alb-Donau, Neu-Ulm, Biberach, Göppingen, Waiblingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Esslingen um einen Betrag von insgesamt circa 950 000 Euro geprellt haben. Allein einem der beiden polizeibekannten Haupttäter, einem 38-jährigen Mann aus dem Rems-Murr-Kreis, konnten 250 Taten zugeordnet werden.

Bei 40 seiner Kunden verkaufte er außerdem einen offensichtlich nutzlosen Kalkschutzmagneten, für den er den Gutgläubigen jeweils zusätzlich zwischen 750 und 1000 Euro in Rechnung stellte. Gegen den 38-Jährigen war im März Haftbefehl erlassen worden, der allerdings kurz darauf gegen Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt wurde.

Die Gewerbeermittler der Polizeidirektion Esslingen haben das 40 Aktenordner umfassende Verfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart zur weiteren Bearbeitung übergeben. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind die beiden Hauptverdächtigen allerdings bereits wieder als Vertreter tätig und bieten jetzt Fassadenrenovierungen und Hofeinfahrten an.

lp