Lokales

A 8 war neun Stunden lang gesperrt

Fast neun Stunden lang musste gestern Morgen die A 8 in Richtung München voll gesperrt werden. Bei zwei schweren Unfällen zwischen den Anschlussstellen Esslingen und Wendlingen wurden zwei Männer lebensgefährlich, vier weitere Personen leicht verletzt. Der Berufsverkehr staute sich auf mehrere Kilometer Länge. Ein in die Unfälle involvierter Lastwagen hatte Gefahrgut geladen. Die leicht entzündliche Substanz sorgte für höchste Alarmstufe bei den Rettungskräften.

CLAUS HINTENNACH

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DENKENDORF Kaum waren auf der Autobahn 8 die Spuren des ersten Unfalls beseitigt, krachten am Ende des sich gerade auflösenden Staus ingesamt vier Lastwagen ineinander. Die beiden Unfallverursacher wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Notärzte, Sanitäter, Feuerwehr und Polizei waren frühmorgens mit mehreren Fahrzeugen im Dauereinsatz. "Zwei solche Ereignisse innerhalb so kurzer Zeit das kommt zum Glück nicht jeden Tag vor", sagte Frank Natterer, Sprecher der Polizeidirektion Böblingen, der auch das Stuttgarter Revier der Autobahnpolizei zugeordnet ist. Für alle Einsatzkräfte seien es außergewöhnliche Belastungen gewesen, sagte Natterer, den allerdings vor allem das Schicksal der Verletzten beschäftigte. Ein 24-Jähriger erlitt schwerste Kopfverletzungen, ein 58-Jähriger hat offenbar ein Bein verloren.

Gegen halb eins nahm die Unglücksserie ihren Anfang. Der 24-jährige Mann aus Kirchheim hatte etwa eineinhalb Kilometer nach der Raststätte Denkendorf aus noch ungeklärter Ursache die Herrschaft über sein Auto verloren. Der Kleinwagen prallte gegen die Leitplanke, überschlug sich und kam schließlich auf dem Dach liegend auf der Mittelspur zum Stillstand. Eine 28-Jährige erkannte die Situation zu spät, stieß mit dem Kleinwagen zusammen und landete ebenfalls in der Leitplanke. Kurz danach krachte auch noch ein 66-Jähriger mit seinem Auto in den Wagen des 24-Jährigen.

Der Kirchheimer wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt. Die Feuerwehren Nellingen und Neuhausen, die mit sechs Fahrzeugen und 30 Mann ausrückten, mussten ihn mit schwerem Bergungsgerät aus dem völlig zerstörten Autowrack befreien. Mit massiven Schädelverletzungen wurde er in eine Stuttgarter Klinik gebracht. Die drei 28-, 29- und 35-jährigen Insassen im zweiten Unfallfahrzeug erlitten leichte Verletzungen. Der 66-Jährige blieb unverletzt. Es entstand Sachschaden von insgesamt etwa 25 000 Euro.

Da der lebensgefährlich verletzte Kirchheimer offenbar unter Alkoholeinfluss stand, wurde ihm eine Blutprobe entnommen und sein Führerschein beschlagnahmt. Ein Sachverständiger soll die genaue Unfallursache klären. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 07 11/68 69-2 30 zu melden. Wegen der Bergungs- und Aufräumarbeiten war die A 8 bis gegen drei Uhr gesperrt, der Verkehr staute sich auf drei Kilometer.

Nur wenige Minuten nachdem die Fahrbahn wieder frei gegeben worden war, kam es am Stauende auf Höhe der Anschlussstelle Esslingen zum nächsten schweren Unfall. Ein 58-jähriger Sattelzugfahrer aus Sinzig hatte den Stau nicht bemerkt und fuhr nahezu ungebremst ins Heck eines anderen Sattelzugs. Durch die Wucht des Aufpralls wurden noch zwei weitere Laster aufeinander geschoben. Der 58-Jährige wurde in seinem Führerhaus eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt. Offenbar hat er bei dem Unfall ein Bein verloren. Er musste von der Feuerwehr geborgen und in eine Stuttgarter Spezialklinik gebracht werden. Leichte Verletzungen trug ein 39 Jahre alter Lastwagenfahrer davon. Insgesamt entstand ein Sachschaden von 150 000 Euro.

Fünf Rettungswagen sowie 17 Fahrzeuge und 64 Mann verschiedener Feuerwehren aus der Region waren im Einsatz. Bei der Unfallaufnahme stellte sich heraus, dass der Lkw, auf den der Unfallverursacher aufgefahren war, Fässer mit Gefahrgut an Bord hatte. Das ätzende und leicht entzündliche Natriummethylat trat glücklicherweise aber nicht aus. Der Feuerwehr gelang es, die Fässer ohne Zwischenfälle abzuladen. "Innerhalb von Sekunden hätten wir auch die Fahrbahn in der Gegenrichtung sperren können", verdeutlichte Natterer die Gefahr. Die Gewehr bei Fuß stehenden Einsatzkräfte hätten dann einen bis zu 150 Meter großen Sicherheitsring um die Unfallstelle gezogen. So weit kam es aber glücklicherweise nicht.

Erst gegen 9.30 Uhr wurde eine Fahrspur wieder freigegeben, um 11 Uhr waren alle drei Spuren wieder frei. Bis halb zehn waren die Autobahn-Zufahrten vor der Unfallstelle gesperrt worden. Teilweise wurden Fahrer am Echterdinger Ei aus- und umgeleitet. Nach Polizeiangaben entwickelte sich ein Rückstau von bis zu acht Kilometern Länge, der sich gegen 11.30 Uhr aufgelöst hatte. Im Gegenverkehr staute sich der Verkehr wegen Schaulustiger auf bis zu vier Kilometern.