Lokales

Ab 2007 fehlen den Krankenhäusern 7,6 Millionen Euro

Die Gesundheitsreform bringt die Kliniken in eine prekäre Situation. Über deren Auswirkungen für die Kreiskliniken interviewte Redaktionsmitglied Richard Umstadt den Geschäftsführer des Eigenbetriebs der Kreiskliniken, Franz Winkler.

Landrat Heinz Eininger hat bei der Haushaltseinbringung darauf hingewiesen, dass die Gesundheitsreform die Kreiskrankenhäuser vor praktisch unlösbare Probleme stellt. Welche sind dies?

Anzeige

Bei einem Gesamtetat von jährlich 109 Millionen werden den Kreiskliniken im Rahmen der Gesundheitsreform durch Budgetabzüge und Budgetverlagerungen (rund zwei Millionen Euro) sowie durch bereits feststehende Kostensteigerungen (Tarifsteigerungen für Ärzte und die anderen Berufsgruppen in Höhe von 2,6 Millionen Euro, Erhöhung der Mehrwertsteuer etwa 800 000 Euro) Belastungen in einer Summe von zirka 5,4 Millionen Euro auferlegt. Wenn der von der Bundesregierung geplante Gesundheitsfonds kommt, wird dies zu einer weiteren Belastung der Budgets in Höhe von voraussichtlich 2,2 Millionen Euro führen. Damit fehlen den Kreiskliniken ab dem kommenden Jahr insgesamt 7,6 Millionen Euro, also zirka sieben Prozent des Gesamtbudgets. Dagegen sind als Budgetsteigerungsrate für 2007 lediglich 0,23 Prozent festgesetzt. Das ist die vom Landrat beschriebene Problemlage. Wir werden versuchen, einen möglichst großen Teil dieser Finanzierungslücke durch noch engere Zusammenarbeit der Kreiskliniken, den weiteren Abbau von Doppelvorhaltungen und Optimierung des Personaleinsatzes zu schließen. Das aber wird sehr schwierig, ein verbleibendes Defizit ist nicht ausgeschlossen. Deshalb hat Landrat Eininger auch die Bundestagsabgeordneten angeschrieben, damit diese ihren Einfluss im Gesetzgebungsverfahren zum Gesundheitsreformgesetz im Interesse der Patienten und der Krankenhäuser geltend machen.

Die Politik spricht von angeblichen Wirtschaftlichkeitsreserven der Krankenhäuser. Gibt es solche in den Kreiskrankenhäusern des Landkreises Esslingen, und wenn ja, wie sehen diese aus?

Die Kreiskliniken Esslingen haben bereits in der Vergangenheit ordentlich gewirtschaftet und jeweils ihre Hausaufgaben gemacht. Dies zeigt sich darin, dass trotz der restriktiven Budgetpolitik der Vergangenheit alle Betriebsstätten ausgeglichene Ergebnisse erwirtschaftet haben. Gegebenenfalls noch vorhandene Wirtschaftlichkeitsreserven liegen deshalb in der gemeinsamen Organisation und Führung der Kreiskliniken als ein Unternehmen. Durch die Zusammenlegung der Kreiskliniken zu einem gemeinsamen Eigenbetrieb müssen die an den einzelnen Standorten vorhandenen unterschiedlichen Potenziale und Kompetenzen zusammengeführt und die dadurch entstehenden Synergiepotenziale umgesetzt werden. Bisher wurden Einsparpotenziale im Wirtschafts- und Versorgungsbereich festgestellt, die durch Umstellung von Prozessen in der Reinigung und Speisenversorgung behoben werden sollen.

Was kann durch eine Überführung des Eigenbetriebs der Kreiskrankenhäuser in eine GmbH gewonnen werden?

Vorteile der Rechtsform der GmbH gegenüber dem Eigenbetrieb sind flexible, rasche Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten, rasche Reaktionsmöglichkeiten auf externe Veränderungen, die Fähigkeit, Kooperationen einzugehen und sich an übergeordneten Verbundstrukturen, zum Beispiel an einer Holding zu beteiligen und die Möglichkeit, Servicegesellschaften zu gründen. Die Bildung einer gGmbH ist zwar für sich kein Allheilmittel, würde uns aber in unseren Wirtschaftlichkeitsüberlegungen deutlich unterstützen. Deshalb gehen ja auch andere öffentliche Krankenhausträger diesen Weg.

An welche regionalen und überregionalen Kooperationspartner denkt der Landkreis Esslingen bei einer Kooperationslösung?

Als Kooperationspartner kommen prinzipiell alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen innerhalb des Landkreises und über die Kreisgrenzen hinaus auch in den Nachbarlandkreisen in Frage. Ganz besonders im Blick haben wir dabei natürlich auch das Klinikum der Stadt Esslingen und die Kliniken des Landkreises Göppingen.

Wie kann eine Kooperation mit anderen Kliniken gelingen, wenn diese gleichzeitig im Wettbewerb zueinander stehen?

Eine Kooperation mit anderen Wettbewerbern kann natürlich nur dann effektiv und erfolgreich sein, wenn es gelingt, die Leistungsportfolios aufeinander abzustimmen. Dabei müssten Spezialisierungen im Sinne einer standortübergreifenden Arbeitsteilung entwickelt werden. Parallel dazu sind auch Doppelvorhaltungen, wo sie bestehen, noch abzubauen.

Bleibt am Ende nicht eine der Kliniken auf der Strecke?

Nein, denn gerade die Kooperationsstruktur, der Abbau von Doppelvorhaltungen und die Spezialisierung macht es auch kleineren Kliniken möglich, ihren Beitrag zum Gesamterfolg der assoziierten Häuser eines Krankenhausverbundes beizutragen.

Arbeitet der Kirchheimer Linksherzkathetermessplatz bereits in 24-Stunden-Bereitschaft? Seit wann?

Der Kirchheimer Linksherzkathetermessplatz arbeitet bereits seit Mitte Juli im 24-Stunden-Betrieb. Notfälle werden täglich rund um die Uhr sofort angenommen und in hoher Qualität durch eingearbeitete langjährig erfahrene Kardiologen behandelt. Es konnte schon sehr vielen Patienten aus Kirchheim und Umgebung in einer akuten Notsituation die notwendige Diagnostik und oft lebensrettende Therapie durch Aufdehnung des verschlossenen Gefäßes und Implantation von Stents geholfen werden.