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Abfälle und ihr Nachrichtenwert: Präsentation im Gewölbekeller

Schluss mit dem Leben in Kartons: Demnächst werden zahlreiche Alltagsgegenstände, die bei der Restaurierung des Lenninger Schlössle entdeckt wurden, endlich der Öffentlichkeit präsentiert. Ein entsprechendes Konzept hat der Förderkreis Schlössle erarbeitet.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Das Thema ist ein altbekanntes", stimmte Lenningens Bürgermeister Schlecht den Gemeinderat während dessen jüngster Sitzung auf das Thema Hausmuseum im Oberlenninger Schlössle ein. Ursprünglich hätte ein Professor dieses konzipieren und umsetzen sollen, da darüber jedoch kein Vertrag bestand, dafür aber persönliche Missstimmigkeiten entstanden waren, hat jener Professor nach einigen Mahnungen schließlich im Jahr 2000 jegliche Kommunikation mit Lenningen eingestellt. Eine recht unbefriedigende Situation fand der Förderkreis Schlössle.

"Es ist uns ein Anliegen, das Schlössle nicht nur als Baudenkmal zu erhalten, sondern auch als Kulturgut im Lenninger Tal anzusehen. In diesem Gebäude war Leben und genau dieses Leben ist bei der Renovierung gefunden worden", warb Wolfgang Guse, Erster Vorsitzender des Förderkreises, vor dem Gemeinderat für die baldige Realisierung des Hausmuseums. "Abfälle berichten über Kultur und Leben und bieten uns die Chance, in die Vergangenheit blicken zu können", so der Vorsitzende. Fundstücke aus dem Schlössle, die über Jahrhunderte einen Teil der Lebenssituation der Menschen in diesem Haus und wohl auch im Lenninger Raum darstellen, müssen der Bevölkerung und den Besuchern des Schlössle als Zeugen der zurückliegenden Zeitepoche dargestellt werden, lautet deshalb die Ansicht des Förderkreises.

Ursprünglich sollten diese Gegenstände im ersten Stock im Bereich der Bücherei gezeigt werden. "Diese Lösung hat aber den großen Nachteil, dass der Raum nur während der Öffnungszeiten der Bücherei besucht werden kann und zudem sehr versteckt liegt", erläuterte Wolfgang Guse die Nachteile dieser Lösung. Für ihn ist der Besuch des bestehenden Museums Schlössle untrennbar mit der neuen Einrichtung verbunden. Wer sich für das Gebäude interessiere, für den sei auch dessen Geschichte von Bedeutung. Deshalb schlug er vor, das Musum in dem Gewölbekeller einzurichten, der unmittelbar nach dem Eingang auf der rechten Seiten liegt. Bislang sind darin abschließbare Kleinschränke zu finden, in denen Besucher Taschen einschließen können, jedoch von dieser Möglichkeit so gut wie nie Gebrauch machen.

Eine Kostenzusammenstellung hat der Förderkreis dem Gemeinderat auch gleich vorgelegt. Für das Konzept im Gewölbe des Schlössle und einer museumsgerechten Präsentation sind knapp 10 000 Euro nötig. "Dem Förderkreis ist die Realisierung des Hausmuseums viel wert", machte Wolfgang Guse deutlich. Obwohl der Förderkreis nicht einmal ein Verein sei und nur von Spenden und Veranstaltungen lebt, steuert er für das Vorhaben 3000 Euro bei. "Das ist viel Geld für uns", zeigte der Vorsitzende die Dimensionen auf.

"Das sind 30 Prozent der Kosten. Wenn bei jeder Antragstellung schon so viel in der Kasse ist, wäre das auch nicht schlecht", urteilte Bürgermeister Schlecht über diese "sehr sympathische Lösung". Er unterstützt das Projekt vorbehaltlos und plädierte dafür, endlich Nägel mit Köpfen zu machen, zumal nicht mit einer Kostenexplosion zu rechnen und der neue Standort optimal sei. "Das ist eine runde Sache", lobte auch Karl Boßler die Idee des Förderkreises. Jürgen Rau sprach von der Aufwertung dieses "wunderschönen Raums" und Karl Sigel ist überzeugt, dass für die Kleincontainer wieder ein Plätzchen gefunden wird.

Kultur bedeute pflegen und das schließe den historischen Alltag mit ein, so die Überzeugung von Georg Zwingmann. "Das Hausmuseum macht bewusst, wo unsere Wurzeln sind und wie die Menschen in der Vergangenheit gelebt haben. Diese Schätze müssen der Nachwelt präsentiert werden", sprach sich auch er für die Einrichtung aus. Das Schlössle wird als denkmalpflegerischer Glücksfall bezeichnet. Es wurde von 1593 bis 1596 von den Herren Schilling von Cannstatt erbaut und ist ein typischer Ortsadelssitz des späten Mittelalters. Das historische Gebäude stellt zudem eine Rarität dar, da es nie grundlegend umgebaut wurde und deshalb noch viel von seiner ursprünglichen Ausstattung zeigt.