Lokales

Abgeltungssteuer fordert 25 Prozent

In einer kompakten Veranstaltung hat die Raiffeisenbank Teck in der Dettinger Schlossberghalle zur Abgeltungssteuer umfassend und detailliert informiert. Verschiedene Experten referierten über die zum 1. September 2009 anstehende Neuregelung der Besteuerung. Das "Nostalgische Cabaret" von Professor Dr. Peter Förschler begleitete die Gäste in der "ausverkauften" Halle heiter durch den Abend.

RAINER STEPHAN

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DETTINGEN Ab 2009 wird die Besteuerung der Erträge aus Kapitalanlagen neu geregelt. Die Erträge werden dann mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent Abgeltungssteuer erfasst. Diesem abgesenkten Steuersatz steht eine erheblich verbreiterte Bemessungsgrundlage gegenüber. Auch Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren werden dann ohne Berücksichtigung einer Veräußerungsfrist steuerpflichtig.

Bankvorstand Rainer Kaiser ließ in seine Begrüßung sogleich die Fragestellung nach dem Nutzen der Veranstaltung im Hinblick auf die Kundschaft einfließen: "Wie stell' ich mich rechtzeitig auf die Besteuerung ein?"

Recht schwungvoll kam danach das "Nostalgische Cabaret" mit Chansons wie "Herrlich, aber gefährlich" aus den 20er-Jahren daher.

"Überwältigt ob des Andrangs", zeigte sich Christoph Benedix, Diplom-Ökonom und Steuerberater vom Genossenschaftsverband. All den Zeitgenossen, die sich in heutiger Zeit manchmal verlassen fühlten, schrieb er sogleich augenzwinkernd ins Stammbuch: "Das Finanzamt denkt immer an sie". Er führte aus, dass es im laufenden Jahr bei Geldanlagen darum gehe, das richtige Gleis bei entsprechender Weichenstellung zu finden. "Es wird einfacher", lautete sein Credo, wobei der erste Gewinner des neuen Rechts schon feststünde: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

In seinem Rückblick hielt Benedix fest, dass mit Quellensteuer, Zinsabschlagsteuer und Amnestiegesetz allesamt kein systemgerechter Durchbruch erzielt worden wäre. Im Hinblick auf europäische Gegebenheiten verspreche das neue System jetzt attraktive Rahmenbedingungen, die ein akzeptiertes Steuerrecht schaffen könnten. Nunmehr müsse im Regelfall auch keine Anlage KAP mehr bei der Steuererklärung ausgefüllt werden. Da es sich bei der neuen Abgeltungssteuer um eine verkürzte Einkommensteuer handle, wären aber noch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag zu bezahlen.

"Aktien sind die heimlichen Verlierer", resümierte Steuerfachmann Bendix im Hinblick auf den Wegfall der Privilegierung von Kursgewinnen. Immobilienfonds und Lebensversicherungen würden hingegen ebenso wenig von der Abgeltungssteuer erfasst wie die Riester- oder Rüruprente. In seinem Ausblick sprach Bendix von einer notwendigen "Depotarchitektur" bei Anlagen und gab der interessierten Zuhörerschaft die Warnung mit auf den Weg: "Steuerangst ist ein schlechter Ratgeber".

Die für manche doch recht trockene Materie peppte Peter Förschler in der nächsten Pause mit Liedern von Otto Reutter auf. Gar herrlich interpretierte der singende Professor von der Nürtinger Hochschule die Melodie "Ist der Überzieher weg". Hierbei gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Dettinger Zuhörerschaft wie ehedem die Besucher des Berliner Wintergarten-Varietés sich vor Begeisterung unter die Stühle schmeißen sollten. Dieser Aufforderung wollten die Gäste jedoch nicht nachkommen.

Frank Hertfelder, Prokurist und Wertpapierspezialist bei der Raiffeisenbank, sowie Jens Gabler, Bezirksdirektor der Union Investment Frankfurt, plauderten auf Plüsch-Sesseln sitzend über Anlageempfehlungen. Gabler präferierte hierbei Internationale Aktienfonds, da diese nicht der Abgeltungssteuer unterlägen. Auch Riester-Fondssparpläne könnten empfohlen werden. Den Offerten für firmeneigene Produkte legte er zum Schluss eine Strategie der Kundschaft besonders ans Herz: Mit eigener Containerflotte am boomenden Welthandel profitieren. Frank Hertfelder hob noch hervor, dass es eine allgemein gültige Lösung nicht gäbe, sondern stets individuelle Beratung geboten sei.

Nach einigen von Peter Förschler mit viel Witz und Esprit vorgetragenen Schlagern, bei denen er am Piano von Dieter Aisenbrey bestens begleitet wurde, blieb es Bankvorstand Kaiser vorbehalten, die Kundschaft mit dem Tipp "Geld ist Vertrauenssache" auf die gute Beratung bei seiner Bank hinzuweisen und mit einer Einladung zum anschließenden Stehimbiss in den geselligen Teil überzuleiten.