Lokales

Abholung von Gelbem Sack künftig im Zwei-Wochen-Rhythmus

Alle 14 Tage werden vom kommenden Jahr an gelbe Säcke beziehungsweise gelbe Tonnen im Landkreis Esslingen abgefahren. Dies wurde den Mitgliedern des kreisrätlichen Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) in jüngster Sitzung mitgeteilt.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Vorbei die Zeiten, in denen aufgetürmte gelbe Säcke den Weg in Keller und Garage versperrten. Von Januar kommenden Jahres an werden Leichtverpackungen nicht mehr im Vier-Wochen-Turnus abgeholt, sondern alle 14 Tage. Der Grund: Die Duales System Deutschland AG hat die Erfassung und Sortierung von Leichtverpackungen für den Zeitraum von 2005 bis 2007 neu ausgeschrieben und im Landkreis Esslingen die Firma Jakob Altvater aus Filderstadt beauftragt. Die Altglaserfassung wird künftig die Firma Entsorgung + Transport aus Göppingen (ETG) übernehmen. Weil die Abfuhr von Rest- und Biomüll beziehungsweise von gelbem Sack ab kommendem Jahr von verschiedenen Firmen erledigt wird, ist allerdings die Abfuhr von Rest- und Biomüll und gelber Tonne am gleichen Tag nicht mehr gewährleistet.

Beim Glasmüll ist von Januar 2005 an die Firma ETG für rund 40 Prozent, die Firma Rhenus als Subunternehmen für rund 60 Prozent des Kreisgebiets zuständig sein. Die derzeitigen Altglascontainer werden teilweise gegen graue Container der Firma ETG ausgetauscht. Die Standorte bleiben jedoch dieselben, weiterhin gibt es darüber hinaus getrennte Kammern für Weiß-, Braun- und Grünglas.

Auch an der Entsorgung von Altholz, etwa die Hälfte des Sperrmülls, wird sich etwas ändern: In Form eines Probelaufs werden vom kommenden Jahr an im östlichen Teil des Landkreises bei der Sperrmüll-Abholung zwei Fahrzeuge den Müll einsammeln, eines davon nimmt ausschließlich Altholz mit, im westlichen Kreisgebiet wird die Firma Scherrieble den Sperrmüll weiterhin in einem Auto abtransportieren. In der eigenen Sortieranlage in Esslingen wird dann das Altholz vom restlichen Müll getrennt. Auf der Grundlage der Erfahrungen aus dem ersten Halbjahr will der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) im Herbst 2005 über den künftigen Ausschreibungsmodus entscheiden.

Bevor die Abfallmengenentwicklung 2004 im Landkreis näher beleuchtet wurden, machte Landrat Heinz Eininger seinem Ärger über die von Umweltminister Stefan Mappus losgetretene Diskussion um die Zukunft des Gewerbemülls Luft. Angedacht ist von Seiten des Landes, die Entsorgung eventuell vom Jahr 2006 an der Privatwirtschaft zu übertragen. "Wird die Entsorgung privatisiert, geht das Gewerbe den günstigsten Weg", so der Chef der Kreisverwaltung. Bei den Gewerbeabfallgebühren in diesem Jahr belegt der Kreis Esslingen mit 169 Euro pro Tonne unter den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg mit Platz 25 einen Mittelfeldplatz. Die Hände reiben wird sich das im Kreis Ludwigsburg ansässige Gewerbe, das lediglich 47 Euro pro Tonne zu berappen hat; mehr als das Zehnfache, nämlich 483 Euro müssen Gewerbetreibende dagegen im Kreis Sigmaringen, dem teuersten Pflaster in punkto Gewerbemüll, für eine Tonne bezahlen.

Eininger befürchtet, dass die Privatisierung zur Folge hätte, dass gewerblicher Müll gen Osten gekarrt und im Kreis künftig ganz wegbrechen würde. Schon aus ökologischer Sicht könne er das nicht gutheißen. Außerdem hätte der Gebührenzahler dann die Ausfälle des Gewerbes zu zahlen. Derzeit liefern im Landkreis fast 9 000 Betriebe Gewerbemüll an.

Das Problem: Um für die anfallenden Mengen an Gewerbemüll gerüstet zu sein, hat der Landkreis auf den Deponien sehr viel Geld ausgegeben und entsprechende Anlagen gekauft. Doch zum einen nahmen die Mengen an Gewerbemüll in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ab erstmals geht man im Kreis Esslingen davon aus, dass der Rückgang in diesem Jahr gestoppt werden kann ; zum andern ist momentan schwer einzuschätzen, wie viel anfällt. Denn das Gesetz unterscheidet zwischen "Abfall zur Beseitigung", der auf die Deponie oder in die Verbrennung kommt und "Abfall zur Verwertung", der in der Sortieranlage landet. Um auf die Problematik hinzuweisen, hat Eininger bereits an den Landkreistag geschrieben und das Gespräch mit Umweltminister Mappus gesucht.

Rückendeckung gab's für den Landrat von den Mitgliedern im kreistäglichen Ausschuss. AlfredBachofer, Fraktionschef der Freien Wähler, begegnete der Haltung des Ministers mit völligem Unverständnis. Eine derart "lockere Hand gegenüber der Wirtschaft" sei nicht akzeptabel. "Dem öffentlichen Wohl sollte deutlich Vorrang eingeräumt werden."

Für weit weniger Aufregung im Rund sorgten die Daten der Abfallmengenentwicklung 2004. Gegenübergestellt wird darin das Ergebnis 2003 mit der Prognose für das laufende Jahr. Den voraussichtlich leichten Anstieg der Restmüllmenge von 50 871 Tonnen auf 52 600 Tonnen führt der AWB des Landkreises auf die Erfolge bei der Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung zurück, wonach jeder Gewerbebetrieb mit einem oder mehreren Restmüllgefäßen ausgestattet ist. Kaum Abweichungen wird es wohl beim Biomüll sowie bei Papier, Pappe und Kartonagen geben.

Die Menge des Metallschrotts sinkt voraussichtlich um rund fünf Prozent. Ursache könnte der attraktive Schrottpreis bei der Direktanlieferung beim Altmetallhändler sein. Mit einem massiven Anstieg der Sammelmenge um fast 20 Prozent auf rund 1 000 Tonnen rechnet der Abfallwirtschaftsbetrieb bei Elektro(nik)schrott. "Das können wir nicht mehr damit erklären, dass die Leute Bühne und Keller ausräumen", sagte AWB-Geschäftsführer Rolf Hahn. Ursache seien wohl vielmehr kürzere Verfallszeiten von Computern und Bildschirmen. Die auf Grund der höheren Abgabemengen gestiegenen Personalkosten bezahlt der AWB, die Verwertungskosten sollen nach dem Gesetzentwurf dagegen von der Elektroindustrie getragen werden. Weit entfernt vom Planansatz mit 225 000 Tonnen, aber fast identisch wie im vergangenen Jahr sehen die Zahlen beim Bodenaushub aus. Voraussichtlich werden 94 000 Tonnen auf den Deponien angeliefert. Spürbar die schwächelnde Baukonjunktur. Außerdem würde Aushubmaterial häufig anderweitig eingebaut werden, erklärte Eininger. So auch das Material aus dem Beurener Tunnel. "Auch von der Messe kriegen wir null", betonte er.