Lokales

Abmahnungen lösen das Problem nicht

Beförderung zur Esslinger Rohräcker-Schule

Auch fünf Wochen nach Schulbeginn läuft die Beförderung von mehr als 400 behinderten Kindern zur Esslinger Rohräcker-Schule nicht reibungslos. Unpünktlichkeit ist ein Dauerproblem, in zwei Fällen hat das Busunternehmern Köhler-Transfer zwei Schüler gar nicht abgeholt. Das Landratsamt prüft die Möglichkeiten zur Kündigung.

Kreis Esslingen. In der ersten Schulwoche machten viele Eltern schlechte Erfahrungen mit dem neuen Busunternehmen, das 31 von 80 Touren zur Rohräcker-Schule fährt. Der holprige Start war insofern nachvollziehbar, als das Unternehmen Köhler-Transfer, Sitz in Frankfurt und Mannheim, erst Mitte der Sommerferien den Auftrag erhalten hatte. In manchen Gebieten hat die Firma die Sache inzwischen in den Griff bekommen. Sandra Häcker aus Sulzgries, die im ersten EZ-Bericht noch klagte, weil keine Begleitperson für ihre unter Epilepsie leidende Tochter im Bus saß, ist mittlerweile zufrieden. Es sei wohl ein Glücksfall, dass die Firma einen Fahrdienstleiter aus Mannheim einsetze, der gesprächsbereit, korrekt und nett sei. Auch eine Begleitperson sitze im Bus. Die Mutter fürchtet jedoch, dass dieser Fahrer abgezogen wird, sobald die Firma lokale Kräfte gefunden hat. Die sucht sie derzeit händeringend.

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Eine Mutter aus Filderstadt hat schlechtere Erfahrungen gemacht. Am Sonntagabend wurde sie von der Firma angerufen, man könne ihren Sohn am Montagmorgen nicht abholen. Dazu nimmt Firmenchef Ralf Köhler Stellung. Wenn ein Fahrer kurzfristig melde, er wolle nicht mehr fahren, könne so etwas vorkommen. Der Geschäftsführer entschuldigt sich: „Das ist absolut nicht Stil unseres Unternehmens.“ Ihm sei klar, dass sein Ruf auf dem Spiel stehe, deshalb kümmere er sich intensiv und gemeinsam mit Schule und Landratsamt um die Probleme. Ihm sei nicht so ganz klar, warum er kein Personal von den Firmen bekomme, die bisher gefahren seien. Am Gehalt liege es nicht. Auf „Kununu“, einem Internet-Portal für Arbeitgeber-Bewertungen, liest man anderes, zum Beispiel: „Optimaler Job für reiche Rentner“. 17 Internetkommentare bei 2 000 Angestellten findet Ralf Köhler nicht sehr aussagekräftig und verweist auf seine Referenzen.

Schulleiterin Karin Pfeiffer, auch erst seit Mitte September an der Schule für Körperbehinderte, wundert sich über Köhlers Startprobleme nicht so sehr. Einen neuen Standort aufzubauen in einem „komplexen System“ brauche Zeit. Das sehe sie an den Touren und an der Fahrersuche. Es sei schwer verständlich, warum Kinder, die relativ nah an der Schule wohnten, so früh abgeholt werden. Die Pünktlichkeit sei ein ständiges Problem. Es sei auch nicht einfach, auf die Schnelle Fahrer zu finden, die für den Umgang mit Menschen, die nicht sprechen können, ein Gespür hätten. Begleitpersonal hätte die Schulleiterin am liebsten in jedem Bus, aber das verlange die Ausschreibung nicht. Das Landratsamt habe jedoch zugesagt, sich im Bedarfsfall darum zu kümmern. Auf den 31 Köhler-Touren werden bereits 26 Begleitpersonen eingesetzt.

Etwa fünf Millionen Euro gibt der Kreis Esslingen jährlich für die Beförderung behinderter Schüler aus. Deshalb ist eine europaweite Ausschreibung vorgeschrieben, Ortsansässigkeit einer Firma darf kein Kriterium sein. 14 Firmen haben sich um den Auftrag bis zum Jahr 2018 beworben. Die Firma Köhler-Transfer kam zum Zug. Drei Bieter haben darauf ein Nachprüfverfahren eingeleitet. Die Vergabekammer des Regierungspräsidiums bestätigte das korrekte Vorgehen des Landratsamtes. Auch die Beschwerde beim Oberlandesgericht blieb erfolglos. Wegen dieser Verzögerung leitete die Kreisverwaltung aber eine Interimsvergabe für 2014/15 ein. Aufträge erhielten Köhler-Transfer, DRK und Johanniter Esslingen sowie Trick-Reisen Göppingen. Wiederum verlangten zwei Firmen eine Nachprüfung, erfolglos. Die Folge war laut Landrat Eininger, dass die Vergabe erst in den Sommerferien erfolgte und die Firma Köhler „kaum Rüstzeit“ hatte. Startprobleme führten bereits in der ersten Schulwoche zu Elterngesprächen. Parallel läuft das Hauptvergabeverfahren weiter. Ende Oktober wird der Zuschlag erteilt.