Lokales

Abschied von Ratsmitgliedern und dem alten Sitzungssaal



ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Ein Drittel der 18 Gemeinderatsmitglieder scheidet aus dem Weilheimer Ratsgremium aus. Das große Stühlerücken gibt's allerdings erst in 14 Tagen, wenn die Neugewählten verpflichtet werden. Die Einsetzung verspricht eine reibungslose Angelegenheit zu werden, in jüngster Sitzung wurden jedenfalls keine Hinderungsgründe wie enge Verwandtschaftsverhältnisse oder leitende Funktionen bei Aufsichtsorganen festgestellt.



In der ersten Sitzung nach der Sommerpause galt das Augenmerk nun erst einmal den Räten, die künftig nicht mehr über die Geschicke der Stadt mitberaten werden. In persönlichen Worten würdigte Bürgermeister Hermann Bauer die jeweiligen Verdienste der sechs scheidenden Ratsmitglieder, die insgesamt 64 Dienstjahre auf dem Buckel haben. Als "ruhig, beständig, sachlich und verlässlich" umschrieb der Verwaltungschef Michael Schultheiß, der eine Amtsperiode mit im Gremium saß. Ebenfalls seit 1999 war Michael Eck Mitglied des Gemeinderats "auch er kein Freund lauter Töne", so Hermann Bauer. Fünf Jahre, in denen in der Stadt insgesamt 31 Millionen Euro investiert wurden. Zum Vergleich: In der Amtsperiode davor waren es nur 22 Millionen Euro. Als Schwerpunkte seit 1999 führte Bauer unter anderem die Feststellung des Rahmenverkehrsplans mit Tangenten und Kreiseln ebenso an wie die Fertigstellung der Kläranlagenerweiterung, die Sanierung des Kapuzinerhauses, den Bau des Kindergartens Bahnhofstraße und das Vorantreiben der Planung von Rathauserweiterung und Bau einer Tiefgarage in der Stadtmitte.



Dem ebenfalls ausscheidenden Stadtrat Dr. Ulrich Mors, der nach zwei Perioden nicht mehr kandidiert hatte, bescheinigte der Schultes, die Diskussion in sachlichem und engagiertem Ton mit Fragen zur Umwelt bereichert zu haben. "Manches ist allerdings an der Realität gescheitert." Die nach insgesamt zwölf Jahren Mitgliedschaft im Gemeinderat nicht mehr ins Rennen gegangene Stadträtin Elfriede Schur lobte Hermann Bauer für ihr Engagement für die Allgemeinheit im Ratsgremium über die aktive berufliche Zeit hinaus und erinnerte an ihren Einsatz als Übungsleiterin im Turn- und Sportverein. Nach 17 Jahren wird auch Günter Schmid dem Gremium nicht mehr angehören. Mit ihm scheidet Bauer zufolge ein Stadtrat mit Fach- und Sachverstand aus, den der Schmiedemeister aus seinem Beruf als selbstständiger Handwerksmeister mitgebracht habe.



Als Architekt habe Albert Englert die besten Voraussetzungen für sein Amt als Stadtrat gehabt, das er 25 Jahre bekleidete. Die Führungspersönlichkeit habe oftmals Impulse geben können und die Arbeit im Gremium mit seinem fachlichen Rat bereichert. "Als alteingesessener Weilheimer kennt er Gebäude, Landschaft, Natur und die Menschen in der Stadt Albert Englert wird im Ratsgremium eine schwer zu schließende Lücke hinterlassen", sagte Hermann Bauer.



Fehlen wird in Zukunft auch Hepsisaus Ortsvorsteher Hermann Bernauer am Ratstisch als Gegenüber des Schultes. Zwar ist die offizielle Würdigung erst im Rahmen der Ortschaftsratssitzung am kommenden Montag vorgesehen, doch heftete Bürgermeister Bauer dem 72-Jährigen bereits im Gemeinderat unter großem Beifall von Räten und Gästen die goldene Ehrennadel des Gemeindetags Baden-Württemberg ans Revers für sein 30-jähriges Wirken im kommunalen Ehrenamt. Der Verwaltungschef lobte die Zusammenarbeit mit dem "eigenständigen Kopf". Bernauer habe sich um die Ortschaft Hepsisau verdient gemacht. Als Ortsvorsteher habe er viel bewirkt und das Vertrauen der Bevölkerung genossen. Bauer erinnerte an zahlreiche Arbeitseinsätze, zu denen der erste Mann im Dorf aufgerufen hatte. In Hepsisau geboren und aufgewachsen, machte Bernauer deutlich, wie verwurzelt er mit seinem Heimatort ist. Nicht ahnen konnte er 1993, als er für den verstorbenen Ortsvorsteher Elser eingesprungen war, dass er das Amt elf Jahre lang bekleiden würde. "Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht", betonte Bernauer. Seinem Nachfolger, der auf Vorschlag des Ortschaftsrates vom Gemeinderat gewählt wird, wünschte er sichtlich bewegt Erfolg und eine glückliche Hand beim Einsatz für das Dorf am Zipfelbach.



Als "Stubenältester" wandte sich Stadtrat Karl Mohring an Hermann Bernauer: "Sie hinterlassen Fußstapfen, die schwer auszufüllen sind." Auch die übrigen ausscheidenden Mitglieder würden künftig ganz einfach fehlen, meinte Mohring; er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die im Laufe der Jahre auch privat geknüpften Bande halten werden.



Abschied nahm das Gemium in der letzten Sitzung der abgelaufenen Amtsperiode jedoch nicht nur von Ratskollegen, sondern auch von dem 1956 an das bestehende Verwaltungsgebäude angebauten Ratssaal. Der Trakt muss dem Erweiterungsbau weichen. Damit schloss sich in der jüngsten Sitzung der Kreis, hatte doch der Gemeinderat in seiner bisherigen Besetzung in unzähligen Stunden das Thema Rat-hauserweiterung debattiert. Der neue Gemeinderat wird in den nächsten zwei Jahren übergangsweise im Bürgerhaus zu seinen Beratungen zusammenkommen.

Sie sitzen künftig nicht mehr im Weilheimer Ratsrund und wurden von Bürgermeister Hermann Bauer (Mitte) verabschiedet: Hepsisaus Ortsvorsteher Hermann Bernauer, Michael Schultheiß, Michael Eck, Elfriede Schur, Albert Englert, Günter Schmid und Dr. Ulrich Mors. (Von links nach rechts)