Lokales

Abschied von Weihnachten?!

Die Kerzen am Christbaum sind heruntergebrannt. Der Baum verliert schon seine Nadeln. Der Alltag schleicht sich wieder in unsere Gedanken. Wir bereiten den Abschied von Weihnachten vor. Eigentlich schade. Viel zu selten feiern wir nämlich Weihnachten. Und viel zu schnell ist das Fest vorbei, das wir so liebevoll vorbereiteten. Könnten wir diese Tage doch festhalten! Denn sie schenken uns Wärme und Geborgenheit. Und wir geben auch eher als sonst Liebe und Zuneigung weiter. Mit Freude zünden wir kleine Lichter an in unserer Dunkelheit. Gern setzen wir hierfür unser Geld, unsere Zeit und Gedanken ein. Es ist beglückend, wenn wir es um uns her hell werden lassen können.

Aber wir erfahren auch, wie leicht die Lichter ausgeblasen werden, die wir entzündeten; und wie aufreibend und anstrengend es ist, solche eigenen Lichter aufleuchten zu lassen. Wir erleben, wie kalt und dunkel es wird, sobald unsere Lichter verlöschen. Erinnerungen an misslungene Begegnungen quälen uns; Einsamkeit, Krankheit und Alter schmerzen; die Sorge um den Arbeitsplatz, die Angst um den Frieden zu Hause und in der Welt bringen uns um den Schlaf. Auf Dauer gelingt es nicht, erfolgreich hiergegen anzukämpfen. Immer wieder verlieren wir diesen Kampf.

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So muss es nicht bleiben. Denn uns erreicht der Ruf: "Ich bin das Licht der Welt." Herausfordernd klingt das. Aber gleichzeitig so vollmundig, dass wir misstrauisch werden. Bis wir uns einlassen auf dieses Licht und in seinem Schein eine veränderte Welt wahrnehmen.

Weihnachten ein Kind ist uns geboren, das uns als Mann zuruft: "Ich bin das Licht der Welt." Wer sich auf diesen Ruf einlässt, erfährt: Das wärmende Licht ist da als Geschenk an uns. Dieses Licht erhellt unsere Umgebung und reißt unsere Welt aus dem Halbschatten. Hierauf weist jede Kerze, die wir anzünden. Sie erinnert uns: Kälte und Dunkelheit sind schon überwunden; Licht und Wärme schenkt uns das Kind in der Krippe, das seiner unbarmherzigen Umgebung so hilflos ausgeliefert ist. Freundlichkeit und Geborgenheit werden uns geschenkt von dem Mann, der am Kreuz hängt, alleingelassen von seinen Freunden und verzweifelt über Gott, der ihn scheinbar ebenfalls verlassen hat. Herzlichkeit und Trost schenkt uns dieser unscheinbare Mann Jesus, der unsere Welt einschneidender veränderte als alle Großen der Weltgeschichte und der uns zeigt: Liebe ist sogar stärker als der Tod.

Jesus ist das Licht für alle. Dieses wahre Licht können wir nicht herstellen. Es kommt woanders her, erreicht uns so überraschend wie das Morgenlicht nach einer bedrückenden Nacht. Dies ist das Wunder des Christfestes. Der Dichterpfarrer Albrecht Goes drückt es so aus: "Wir suchen dich nicht. Wir finden dich nicht. Du suchst und du findest uns, ewiges Licht. Wir lieben dich wenig, wir dienen dir schlecht, du liebst und du dienst uns, ewiger Knecht."

Wenn wir den Weihnachtsbaum mit seinen rieselnden Nadeln aus dem Wohnzimmer werfen und wenn der Alltagstrott wieder nach uns greift, können wir dennoch getröstet und getrost weitergehen. Gottes Liebe bescheint unsere Zukunft, seine Liebe verändert unseren Alltag. Wir müssen zwar Abschied nehmen von Weihnachten, begrüßen aber gleichzeitig Jesus als unseren ständigen Begleiter. Er geht mit uns, steht uns zur Seite. Vertrauen wir uns doch ihm an! Denn heute und morgen kann uns sein Lebensruf stärken: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr des Herrn 2006.

Ulrich Müller

Pfarrer in den Evangelischen

Kirchengemeinden Ochsenwang

und Bissingen