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"Abschiedssinfonie" für Orchesterleiter Günter Romberg

LENNINGEN Musik hat jetzt einen wundersamen Klang. Es ist wieder die Zeit des Singens und Musizierens. Alljährlich stimmt das

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ERIKA HILLEGAART

Oberlenninger Adventskonzert im Rahmen der "Begegnung der Schulmusik" ein in das Christfest "mitten im kalten Winter ".

Die drei Chöre von Grund-, Haupt- und Realschule sowie der "Junge Chor" der evangelischen Kirchengemeinde Oberlenningen wählten zusammen mit dem Musikschulorchester für dieses Konzert vertraute und alte Lieder und Barockmusik. Diese adventliche Stunde war auch die richtige Zeit, über das erfolgreiche Schulprojekt im fernen Sri Lanka zu sprechen. Nach der Tsunami-Katastrophe vor einem Jahr setzte sich die Grund- und Hauptschule mit ideenreichen Aktivitäten für die Neuexistenz einer Fischerfamilie ein. Lehrer Hans Jocher berichtete über ein Spendenaufkommen von über 3000 Euro. Eltern, Schüler und Lehrer zeigten damit, dass sie die Weihnachtsbotschaft verstanden haben.

So kommen Musizier-Elan, Jubellieder und Nächstenliebe zusammen an diesem Abend. In klamm unwirtlicher Dunkelheit finden viele Gäste den Weg in die Kirche. Sie singen mit den einziehenden Lichtträgern, den Chorsängern, den Kanon "Mache dich auf und werde Licht". Ein Kerzenmeer im Altarraum zeigt, wie groß die Sängerschar der Schulen ist.

Die Eltern und Freunde der Schulen kommen nicht nur wegen ihrer Kinder, die "mit vollen Chören" von der Geburt Christi singen. Dankbar und wehmütig nehmen Eltern, Schüler und Kollegen Abschied von Günther Romberg, dem Leiter des Musikschulorchesters. Unter ihrem Dirigenten spielt die junge Blockflöten- und Streichergruppe zusammen mit dem Streicherensemble des Musizierkreises die "Sinfonia in C" von Adriano Banchieri, ein Händel'sches Siciliano und eine Pastorale von Domenico Scarlatti. Die Kinder und Jugendlichen zeigen, was sie von ihrem Musiklehrer gelernt haben: Konzentriert setzen sie ein, hören aufeinander, kennen ihre Pianostellen, die Tempiwechsel und wissen um die Wirkung des Schlussakkords. Sie machen aus den Noten auf ihren Pulten vielstimmige, wiegende Hirtenmusik und Melodien mit barocker Geschmeidigkeit.

Günter Romberg hat es in über 25 Jahren verstanden, immer wieder neue Schülergenerationen zum gemeinsamen Musizieren zu befähigen, ihr Gespür für gute alte und moderne Musik zu schulen und Nachwuchs für die Orchester weiterführender Schulen auszubilden. Der Rektor der Grund- und Hauptschule und Erster Vorsitzender der Musikschule Lenningen, Erich Merkle, würdigt die gesamte musikpädagogische Arbeit Rombergs. Er habe das Schulfach Musik gefördert, bei den Kindern Freude an der Musik geweckt und mit dem Musikschul-Orchester das kulturelle Leben in Lenningen bereichert.

"Alle Erfolge aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber Konzertreisen nach Frankreich und Merschwitz, der Schulpartnerstadt in Sachsen, die Aufnahmen des Süddeutschen Rundfunks und der Auftritt auf der Bundesgartenschau zählen dazu", sagte Erich Merkle. Er erinnerte an den Grund für die lange erfolgreiche Arbeit: "Zusammen mit Gerlinde Korell hast du mit deiner freundlich gewinnenden Art, aber auch mit Konsequenz und mit einer klaren Linie die Kinder für das Musizieren im Orchester begeistert und für die Fortführung des Orchesters durch Vera Reinold gesorgt." Gerlinde Korell erinnerte an Musizierfreizeiten, Proben und Geselligkeit, an viele musikalische Erlebnisse: "Weil uns immer Töne verbunden haben, sind uns Tonleiterwünsche eingefallen". Acht junge Instrumentalisten überreichen Blumen und Noten mit den Wünschen in der C-Dur-Tonfolge. Der Hausherr Pfarrer Hubert Barth spricht vom letztendlichen Ziel des Advents, vom himmlischen Jerusalem. "Von zwölf Perlen sind die Tore unsere zwölf Lichter an den Wänden in unserer quadratischen Kirche erinnern daran", sagte er.

"Kein Ohr hat mehr gehört solche Freude!" die Musiklehrer Josef Führinger und seine Tochter Annegret, die Leiter der vier Chöre, bringen mit den traditionellen Liedern Erinnerung und Vorfreude zum Klingen. Die Chöre lassen Texte und Töne schön und einfach erstrahlen. "Wachet auf", singen die Schulchöre und der Junge Chor im Wechsel mit dem Publikum, sie singen von der Ros', aus einer Wurzel zart entsprungen, und von der Zeit, da vor Freud' alle Engel singen. Ja, ihr Nachbarn, kommt und hört. Hört, wie die jungen Solisten mit ihren frischen, klaren Stimmen singen und sagen von der Geburt im Stall, von der kindlichen Hingabe an der Krippe: "Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben". Das Orchester begleitet fröhlich und selig diese Liedfolge, die ganz ohne Jingle bells und süße Glocken heit're Andacht bringt. Es ist weihe- und stimmungsvoll in der vollbesetzten Kirche Sankt Maria. Denn die alten Lieder trotzen dem Trubel, trotzen dem alljährlichen Missbrauch.

So werden Lied- und Spielweisen für die Besucher zu einer Stunde der Einkehr, für die jungen Sänger und Sängerinnen und Musikanten ein vielstimmig harmonisches Miteinander und für den Orchesterleiter Günter Romberg, dem Initiator dieser Konzertreihe "Begegnung der Schulmusik" ein Abschied. Nach dem letzten jubilierenden Gloria leert sich langsam der Kirchenraum, nach und nach erlöschen die Lichter. Fast ist es wie bei Haydns berühmter Abschiedssinfonie.