Lokales

"Absturz aufgefangen"

Den Zehntweintrunk in der Weilheimer Limburghalle nutzten die zahlreichen Gäste darunter auch Bürger, deren Nachname mit den Buchstaben Q oder R beginnt , um bei Wein, Brezeln und Bätschern ins Gespräch zu kommen. Bürgermeister Hermann Bauer gab außerdem einen Überblick über die kommunalpolitische Lage der Limburgstadt.

ANDREAS VOLZ

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WEILHEIM

Zunächst stellte Bürgermeister Bauer fest, dass die Konjunktur brumme, dass nach Jahren der Stagnation erstmals wieder ein Wachstum von über zwei Prozent zu verzeichnen sei, die Arbeitslosenzahlen zurückgingen und erstmals wieder Steuermehreinnahmen in die öffentlichen Kassen kämen. In diesem Zusammenhang lobte Hermann Bauer ausdrücklich die Bundesregierung, die erstmals daran denke, "40 Milliarden Mehreinnahmen in erster Linie zur Verringerung der Neuverschuldung zu verwenden".

Zur Situation der Stadt Weilheim sagte Hermann Bauer immerhin: "Bei den Finanzen haben wir schwere Zeiten hinter uns." Das spricht für verhaltenen Optimismus. So lassen Gewerbesteuer- und Einkommensteuerschätzungen Mehreinnahmen erwarten, weshalb der Bürgermeister hinzufügen konnte: "Unsere Haushaltslage hat sich wieder stabilisiert. Der Absturz ist aufgefangen. Wir stehen mit beiden Beinen auf stabilem Grund." Das hinderte ihn freilich nicht daran, noch etwas Wasser in den Wein zu schütten: Für große Zukunftsträume gebe es keinen Anlass. Es würden sich lediglich "überschaubare Perspektiven" eröffnen.

Erfreut zeigte sich das Weilheimer Stadtoberhaupt darüber, dass bestehende und teils leer stehende Gewerbeobjekte durch mehrere Betriebsneugründungen und Kleinbetriebe eine gute Entwicklung genommen hätten. Ebenso begrüßte er "die beachtliche Betriebserweiterung" der Firma Kächele als eine der "unternehmerischen Entscheidungen für die Erweiterung und Sicherung eines Betriebs am Ort", die von der Stadt anerkannt und unterstützt würden.

Die Absicht, Arbeitsplätze zu sichern, steckte Hermann Bauer zufolge auch hinter einer Vereinbarung, derzufolge die Angestellten und Arbeiter der Stadt Weilheim "unabhängig von der tariflichen Regelung freiwillig 40 Stunden arbeiten", nachdem die Beamten bereits seit 2004 wöchentlich 41 Stunden arbeiten müssten ohne Lohnausgleich. "Hier wird Zusammengehörigkeit gezeigt und gleichzeitig die kommunale Kasse geschont", betonte der Verwaltungschef.

Von einer "beispielhaften Gemeinschaftsleistung" sprach er auch im Zusammenhang mit der Sanierung des Lindachstadions, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde: "Für Vereins- und Schulsport haben wir beispielhafte leichtathletische Anlagen, und unser TSV hat für rund 18 Mannschaften zwei hervorragend präparierte Rasenspielfelder." Dem Dank an die vielen freiwilligen Helfer dieser Maßnahme folgte im Lauf von Hermann Bauers Ausführungen auch der Dank an alle ehrenamtlichen Kräfte in Weilheim und Hepsisau, ob sie sich nun in Rettungsdiensten engagieren, in der Kinderbetreuung, sportlich, kulturell oder auch für die Landschaftspflege.

Auf zwei große Ereignisse des kommenden Jahres verwies der Weilheimer Bürgermeister ebenfalls: auf den Umzug in den Neubau des Rathauses mit dem Tag der offenen Tür am Sonntag, 21. Januar, sowie auf die Präsentation der neuen Stadtgeschichte mit dem Titel "Weilheim die Stadt an der Limburg" am Freitag, 23. März.

Außerdem warf Hermann Bauer einen Blick voraus auf die kommenden Jahrzehnte und die Probleme der demografischen Entwicklung: "Wir haben derzeit keine Überalterung, sondern es kommen zu wenig junge Jahrgänge nach, und dies wird in 30 bis 50 Jahren zu einer Überalterung führen." Die Stadt Weilheim wolle deshalb schon jetzt alle Anstrengungen unternehmen, um für Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern.

Nicht auszuschließen ist allerdings, dass auch der Zehntweintrunk der Überalterung der Weilheimer Bevölkerung entgegenwirken soll. Zumindest zitierte Bürgermeister Bauer aus einem Buch von Manfred Köhnlechner, dass der Wein nicht nur "alte Männer und Weiber" jung mache, sondern zusätzlich auch noch "die Natur der Geburt" stärke. Insofern ist es sicher als Erfolg zu werten, dass die Gäste des Zehntweintrunks in der Limburghalle dem Wein ebenso gerne zusprachen, wie der Männerchor Hepsisau im Rahmenprogramm sichtlich begeistert und hörbar begeisternd über die Trauben und ihre Weiterverarbeitung gesungen hatte.