Lokales

Abwechslungsreiches Programm begeisterte die Zuhörer

In der mit 300 Zuhörern gut besuchten Notzinger Gemeindehalle veranstaltete der Musikverein Notzingen-Wellingen sein Jubiläumskonzert. Seit 75 Jahren besteht der Musikverein und entwickelte sich in der Zeit zu einem der aktivsten Vereine am Ort.

PETER SCHUSTER

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NOTZINGEN Die Stadtkapelle Kirchheim unter der Leitung von Harry D. Barth war zu Gast und gestaltete den zweiten Teil des Konzerts.

Georg Frank, Vorsitzender des Musikvereins, begrüßte die Gäste und führte die Anwesenden in einem Schnelldurchgang durch 75 Jahre Vereinsgeschichte, die ausführlich in einer an dem Abend vorgestellten Festschrift beschrieben wird. In den letzten Jahrzehnten setzten vor allem der heutige Dirigent Rainer Schwab und Harry D. Bath, der bis 1981 Dirigent des Notzinger Musikvereins war, musikalische Akzente.

Als "Aushängeschild der Gemeinde" und "kulturelle Größe" bezeichnete Bürgermeister Jochen Flogaus den Musikverein. Neben vielen anderen Aktivitäten geht das seit 1975 jährlich stattfindende Dätscherfest auf die Initiative des Musikvereins zurück. Der Vorsitzende der Kreisbläser, Elmar Müller, hob das hohe ehrenamtliche Engagement der 380 Vereinsmitglieder hervor. Das Vereinsorchester ist deshalb in der Lage, "sinfonische Blasmusik von höchster Qualität" vorzutragen.

Zu Beginn wurden die Besucher des Konzerts vom Notzinger Musikverein in die Klänge einer typisch schwäbischen Volkstanzmusik entführt. Das Musikstück mit dem Titel "Notzinger Dorfmusik" geht auf den ersten Dirigenten des Musikvereins, Willy Schneider, zurück. Sprungtanzmusik wechselte mit anderen Stilformen wie Walzer und Marsch. Das Publikum dankte es mit viel Beifall. Im zweiten Stück trugen die Notzinger das von dem Londoner Philip Sparke komponierte Stück "Sinfonietta" vor. Die von der Schweizer Stadt Rheinfelden in Auftrag gegebene Komposition soll etwas von dem Lebensgefühl einfangen, das in der malerischen Stadt am Hochrhein herrscht. Romantisch verträumte Passagen von Hörnern wechselten sich mit schnelleren rhythmischen Passagen von Klarinetten ab, die vor allem den letzten Satz der Komposition dominierten. Hervorragend gelang es dem Dirigenten des Notzinger Orchesters, Rainer Schwab, die Stimmung der Bergwelt mit den Klängen des Orchesters zum Ausdruck zu bringen, wie sie Thomas Ross in seinem bekannten Musikstück "Alpina Saga" auszudrücken versucht. Die Stimmung, wie sie einsame Wanderer in den Bergen erleben, wurde ausdrucksreich in den Klangwelten des Orchesters und seiner verschiedenen Instrumente nachempfunden. Während der ruhigere Teil die Atmosphäre einer klaren Bergnacht einfängt, wird in einem lauteren Teil das hereinbrechende Unwetter geschildert.

Die Kirchheimer Stadtkapelle begann ihre sinfonische Blasmusik mit dem dritten Satz der Komposition "Die Tragische". Der Komponist James Barnes verarbeitet darin den frühen Tod seiner Tochter Nathalie, die im Säuglingsalter gestorben war. In den ersten Passagen tauchten melancholische Klänge, vorgetragen von Harfe, Glockenspiel, Oboe und Fagott, auf. Sie bringen wehmütig den Schmerz des Komponisten zum Ausdruck, wie das Leben mit der zu früh verstorbenen Nathalie ausgesehen hätte. Freudige Gefühle bestimmten den anschließenden vierten Satz der Sinfonie. Schnelle Rhythmen, die sich fast zu überschlagen schienen, prägten den letzten Satz. Der vierte Satz spiegelt die Erfahrung der Geburt seines einige Zeit später geborenen Sohnes wieder. Hervorragende Möglichkeiten, alle Facetten der modernen Konzertposaune vorzutragen, bot das zweite Musikstück der Kirchheimer Stadtkapelle, "Rhapsodia Borealis", vom dänischen Komponisten Sören Hyldgaard. Ruhige, getragene Melodien wechselten sich ab mit kräftigeren Klangstrukturen und schnellen Tonketten, wobei das Orchester sich dem Tempo und der Melodie der Konzertposaune anpasste, die von dem Posaunisten Hubert Rauhschnabel vorgegeben wurden.

Mit voluminösen Klängen eines Militärmarsches von John Philip Sousa und einer "Symphony on Themes of John Philip Sousa" über das Werk von Sousa von Ira Hearshon, die stilistische Elemente von seinen Militärmärschen verarbeitete, kam das Konzert zu einem fulminanten Abschluss.