Lokales

Acht Chöre zum 185. Geburtstag

Ältester Verein im Kreis schenkt sich einmaliges Jubiläumskonzert

Bissingen. Mit seinen vier eigenen Chören sowie Gastchören aus Dettingen, Dietenheim, Wernau und Wiesensteig gönnte sich der Männergesangverein Bissingen am

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rainer stephan

Samstag ein opulentes Jubiläumskonzert. Zum Finale gaben alle Männerchöre gemeinsam mit über 100 Sängern zwei Liedzyklen zum Besten. Vorsitzender Karl-Heinz Gölz blickte optimistisch in die Zukunft: „Wir bauen auf das Kulturgut Singen“.

Begonnen hatte alles im Dezember 1824: Sangesbegabte Männer und vormalige Posaunenbläser wurden angehalten, vierstimmigen Chorgesang zu üben und den Kirchengesang zu un­terstützen. Der damalige Ortspfarrer Hoffmann und sein Sohn förderten das Singen, Schulmeister Reininger übernahm das Einüben der Chorliteratur. Die Erfolgsgeschichte dauert bis heute an und bescherte dem MGV Bissingen neben dem Männerchor noch die Chorgruppe „Frischer Wind“, den Kinderchor „Kiebitze“ und den „Teeny-Chor“.

Nach dem Grußwort von Gaupräsident Goldmann machte der musikalische Nachwuchs den Konzertauftakt. Die von Adina Kolb geleiteten Kiebitze hatten mit dem ersten Stück sogleich die passende Botschaft parat: Singen macht Spaß. Auch die Lieder „Das ist Swing“ und das „Gummibärenlied“ offenbarten Sangesfreude und ließen eine gehö­rige Portion Talent des 14-köpfigen Kinderchors erkennen.

Unter dem Namen „Frischer Wind“ firmiert in Bissingen der Gemischte Chor, der vor zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde, um Männern und Frauen gemeinsam die Lust am Singen zu ermöglichen. Dirigiert von Bernd Reichenecker wurde als erstes „Ging ein Weiblein Nüsse schütteln“ angestimmt. Die Melodie „Zu Regensburg auf der Kirchturmspitz“ war geprägt von verschiedenen Tempi, wobei jeder Gast im Saal auch die Befehle „Lass die Nadel sausen“ und „Zwirn raus“ gut verstehen konnte. Das alte Bürgerfreiheitslied „Ob wir rote, gelbe Kragen“ – dereinst in den 1970er-Jahren wachgeküsst vom Liedermacher Hannes Wader – wurde bestens intoniert und die Zuhörer schwelgten im wohligen Klangbad. Beim Schlussstück „Du passt so gut zu mir“ klappten Harmoniewechsel und der Zwiegesang zwischen den Männern und Frauen vorzüglich.

Den zwölf Teenies hatte es die englischsprachige Chorliteratur angetan. Die Mädchen wagten sich an drei moderne Songs und eroberten im Handstreich die Herzen des Publikums. Bei der wohlklingenden Weise „You are holy“ hatte sich der Chor eine gute Anleihe aus christlichem „Sing and Pray“-Repertoire genommen“.

Kleine Abstecher in modern-po­puläre Gefilde unternahm der Männerchor Bissingen unter der Leitung von Manuel Kolb. Viele Gefühle erzeugte der Chor indessen mit zwei Klassikern. Das Lied „Abendfrieden“ von Franz Schubert und Mozarts „Weihe des Gesangs“ dürfen auch als Reminiszenz an die große Geschichte des Bissinger Männerchorgesangs gewertet werden. Geradezu Beschwörendes offenbarte die letzte Liedstrophe: „Rein, rein, rein muss das Herz des Sängers sein“.

Nach der Pause entbot die Eintracht Dettingen als erster Gastchor einen musikalischen Gruß an den Nachbarverein mit dem „Frohen Sängermarsch“. Die weiteste Anreise hatte der Liederkranz Dietenheim aus dem Alb-Donau-Kreis. Dessen Stück „Der Wanderer“ wurde von einem Akkordeonspieler wirkungsvoll unterstützt. Souverän und lautstark trug die Cäcilia Wernau das beliebte Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“ in der Gemeindehalle vor. Den Reigen der Gastkonzerte schloss die Concordia Wiesensteig, die zu Ehren des Jubilars „Willkommen“ von Dieter Frommelt als Präsent in die Seegemeinde mitgebracht hatte.

Kurz und zackig sowie mit viel Gestik versehen, gestaltete sich der zweite Auftritt des Männerchors Bissingen. Dirigent Bertram Schattel hatte seine Mannen im Griff und ließ den Chor mit dem Auftritt „Du, wir sind da“ glänzen.

Wer zuvor gedacht hatte, die über 100 Sänger aller Männerchöre wären nicht auf dem Podium unterzubringen, musste sich eines Besseren belehren lassen. Auf der liebevoll dekorierten Bühne fanden die Interpreten Platz genug zum mächtigen Finale. Ein Liederzyklus zur „Italienreise“ von Gerhard Winkler brachte beliebte Melodien wie „Capri-Fischer„ und „O mia bella Napoli“ zu Gehör. Dirigiert von Manuel Kolb und einfühlsam begleitet durch Schlagzeug, Bass und Piano, lief der Massenchor zur Höchstform auf.

Dem „Meister“ Bertram Schattel blieb es vorbehalten, den zweiten Liederzyklus „Melodien zum Verlieben“ zu dirigieren. Die Liedfolge kam an und so war es nur folgerichtig, dass zum Schlager „Das ist der Frühling von Berlin“ die Zuhörerschaft begeistert mitklatschte. Nach zwei Stunden ging ein gelungenes Konzert zu Ende, das dem Männergesangverein Bissingen und der Sängerbewegung zu Ehren gereichte. Foto: Natalie Becker