Lokales

Acht Jahre Haft für Wirt

Im Juni vergangenen Jahres gab es im Lokal Arena in der Mittleren Beutau eine schwere Explosion. Am Montag verurteilte das Stuttgarter Landgericht den Wirt, der zur Tat angestiftet habe, sowie den Organisator wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung zu jeweils acht Jahren Haft.

SABINE FÖRSTERLING

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ESSLINGEN Darüber hinaus wurden ein 42-jähriger Grieche aus Leinfelden-Echterdingen sowie ein 23-Jähriger aus Stuttgart wegen Beihilfe zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb beziehungsweise zweieinhalb Jahren verurteilt.

Die 9. Schwurgerichtskammer war in der Hauptsache dem Plädoyer des Staatsanwaltes gefolgt. Die Verteidiger hatten wesentlich niedrigere Haftstrafen gefordert. Sie bezweifelten, dass auf das Konto des Quartetts ein versuchter Mord gehe. Die Angeklagten hatten beteuert, dass sie das Leben der Bewohner über der Gaststätte und im angrenzenden Gebäude nicht gefährden wollten.

Bei dem Anschlag am 6. Juni befanden sich zehn Erwachsene und vier Kinder in den darüber liegenden Wohnungen und dem angrenzenden Gebäude. Alle konnten unverletzt flüchten. Der 35-jährige Wirt hatte vor der Kammer behauptet, ausschließlich den Auftrag für das Zertrümmern des Inventars gegeben zu haben.

"Das Leben der Bewohner war den Angeklagten schlichtweg egal", befand dagegen der Vorsitzende Richter Wolfgang Hahn und stützte sich auf das Geständnis des Wirtes vor der Polizei. Dieses hatte der Grieche jedoch im Prozess durch eine Erklärung seines Verteidigers wieder zurückgenommen. Vor Gericht wurde rekonstruiert, dass der Gastwirt über Bekannte an den 42-jährigen Griechen aus Leinfelden-Echterdingen gekommen sei, der ihm einen Zellengenossen aus seiner Gefängniszeit vermittelte. Mit diesem 37-Jährigen aus Serbien-Montenegro, der das schlecht gehende Lokal in Brand setzen sollte, kam es zu mehreren Treffen. Dieser wiederum engagierte zwei noch nicht ermittelte Männer aus Belgrad und den 23-Jährigen, der schlussendlich als Fahrer fungierte.

20 000 Euro sollten als Belohnung für die Brandstiftung fließen. Vor der Polizei hatte der Wirt noch angegeben, man sei sich einig gewesen, Benzin zu verwenden, da wenig brennbares Inventar vorhanden war. Außerdem habe man sich Gedanken über die Bewohner gemacht und beschlossen, das Feuer tagsüber zu legen. "Um acht Uhr morgens kann man davon ausgehen, dass vor allem die Mütter und Kleinkinder noch im Haus sind", hielt Hahn dagegen. Zu diesem Zeitpunkt hatten nämlich die beiden Männer aus Belgrad zehn Liter Benzin sowie eine Vielzahl von Flaschen mit alkoholischen Getränken verschüttet und angezündet, während der 23-Jährige und der 37-Jährige draußen warteten. Die gewaltige Explosion durch eine Verpuffung sei "sicherlich nicht geplant gewesen", so Hahn.

Der Wirt hatte rasch versucht, den Schaden von 250 000 Euro bei seiner Versicherung geltend zu machen. Einige "Märchen" seien ihm im laufenden Prozess aufgetischt worden, meinte Hahn. Deutliche Reue habe der 23-Jährige gezeigt, der als Mitläufer in die Tat "hineingeschlittert" sei. Der 37-Jährige habe hingegen "die Fäden in der Hand" und der Wirt "nur die Versicherungssumme im Auge" gehabt.

Auf den griechischen Vermittler und den serbisch-montenegrinischen Organisator kommen zu den jetzigen Haftstrafen noch zwei Jahre beziehungsweise acht Monate Gefängnis dazu. Beide standen zur Tatzeit unter Bewährung, die nun widerrufen wird.