Lokales

Acht Kandidaten, vier SitzeInfo

Im Diakonieladen präsentieren sich die Kandidaten für die Württembergische Landessynode

Viele Zuhörer saßen auf bequemen Sofas: Die Kandidaten für die Württembergische Landessynode stellten sich in der Möbelabteilung des Diakonieladens am Eckpunkt vor. Passend zum Ort ging es vor allem um das Thema Diakonie. Die acht Kandidaten zeigten viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

Anzeige

Kirchheim. Im Grund könne man sie alle wählen, meinte Moderator Willi Kamphausen zu Beginn. Dann versuchte er, die Differenzen zwischen den Kandidaten herauszuarbeiten. Sie treten nicht alle gegeneinander an, denn bei der Wahl zum evangelischen Kirchenparlament gibt es zwei „Töpfe“. Zum einen wird aus dem Wahlkreis Kirchheim/Nürtingen ein Theologe gewählt. Um diesen Sitz kandidiert die Ludwigsburger Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vincon, sie gehörte bereits bisher der Synode an. Das gilt auch für den Stuttgarter Pfarrer Werner Schmück­le, der vor sechs Jahren in einem anderen Wahlkreis gewählt wurde. Der dritte Kandidat, der Kirchheimer Pfarrer Reinhard Wenzelmann, zöge bei seiner Wahl am 1. Dezember erstmalig in die Synode ein.

Der Synode werden 30 Theologen und 60 Laien – genauer gesagt „Nicht-Theologen“ – angehören. Von Letzteren kommen drei aus dem Wahlkreis Kirchheim/Nürtingen. Es gibt fünf Kandidaten: Bereits bisher in der Synode vertreten waren die Kirchheimer Juristin Ellen Winkler-Oberman, der Nürtinger Diakon Robby Höschele und der Geschäftsführer Dieter Schenk aus Wolfschlugen. Eine erstmalige Wahl wäre es für die Notzinger Familienfrau Cornelia Aldinger und den Nürtinger Verwaltungsangestellten Markus Münzenmayer.

In der Kirche tief verwurzelt sind alle Kandidaten, das war bei jedem zu spüren. Wer bewirbt sich auch sonst für eine Aufgabe, die mit einem Aufwand von etwa einem Monat pro Jahr verbunden ist? Deutlich zu erkennen war aber der Unterschied zwischen den Neulingen und „Synodenprofis“ wie etwa Winkler-Oberman. In den Diskussionen um das kirchliche Arbeitsrecht ist sie so tief drin, dass Nichtkennern bei den vielen unbekannten Abkürzungen schwindlig wurde.

Noch ein Unterschied sind die Gesprächskreise, für die die Kandidaten antreten. Die „Lebendige Gemeinde“ und „Evangelium und Kirche“ sind im Wahlkreis ein Bündnis eingegangen, für dieses treten Aldinger, Schenk, Schmückle und Winkler-Oberman an. Dangelmaier-Vincon und Höschele sind für die „Offene Kirche“ im Rennen, Wenzelmann für „Kirche für morgen“. Münzenmayer tritt als Einzelbewerber mit dem Wahlvorschlag „Mehr los für Jugend in der Kirche“ an.

Alle Kandidaten sehen die Diakonie als zentrale Lebensäußerung der Kirche. Sie sei „vom gelebten Glauben durchdrungen“, sagte Wenzelmann. Schmückle mahnte, „Diakonie nicht nur als Versorger zu sehen, sondern auch den seelsorgerlich begleitenden Aspekt einzubringen“. Das Hauptanliegen von Dangelmaier-Vincon liegt woanders: „Mir ist es wichtig, dass es gute Rahmenbedingungen für die Diakonie gibt.“ „Wie werden wir als Kirche wieder sprachfähig, ernst genommen?“, fragte Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, angesichts der politisch gewollten wirtschaftlichen Zwänge. „Manchmal bekommt man nur Gehör, wenn man die Leute auf die Straße schickt“, befand Winkler-Oberman.

Dass die Diakonie sich als Arbeitgeber manchmal „sehr unschön“ verhalten habe, wurde von Zuhörern

deutlich kritisiert. „Da macht die Kirche ein schlechtes Bild.“ Wird die Kirche weiterhin an ihrem „Dritten Weg“ des Arbeitsrechts festhalten, welche Rolle werden die Gewerkschaften in Zukunft spielen? Das ist höchst umstritten und für die kommende Synode ein wichtiges Thema. Dass Arbeit mit dem Computer mehr gelte als mit Menschen, sah Schenk als „gesellschaftliches Problem, dass die Kirche nicht allein beheben kann. Aber sie kann ihre Stimme erheben.“ Eine weitere Sorge der Diakonie sind endlose Projekte. „Ich kann das Wort Projekt nicht mehr hören“, sagte Hö­schele. So würden Ressourcen gebunden, die besser in kontinuierliche Arbeit investiert würden. Investieren will auch Münzenmayer. Er fragt sich, warum beim Erwachsenengottesdienst Pfarrer, Organist und Mesner Geld bekommen, beim Kindergottesdienst aber alles ehrenamtlich geschehen solle. Dort will er ein Budget für Aufwandsentschädigungen schaffen.

Natürlich freuen sich die diakonischen Einrichtungen über Besuche von Synodalen. Dekan i. R. Klaus Scheffbuch, er war 24 Jahre in der Synode, warnte jedoch vor zu großen Erwartungen: Die Synodalen hatten auch so schon eine „riesige Aufgabe“. Was die Kandidaten als ihre Schwerpunkte sehen, verrieten sie nach gut zwei Stunde in der Schlussrunde. Bei den Kandidaten der Lebendigen Gemeinde und Evangelium und Kirche stand durchweg die Verkündigung im Vordergrund. „Mehr Verkündigung, weniger Bürokratie“, fasste Aldinger zusammen. Dangelmaier-Vicon und Höschele von der Offenen Kirche geht es statt um Theologie mehr um die Gestaltung von Strukturen, die auch politisch wirksam sind.

Persönliche Seitenhiebe gab es selten. Wenzelmann hielt Schmückle vor, dass er 30 Kilometer von außerhalb des Wahlkreises komme. Dieser konterte: „Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Postkutsche.“

 

Am Mittwoch, 13. November, stellen sich um 19.30 Uhr die drei Theologen und die fünf Nichttheologen, die für die Landessynode kandidieren, im Julius-von-Jan-Gemeindehaus in Oberlenningen erneut vor.