Lokales

Acht Speckschwarten weniger als Ziel

"Leichter leben in Deutschland" kein Werbeslogan für eine neue Steuer- oder Sozialreform, sondern Motto einer Aktion zum Loswerden überzähliger Pfunde. Vor einigen Jahren in Bayern begonnen, beteiligen sich nun Apotheken in ganz Deutschland da-ran. Auch in Weilheim: Andrang und Interesse bei der Auftaktveranstaltung in der Limburghalle waren groß.

PETER DIETRICH

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WEILHEIM Über 25 Partnerfirmen konnte die Weilheimer Adler-Apotheke für die Aktion gewinnen, die Hälfte davon war in der Limburghalle mit Präsentationen vertreten. Mit Erfolg, denn im Foyer herrschte dichtes Gedränge. Die Vielfalt der Angebote lag an den drei Grundlagen des "Leichter leben"-Programms: Durch Kombination von intelligenter Ernährungsumstellung, genügend sportlicher Betätigung und Motivation durch Gleichgesinnte soll der gewünschte Erfolg erreicht werden.

In kurzen Vorträgen begründete Apotheker Hansjörg Egerer die Aktion: Alle zehn Jahre legt der Durchschnittsdeutsche um fünf Kilogramm zu, je nach Alter sind bereits bis zu 18 Prozent der Kinder übergewichtig. Essen sei eben immer verfügbar, die Portionen würden immer größer, und industriell veredelte Lebensmittel enthielten immer mehr Energie Pommes auf das Gewicht bezogen über das Vierfache von Kartoffeln. "Die Optik ist nicht alles", betonte Egerer die Wichtigkeit des Abnehmens, denn zu viel Fettgewebe sei der Ursprung für eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkten oder Diabetes mellitus Typ 2: "Ein normales Gewicht ist deshalb die Basis für Ihre Gesundheit."

Abnehmen, gesünder werden, sich wohler fühlen, leistungsfähiger werden, das alles strebt "Leichter leben in Deutschland" ohne Hungern an. Wer sich anmeldet, bekommt für 15 Euro ein Scheckheft für fünf Körperfettmessungen, drei Seminare und vieles mehr. Auf Basis der ersten Messung wird ein realistisches Ziel gesetzt, von fünf bis acht Prozent weniger Fett bis zum Sommer. Was wenig klingen mag, aber, so Egerer: "Bei 80 Kilo Körpergewicht sind das vier Kilo, also acht Speckschwarten." Dass das Ziel erreichbar sei, zeige die letztjährige Aktion, bei der die 47 000 Teilnehmer innerhalb von vier Monaten im Schnitt 5,5 Kilogramm, davon 4,5 Kilogramm Fett, verloren.

Verkauft werden durfte in der Limburghalle nichts, doch Betrachten und Probieren konnten die Besucher im Foyer vieles begonnen mit dem Begleit- und Kochbuch und der neuen Fettpunkte- und Zuckerteufel-Tabelle. Letztere sollte am besten immer mit zum Einkauf. Für die Bewegung konnte bei Bernhard Heilenmann das neue Crossbike, eine Art Crosstrainer zum Sitzen, getestet werden, gegenüber informierte der TSV Weilheim über seine Angebote. Am 19. März können die Teilnehmer dort ihren Scheck für den Kurs in Nordic Walking einlösen, ab 4. April wird eine Gruppe täglich eine Stunde lang beim zügigen Wandern ihr Fett verbrennen.

Ein großer Bereich drehte sich natürlich um die Ernährung, es gab zahlreiche schmackhafte Proben, wie die Putenroulade mit Gemüsefüllung auf Graupengemüse von den Zähringer-Stuben, die für die Aktion besonders fettarme Gerichte in die Speisekarte aufnehmen. Metzgerin Ulrike Wahl zeigte die fettarme Zubereitung von Schweinegeschnetzeltem mit dem Wok, in ihrer Schauvitrine waren alle Produkte mit Fettpunkten versehen. Die Obere Mühle bot Gemüsebratlinge mit Quarkdip zum Kosten und zeigte vegetarische Brotaufstriche: Wie wäre es einmal mit "Nuss-Paprika" oder gar "Pfeffer-Ingwer" satt dem klassischen Gsälz?

"Brot ohne Hefe geht noch nicht", meinte eine skeptische Besucherin am Stand der Bäckerei Scholderbeck, die Ökogetreide aus regionalem Anbau verarbeitet. Doch die ausgestellten Brote zeigten schnell das Gegenteil gebacken auch aus Emmer und Kamut, sonst kaum bekannten Getreidesorten, die auch Allergikern größere Abwechslung bieten.

Während die Brote schmackhaft leuchteten, sahen Dietmar Mezgers Biokarotten ungewöhnlich aus, sie waren nämlich von einer Erdschicht überzogen. Doch ungewaschen lassen sie sich deutlich länger lagern. Warum die Karotte eine so gesunde Pflanze ist, sehe man auch am "Glykämischen Index", erläuterte Mezger: Dieser zeige, wie schnell nach dem Verzehr eines Lebensmittels der Blutzuckerwert steige, je langsamer desto besser. Referenz ist Traubenzucker mit 100, Bier erreicht mit 110 einen Spitzenwert. Gekochte Karotten liegen bei 85, rohe dagegen nur bei 30, ähnlich gut wie Vollkornbrot, ungezuckerter Fruchtsaft oder Haferflocken (alle 40).

Fazit des kleinen kulinarischen Rundgangs: Gesunde Ernährung muss nicht langweilig sein und auch nicht so schmecken, im Gegenteil. Wer das merkt und bei der Aktion dann einiges abgespeckt hat, dem hilft anschließend Nicole Schmauder, dies auch entsprechend in Szene zu setzten: Sie verschönert in ihrem Salon Haare, Nägel und Gesicht. Und wer so viel abnimmt, dass er neue Kleider braucht, dem gewähren zwei Weilheimer Modegeschäfte bis Ende Oktober pro Kilo weniger ein Prozent Sonderrabatt.