Lokales

Ärgernis: Rückgriff auf die Ersparnisse

Dieter Krug, Sozialdezernent des Landkreises Esslingen, und Professor (i.R.) Heinrich Felder konnten zum 17. Treffen der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen im Landkreis Esslingen wieder einen engagierten Kreis aus Angehörigen und Fachleuten begrüßen.

KREIS ESSLINGEN Information und Aussprache zur jüngsten Entwicklung der Versorgung und der Leistungen für Psychisch Erkrankte waren die Schwerpunkte für das Treffen im Sitzungssaal des Landratsamtes. Insbesondere die Verlagerung von Aufgaben des mit Jahresbeginn aufgelösten Landeswohlfahrtsverbandes auf die Landkreise sorgte für Aufmerksamkeit. "Es geht uns nicht um die Verwaltung von Kosten, sondern darum, für die Betroffenen gezielt Leistungen zu erbringen." Mit diesen Worten verdeutlicht Kirstin Schwarz-Henle, verantwortlich für das nun zuständige "Amt für besondere Leistungen" ihr Verständnis von der neuen Aufgabe. In der anschließenden Aussprache wurde die bedrückende Sorge der Angehörigen greifbar, den psychisch Erkrankten wenigstens ein Stück weit zu einem selbst bestimmten Leben zu verhelfen sowie die erforderliche Vorsorge für sie treffen zu können.

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So stößt der seit diesem Jahr vom Kreis Esslingen praktizierte Rückgriff auf die Ersparnisse des Kranken auf Unverständnis und Widerstand. Die Vermögensgrenze, bis zu der ein (ambulant versorgter) Kranker seine Ersparnisse behalten darf, wurde von 25 000 auf 2 600 Euro abgesenkt. Der Landkreis Esslingen wendet hier eine Regelung des SGB XII an, das diese Möglichkeit eröffnet, deren Anwendung aber nicht fordert.

"Weiß man genug über die komplexen Probleme von Psychisch Erkrankten? Können sich die Träger solcher Entscheidungen ausreichend in die Problematik reindenken?" fragt Ursula Schur, Vertreterin der Angehörigen. Diese gravierende Grenz-Absenkung sei entmutigend für die Betroffenen. Geradezu kontraproduktiv wirke sich diese Maßnahme aus. In manchen Fällen führe das gar zu einem Rückfall in die stationäre Versorgung mit allen Konsequenzen, auch auf die Kostensituation. Ohnehin ist zu beobachten, "dass in jüngster Zeit die Zahl der Fälle zunimmt, in denen sich das Krankheitsbild wieder verschlechtert," berichtet ein Facharzt.

Aus gutem Grund haben es 20 Prozent der Kreise Baden-Württembergs bei der alten (oder zumindest bei einer nicht derart stark abgesenkten) Grenze belassen. Die Angehörigen wünschen sich für den Kreis Esslingen so viel Einfühlungsvermögen in die schwierige und oft trostlose Situation der Kranken und ihrer Angehörigen, dass diese massive Reduzierung der Anrechnungsgrenze korrigiert wird. "Wechseln Sie ins Lager der 20 Prozent vernünftiger und weiter denkender Landkreise" fordern die Angehörigen. Der seit 16 Jahren gepflegte Gedankenaustausch zwischen Angehörigen psychisch Erkrankter und Vertretern aus Medizin, sozialem Bereichen und Politik wird von allen Beteiligten geschätzt, und Sozialdezernent Dieter Krug versprach: "Wir nehmen die Anliegen ernst und werden sie in unsere Gremien zur Beratung einbringen."

em