Lokales

Ärzte erwägen Systemausstieg

Heute Nachmittag Notfallpraxis offen

Wer heute Nachmittag einen Arzt braucht, kann sich an die Notfallpraxis am Kirchheimer Krankenhaus wenden. Sie ist von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Viele niedergelassene Ärzte werden in dieser Zeit nämlich nicht zu erreichen sein. Sie nehmen an der Großveranstaltung des Medi-Verbunds teil. Motto „Gemeinsam unsere Praxen retten – Systemausstieg jetzt!“

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Irene strifler

Kirchheim. „Nahezu alle Praxen machen mit“, beschreibt Dr. Robert Rudolph vom Ärztenetz „Medi-Verbund“ die große Geschlossenheit unter den niedergelassenen Medizinern. „Die Situation ist absolut unbefriedigend“, kommentiert er die Entwicklung im Gesundheitswesen, die den Ärzten stets sinkende Erlöse beschere. Abgerechnet werden ärztliche Leistungen über ein Punktsystem, wobei der Punktwert ständig fällt. Der am 1. Januar 2009 in Kraft tretende Gesundheitsfonds hat vor allem für die Südländer ganz klar negative Konsequenzen, wird doch für eine deutliche Umverteilung zugunsten der strukturschwächeren nördlichen und östlichen Bundesländer gesorgt.

In Baden-Württemberg ziehen jetzt niedergelassene Fachärzte und Hausärzte gemeinsam an einem Strang, wie Dr. Rudolph ausführt. Viele von ihnen nehmen am heutigen Mittwoch am Aktionstag des Ärzteverbands Medi in Stuttgart teil. Ihre Praxen bleiben dann geschlossen. Der Notdienst wird für den Bereich Kirchheim, Weilheim, Wendlingen, Köngen, Wernau und Reichenbach von der Notfallpraxis im Krankenhaus abgedeckt Mit ihrer Veranstaltung und der Praxenschließung wollen die Ärzte einerseits die Öffentlichkeit aufrütteln, andererseits auch den System-ausstieg ernsthaft diskutieren.

Dass die Patienten bei der momentanen Entwicklung im Gesundheitswesen letztlich die Leidtragenden sind, liegt auf der Hand: Wachsende Bürokratie beschneidet die Zeit der Ärzte und schränkt damit die Behandlungszeit ein. Fast jeder kennt aus Patientensicht das Problem langer Wartezeiten, zumal dann, wenn es um spezielle Untersuchungen geht.

Die Ärzte wollen nun Druck auf die Politik ausüben und fassen die Rückgabe der Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung ins Auge. Die Ärzte könnten und müssten dann direkt mit den Kassen Verträge aushandeln. Parallel dazu werden auch jetzt schon Verhandlungen mit der AOK geführt, die Dr. Rudolph als „vielversprechend“ bezeichnet. „Wenn die Quersubventionierung durch Patienten privater Kassen nicht bestünde, hätten viele von uns längst ihre Praxen schließen müssen“, schildert er die Brisanz. Deshalb sei die Unzufriedenheit unter den niedergelassenen Medizinern sehr groß.