Lokales

Ästhetik und visuelle Ökonomie

Arbeiten von Sigrid Petsch und Gabriela und Winfried Tränkner im Dettinger Rathaus

Dettingen. „Unter Drei“ bedeutet im Journalistenjargon, dass eine Mitteilung lediglich als Hintergrundinformation zu behandeln ist.

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Florian Stegmaier

Wenn Sigrid Petsch, Gabriela und Winfried Tränkner ihre Ausstellung im Dettinger Rathaus unter einen solchen Titel stellen, ist das wohl eher eine sympathische Koketterie, denn das Licht der Öffentlichkeit braucht die auf Einladung des Vereins „kultur ecce“ zustande gekommene Werkschau sicher nicht zu fürchten.

Winfried Tränkner zeigt verschiedene, parallel laufende Aspekte seines Schaffens. Die Holz- und Steinskulpturen des ehemaligen Schülers von Karl-Heinz Türk sind in zeitlos-sprechender Schlichtheit gehalten. Urformen tauchen auf, ausgesparte Volumina scheinen Tore und Durchgänge zu eröffnen. Der bildhauerische „Negativ-Raum“ vermittelt Qualitäten des Übergangs und lädt zur Schwellenerfahrung ein.

Mit einer dezidierten Behandlung der Oberflächen lenkt der Bissinger Künstler Winfried Tränkner den Blick auf die naturgegebenen Charakteristika seiner Materialien. Er verweist so auf innere Strukturen, die sich in edler Patina offenbaren und teils durch vergolderischen Zugriff zusätzliche Akzente bekommen haben.

In ihrer klaren Formensprache strahlen Winfried Tränkners Arbeiten Ruhe und Dauer aus. Die Betrachter fordern sie zu einer aktiven Wahrnehmung auf, zu einem wachen geistigen Mitvollzug, in dem sich die Werke erst zur Gänze entfalten. Ausflüge in die bewegte Welt des Sports unternimmt Winfried Tränkner mit seinen figurativen Kleinbronzen, eine reizvolle Werkgruppe, in der er konturierte Milieuschilderungen in szenischer Prägnanz gibt. Die Virtuosität des Künstlers zeigt sich hier im exakten Erfassen menschlicher Befindlichkeiten, die er in subtilen Gesten scharf pointiert und so zu einer geradezu frappierenden Lebensnähe gelangt. Einige Exponate sind gemeinsam mit seiner Frau Gabriela entstanden. Zur archaischen Kraft von Holz und Stein setzt die Glasmalerin transparente Gegenpole, macht in ihrer Kunst mit Mitteln der Bleiverglasung und Schmelztechnik das Licht als eine vitale und farbige Substanz erfahrbar. Die so entstehende Materialvielfalt hebt sich zu neu gewonnener Einheit auf. Nachvollziehbar ist das beim „Glasfelsen“, wo ein nach oben sich öffnendes Glasobjekt luftig entschwindet und den stützenden Fels aus dessen erdgebundener Schwere zu erlösen scheint.

Das künstlerische Trio macht Sigrid Petsch komplett. Die Kirchheimer Malerin, Grafikerin und Designerin entrollt ein feinsinniges Spiel mit Schrift und Bild. Bildzitate und Schriftspuren begegnen in Prozessen der Auflösung und Gerinnung, Fragmente geraten zu Chiffren und umgekehrt. In den von Weiß und Schwarz dominierten Arbeiten tummeln sich Versatzstücke der Medien- und Kommunikationswelt. Sigrid Petschs Collagen, Mischtechniken oder Dias hinter Glas imponieren in ihrer fein gewägten Durchdringung von Ästhetik und visueller Ökonomie, in ihrem schwingenden Miteinander von formalem Willen und freiem Spiel.

Die augenfällige Reduktion auf das Unbunte bedeutet jedoch keinen Rückzug ins lyrische Idyll. Schon einige der sparsam gestreuten Titel – „Rasterfahndung“ oder „End the Joke“ – lassen vermuten, dass hinter der Bildoberfläche eine vielschichtige Spannung lauert – eine Spannung, die sich auch eruptiv entladen kann.

In vier unbetitelten Mischtechniken auf Leinwand ergeht sich die Künstlerin in malerischer Dramatik, kostet eine von sattem Orange bis dunklem Krapplack reichende Palette aus und schafft damit einen überraschenden, farbig intensiven Kontrapunkt. Die Ausstellung „Unter Drei“ mit Arbeiten von Sigrid Petsch, Gabriela und Winfried Tränkner ist bis einschließlich Freitag, 3. Juli, im Dettinger Rathaus zu sehen.