Lokales

Agenda-Initiative plädiert für verstärktes "Einkaufsradeln"

Die Initiative "FahrRad" verfolgt mit Interesse, welche Lösungsmöglichkeiten im Rahmen der baustellenbedingten Verkehrsproblematik diskutiert werden, wie etwa Einbahnkreisverkehr, Alleenring als Parkplatzreserve oder auch Shuttlebus zum Ziegelwasen. Die Fantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Was die Aktiven der Lokalen Agenda verwundert, ist die einseitige Fixierung auf rein autoorientierte Lösungen.

KIRCHHEIM "Das stadtverträglichste Verkehrsmittel überhaupt, das Fahrrad nämlich, wird bei der Suche nach Alternativen fast völlig ausgeblendet", stellt Dieter Hutt, Sprecher der Initiative "FahrRad", mit Verwunderung fest. Eigentlich hatte die Agendagruppe nach der Imagekampagne "FahrRad" im vergangenen Jahr erwartet, dass das Thema Radfahren mittlerweile stärker im Denken und Handeln aller Verantwortlichen verankert sei. Gerade jetzt, in der angespannten Verkehrssituation, wäre es nach Auffassung der Initiative geboten, ganz speziell für das "Einkaufsradeln" zu werben.

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Bewusst sind sich die Aktivisten der Agenda-Initiative, dass sicherlich nicht jeder sein Auto in der Garage lassen und schnell mal auf das Fahrrad umsatteln kann vor allem nicht Kunden aus dem entfernteren Umland. Aber viele Kirchheimer selbst die in den Ortsteilen wohnen so nah und günstig zur Innenstadt, dass das Radfahren die sinnvollste und schönste Art sein könnte, Bewegung und Bummeln in der City zu verbinden. Argumente für das "Einkaufsradeln" gibt es nach Überzeugung der Agenda-Gruppe "FahrRad" zur Genüge: keine Parkplatzsorgen, Parken fast neben der Ladentür, null Kosten und so gut wie kein Zeitnachteil gegenüber dem Auto von Umwelt-und Gesundheitsaspekten einmal ganz abgesehen. Was das Auto möglicherweise an Tempo voraus hat, verliert es schließlich spätestens wieder bei der Suche nach dem freien Stellplatz in der Tiefgarage. Das Fahrrad hingegen ist flexibel und kann von Geschäft zu Geschäft mitgenommen werden. Zwar ist die Kirchheimer Fußgängerzone tabu für Radler, dennoch kann in vielen Seitengassen geradelt werden, um dem eigentlich angestrebten Ziel sehr nahe zu kommen.

Mit Appellen an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer allein will es die Fahrradgruppe aber nicht belassen. "Wir wollen Stadt, Gemeinderat und vor allem die Kirchheimer Geschäfts-leute für eine konzertierte Aktion gewinnen", meint Günther Kern, einer der Aktiven der lokalen Agenda.

In den Reihen der Initiative "FahrRad" herrscht die Überzeugung vor, dass mit etwas Fantasie und guten Ideen das Umsteigen auf das Rad durchaus gefördert werden kann. Dabei wird vor allem auf die Geschäftsleute und auf die Verantwortlichen des City Rings gesetzt. Schließlich sorgt vermehrtes Radfahren für Entspannung auf dem überlasteten Alleenring und den Parkplätzen. Jeder, der künftig per Fahrrad statt mit dem Auto in die Innenstadt fährt, macht schließlich einen Parkraum frei für Kunden, die aus dem Umland kommen.

Die Initiative "FahrRad" hofft noch auf einen weiteren, nachhaltigen Effekt: Wer es sich auf Dauer angewöhnt, mit dem Rad in die Innenstadt zu kommen, ist ein besonderer "Einkaufsgenießer". Wer erst einmal zum Gewohnheitsradler geworden ist, wird kaum mehr mit jenen tauschen wollen, die mit dem Auto billigen Schnäppchen auf der grünen Wiese nachjagen. Verstärktes Radfahren so lautet die Überzeugung der Agenda-Gruppe "FahrRad" schafft auch mehr Kundenbindung an Kirchheim. Dass Radlerinnen und Radler mindestens genauso viel Geld beim Einkauf ausgeben wie Autokunden, sei zudem längst durch entsprechende Untersuchungen bestätigt worden. Die Gruppe der "Genussradfahrer" kauft zwar bei den jeweiligen Besuchen in der Stadt weniger, kommt aber dafür häufiger, was wiederum ganz im Sinne der lokalen Geschäfte liegen dürfte.

dh