Lokales

Akzente gesetzt – Impulse gegeben

AMK-Seniorchef Dr. h. c. Arnold Müller sprach beim Herbstempfang des BDS Kirchheim

Einmal mehr hat sich der Bund der Selbstständigen (BDS) Kirchheim bei seinem Herbstempfang in der Kirchheimer Schlosskapelle als ein Verband präsentiert, der sich der Themen der Zeit annimmt, Akzente setzt und Impulse gibt – in und für Kirchheim und in guter Zusammenarbeit mit der Stadt. Neben der Zwischenbilanz 2008 des BDS-Vorsitzenden Wolf-Rainer Bosch hat im Mittelpunkt des Abends die Tour d`Horizon des AMK-Firmengründers Dr. h. c. Arnold Müller gestanden „Vom Ingenieurbüro zum technologischen Marktführer“.

richard umstadt

Kirchheim. Dr. h. c. Arnold Müller ist einer jener unternehmerischen Urgesteine, ohne die der deutsche Mittelstand nicht das wäre, was er ist – das Rückgrat der Wirtschaft und damit eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Geprägt von technischer Kompetenz, kreativem Erfindergeist und dem Streben nach täglicher Pflichterfüllung führte er die einstige Garagenfirma in der Kirchheimer Lichtensteinstraße in 46 Jahren durch alle wirtschaftlichen Unwägbarkeiten hindurch zum innovativen Weltmarktführer in der elektrischen Antriebs- und Steuerungstechnik. Lebendig und anschaulich beschrieb der 77-Jährige den Sprung ins kalte Wasser Ende 1962/Anfang 1963. Ein Motor für Heizungsumwälzpumpen war damals sein erster Auftrag und zugleich der Start für eine Erfolgsgeschichte, an deren Beginn ein Ingenieurbüro stand. Heute werden in acht Betrieben Servo- und Spezialmotoren sowie Getriebemotoren, Umrichter, Steuerungstechnik und Komponenten für die Automatisierungstechnik und im Automotivbereich Kompressoren und Servomotoren für die Servolenkung hergestellt. Rasch wurde nach den ersten Aufträgen aus dem Ingenieurbüro ein Produktionsbetrieb, der Raum benötigte. Dem 1964 in der Klosterstraße erstellten Neubau folgte nach nur anderthalb Jahren eine Erweiterung. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 100 Mitarbeiter.

Mitte der 60er-Jahre stieg Müller in die Automation ein. Tausende von Motoren für den Pumpenbereich und die Kältetechnik verließen monatlich das Werk.

1967 fand Müller auch im Textilbereich Lösungen für verschleißfreie Antriebssysteme und brachte 1968 den stufenlos regelbaren Drehstrommotor mit Doppelrotorsystem auf den Markt. Innovation war und blieb durch den steten Ausbau der Entwicklungsabteilung ein Markenzeichen von AMK. 1970 erfolgte in der Klosterstraße ein weiterer Anbau. 1974 wurde das Zweigwerk in Donnstetten gebaut.

AMK präsentierte mit fortschreitender Entwicklung neue Antriebssysteme für Stoffbedruckmaschinen, Hohlglasfertigung und später auch für den Werkzeugbau. Universitäten kamen auf die Firma zu und Kooperationen entstanden, die für beide Seiten Früchte trugen. 1981 baute das Unternehmen in der Kirchheimer Gaußstraße neu, vergrößerte den Entwicklungsbereich und brachte weitere innovative Antriebssysteme auf den Weltmarkt. Neben den Werkzeugmaschinen stattete AMK Verpackungsmaschinen, Kunststoffspritzmaschinen und Druckmaschinen mit seiner Antriebs- und Steuerungstechnik aus. 1998 schließlich stieg das Unternehmen in den Automotive-Bereich ein, Kunden sind Daimler Benz und BMW. Für seine Verdienste wurde Arnold Müller 2001 mit der Staufermedaille des Landes geehrt.

In seiner Zwischenbilanz war BDS-Vorsitzender Wolf-Rainer Bosch zuvor dem „Wind des Optimismusses“ skeptisch entgegengetreten, hatte aber auch den Propheten, die schon jetzt die dunklen Wolken einer Rezession am Konjunkturhimmel sehen, zur Mäßigung geraten. Über „Wildwestmethoden“ im Finanzbereich ärgerte er sich ebenso wie über das krasse Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung von Managern. Von der großen Politik auf die lokale Wirtschaftspolitik zu sprechen kommend, sah Bosch die Wirtschaftsförderung in Kirchheim noch in der Schwebe und bedauerte, dass der BDS-Vorschlag einer GmbH-Lösung nicht die Zustimmung von Stadt und Gemeinderat gefunden habe. Der BDS setze weiterhin auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stadt und Gemeinderat. Wolf-Rainer Bosch bot die Mitarbeit von heimischen Selbstständigen in einem Wirtschaftsausschuss an, in dem auch Vertreter der Verwaltung und des Gemeinderats sitzen sollen. „Natürlich liegen alle Entscheidungen in der Hand der Bürgervertreter.“ Der BDS-Vorsitzende begrüßte einen verbesserten Autobahnanschluss West und das Bemühen der Stadt um die schnelle Datenautobahn DSL für Kirchheims Gewerbegebiete.

Der BDS-Vorsitzende informierte über die Klausurtagung von Vorstand und Ausschuss, deren Beschlüsse bei der Hauptversammlung vorgestellt werden sollen. Mit den vier Themenfeldern „Kommune und Wirtschaft, Bildung und Ausbildung, flexible Kinderbetreuung sowie Netzwerkarbeit“ werden sich Projektgruppen befassen.

2009 feiert der BDS Kirchheim sein zehnjähriges Bestehen. Aus Anlass dieses Jubiläums wird am 17. Juli 2009 der Landesverband des Bundes der Selbstständigen in der Kirchheimer Stadthalle tagen und am 18. Juli eine Mittelstandskundgebung stattfinden.

In seinem Grußwort an den Bund der „Selbstbewussten“ hatte Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer zu Beginn des Herbstempfangs die gute Zusammenarbeit betont, deren Ziel es sei, die Wirtschaft in der Stadt voranzubringen. Hierzu zählte er auch die Investitionsschwerpunkte des 112-Millionen-Euro-Haushalts 2009, die eine neue Sporthalle an der Raunerschule, den Ausbau der Ganztagesbetreuung, die Erweiterung des Schlossgymnasiums, den Neubau der Freihofrealschule, die Sanierung des Spitals sowie die Sanierung von Straßen und Brücken beinhalte. Dabei achte die Stadt darauf, heimische Architekten und Firmen mit den Aufgaben zu betrauen. Was die Kirchheimer Wirtschaftsförderung betrifft, so zeigte sich der Bürgermeister zuversichtlich, dass in der Ratssitzung am Mittwoch über einen neuen Wirtschaftsförderer entschieden werden könne.

Musikalischen Schwung in den Herbstempfang des BDS brachten fünf junge Männer, allesamt Studenten des Pädagogischen Fachseminars Kirchheim, die sich als „h-capella“-Gruppe zusammengefunden hatten. „Ich wär‘ so gerne Millionär“ – wer im Publikum wollte dies den sangesbegabten Seminaristen nicht abnehmen? Bei Häppchen und einem guten Tropfen Wein, Gerstengebräu oder bei Saft und Sauerwasser konnten die zahlreichen Gäste in der Schlosskapelle auch darüber diskutieren.