Lokales

Aleviten protestieren

Empört reagiert die Alevitische Gemeinde Deutschland auf "die Verleumdung und Verunglimpfung von Aleviten" in einem Beitrag der Allgemeinen Rundfunkanstalt Deutschland (ARD). Auch die Kirchheimer Alevitische Gemeinde fordert eine Entschuldigung von dem öffentlich-rechtlichen Sender.

KIRCHHEIM Auch der Kirchheimer Ortsverband protestiert aufs Schärfste gegen die Darstellung des alevitischen Glaubens in der am Sonnntag, 23. Dezember, ausgestrahlten Tatort-Sendung "Wem Ehre gebührt". Nach einem Inzest-Fall in einer alevitischen Familie wird das Opfer schwanger, flüchtet zum strengen Islam und findet Schutz in der Verschleierung. Ihre ältere Schwester, die aktiv zur Aufklärung beitragen möchte, wird vom Vater ermordet. Diese Darstellung betrachtet die Alevitische Gemeinschaft Deutschland als Diffamierung und fordert von den Verantwortlichen eine Entschuldigung und Wiedergutmachung .

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Aleviten waren jahrhundertelang solchen unbegründeten Anschuldigungen seitens der sunnitischen Muslime ausgesetzt. Behauptet wurde, dass die Aleviten in ihren Gemeinden Inzest betreiben, weil sie ihre religiösen Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern durchführen. Die Verunglimpfungen stammen aus osmanischer Zeit und wurden zum Zweck der Unterdrückung des Alevitentums verbreitet. Bis heute sind derartige Beschuldigungen und Vorurteile unter fanatischen Sunniten gegenwärtig. Die Existenz von rund 20 Millionen Aleviten in der Türkei wird bis in die Gegenwart offiziell geleugnet.

Die Vertreter der Alevitischen Gemeinde Deutschlands legen großen Wert darauf, dass ihr Protest diese historisch begründeten und sensiblen Erfahrungen zur Grundlage hat. Sie fragen sich, ob den Verantwortlichen sowie Drehbuchautorin Angelina Macarrone gar nicht bewusst ist, dass derart volksverhetzende Anschuldigungen jahrhundertelang in der Türkei zu Pogromen an Aleviten geführt haben, wie beispielsweise noch im Jahre 1978 in Maras mit Hunderten von Todesopfern und im Jahre 1993 in Sivas mit 37 Todesopfern.

Die Verknüpfung des Themas "Inzest" ausgerechnet mit der alevitischen Glaubensgemeinschaft sei nicht zufällig gewählt, unterstellt die Alevitische Gemeinschaft und stellt fest, dass vieles dafür spreche, dass die Drehbuchautorin bei ihrer Recherche über den alevitischen Glauben "von fanatisch sunnitischen Beratern instrumentalisiert worden ist". Es könne nicht angehen, dass mit von alevitischen Zuschauern bezahlten GEZ-Gebühren eine diffamierende und volksverhetzende Darstellung der Aleviten vorgenommen wird.

Die Verantwortlichen der Alevitischen Gemeinde Deutschlands verlangen eine Entschuldigung von der ARD und eine geeignete Form der Gegendarstellung. Bis dahin wollen sie sich "mit allen friedlichen, demokratischen und rechtlichen Mitteln gegen diese Verleumdung und Verunglimpfung" ihrer Glaubensgemeinschaft zur Wehr setzen.

Als Auftakt ist eine Großdemonstration am Samstag, 29. Dezember, um 13 Uhr in Köln geplant. Die Abfahrt der Teilnehmer aus dem Kirchheimer Raum erfolgt um 7 Uhr am Kirchheimer Busbahnhof.

pm