Lokales

Alle Kliniken kommen unter die Lupe

Kirchheimer Kreisräte über das Gutachten, das zu einer Klinikehe führen soll

Der Landkreis und die Stadt Esslingen lassen von der Beratungsfirma Ernst & Young prüfen, wie eine mögliche Klinikehe aussehen könnte. Der Teckbote hat Kreisräte aus Kirchheim, die im Aufsichtsrat der Kreiskliniken sitzen, gefragt, welche Hoffnungen sie mit dem Gutachten verbinden.

Kreis Esslingen. Wie muss die Krankenhausversorgung im Landkreis Esslingen aussehen, um eine hohe medizinische Qualität sicherzustellen, die gleichzeitig bezahlbar ist? Diese Frage werden sich die Gutachter von Ernst & Young in den nächsten Monaten stellen, wenn sie die Kliniken im Kreis unter die Lupe nehmen. Vorstellbar sind laut Stadt und Landkreis eine Fusion, eine Holding oder eine Kooperation. Der Esslinger Gemeinderat hat dem gemeinsamen Gutachten bereits zugestimmt. Es wird erwartet, dass der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags am morgigen Donnerstag dasselbe tun wird. Das Gutachten soll im Herbst vorliegen.

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„Ich weiß nicht, was aus diesem Gutachten für Kirchheim herauskommt“, sagt Marianne Gmelin (SPD). Die Kreisrätin sitzt für ihre Fraktion als stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiskliniken. Ihre Hoffnung ist, dass das Kirchheimer Krankenhaus gestärkt aus den Untersuchungen hervorgeht. „Nach der Strukturentscheidung von 2002 hat das Krankenhaus ja schon genügend Abteilungen verloren“, findet sie.

Marianne Gmelin liegt eine gute medizinische Versorgung in der Fläche am Herzen. „Ich könnte nicht zustimmen, wenn am Ende herauskommen sollte, dass es nur noch ein großes Krankenhaus gibt“, sagt sie. Aufgrund des demografischen Wandels müsse man auch an die Angehörigen denken, die die Kranken besuchen wollten. „Ich bin für Wirtschaftlichkeit, aber wenn es um die Grund- und Regelversorgung geht, bin ich persönlich der Meinung, dass man eventuell sogar ein Defizit hinnehmen muss“, sagt die Kirchheimerin. Wer einen Versorgungsauftrag habe, könne sein System nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausrichten.

Für Günter Riemer (Freie Wähler) ist wichtig, dass es weiterhin eine öffentlich geführte Krankenhausstruktur im Landkreis Esslingen gibt, keine private. „Dann spielt nicht ausschließlich die wirtschaftliche Seite eine Rolle“, begründet das stellvertretende Aufsichtsratsmitglied diese Position. Außerdem erscheint ihm eine Fusion der Kreiskliniken mit dem Städtischen Klinikum Esslingen nach bisherigem Wissensstand sinnvoller zu sein als eine Parallelstruktur, weil in einem gemeinsamen Unternehmen Synergieeffekte erzielt werden könnten.

Um den hiesigen Krankenhausstandort wäre dem Kirchheimer Bürgermeister bei einer solchen möglichen Fusion nicht bange. „Wir haben in Kirchheim eine infrastrukturelle Substanz und eine erfolgreich operierende Klinik im Verbund“, so Riemer. „Dass bei einer Fusion einzelne Standort rausfallen, sehe ich noch lange nicht so.“

Wichtig ist Riemer außerdem, dass der Kreishaushalt vom Defizit, das die Kliniken derzeit erwirtschaften, befreit wird. „Es kostet uns zwei bis drei Punkte Kreisumlage, den Haushalt auszugleichen. Da bin ich sowohl als Kreisrat als auch als Bürgermeister gefordert“, so Riemer.

Andreas Schwarz von den Grünen wünscht sich ein Gutachten, das die Standorte mit ihren Leistungen genau unter die Lupe nimmt. „Es muss darum gehen, Stärken und Schwächen an den einzelnen Standorten aufzuzeigen“, sagt der Landtagsabgeordnete, der für seine Fraktion als stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiskliniken sitzt. In Kirchheim gebe es zum Beispiel mit der Wirbelsäulenchirurgie einen guten Bereich, „der richtig brummt“.

„Keine Kirchturmpolitik“, fordert Andreas Schwarz. Man müsse die gesamte Landkreiskarte anschauen und für den Kreis ein Konzept entwickeln, das eine hohe medizinische Qualität zu wirtschaftlichen Bedingungen gewährleiste. „Das kann auch zur Folge haben, dass eine Leistung an einem Standort zentralisiert und an einem anderen nicht mehr angeboten wird“, sagt Andreas Schwarz.