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"Alle Modelle sind maßstabgetreu, detailgenau und funktionstüchtig"

KIRCHHEIM "Das Technische hat mich schon immer interessiert und fasziniert, weil's unser Leben erleichtert," schwärmt der 80-jährige

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LISA STRAUSS

Paul Schubert aus Ötlingen, der sich schon sein ganzes Leben mit Maschinen und Technik aller Art beschäftigt. Die Leidenschaft für Basteleien hegt er schon seit frühester Kindheit. Seine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb in Lichtenstein bei Zwickau. Eine Vorliebe fürs Werkeln liegt in der Familie, auch sein Bruder ist leidenschaftlicher Bastler und sein Vater hatte ebenfalls einen Hang zum Tüfteln: "Der Vater hat uns eine Burg gebaut, die uns sehr fasziniert hat, meinen Bruder und mich", erinnert er sich.

Schon damals zog ihn die Technik und Funktionsweise der landwirtschaftlichen Fahrzeuge in den Bann: "Das hat sich bewegt, irgendwie war das anders als alles andere," begründet er sein Interesse. Paul Schubert wählte den Beruf des Ingenieurs, mit dem er seine Vorliebe für alles Technische voll ausleben konnte. 1960 verschlug es ihn nach Kirchheim. Zwei Jahre später fing er an, in Ötlingen ein Haus zu bauen, in dem er auch heute noch wohnt.

1976 entwarf und baute der mittlerweile pensionierte Konstruktionschef eine 1,60 Meter hohe Weihnachtspyramide, die er einem Museum in Lichtenstein, dem Daetz-Centrum, stiftete. "Das Herstellen solcher Modelle fordert sehr viel Disziplin und Ausdauer", erklärt er.

Der leidenschaftliche Techniker arbeitet bei seinen Modellen immer nach drei Grundsätzen maßstabgetreu, detailgenau und funktionstüchtig: Seine Miniaturmaschinen sind alle einheitlich im Maßstab 1:8 gebaut. Sie funktionieren immer hundertprozentig, außerdem arbeitet er mit viel Liebe zum Detail.

Bei der Vorführung eines kleinen Heuwagens ist er voll in seinem Element: "Das sind Kleinigkeiten, die sieht man gar nicht," fachsimpelt der Konstrukteur. Während der pensionierte Ingenieur das Innenleben des Modelles demonstriert, pfeift er fröhlich vor sich hin seine Werke bereiten ihm sichtlich Freude.

Das Lieblingsstück seiner wertvollen Sammlung ist eine Getreidemähmaschine, die bislang die größte Herausforderung für ihn darstellte: "Dies ist das schwierigste was ich je gemacht habe." Er lief als Kind hinter einem echten Exemplar aus der Landwirtschaft her und es reizte ihn, dieses Wunderwerk der Technik einmal nachzubauen. "Ich hab damals zu meiner Frau gesagt, die Maschine, die möcht ich bauen." Voller Freude führt er sein Meisterwerk vor, das im Keller steht. Mit einem Funkeln in den Augen zeigt er sein Schmuckstück und demonstriert mit Feuereifer jedes Detail: "Sehen Sie die Zahnräder, habe ich auch selber gemacht." Ein Werkzeugkasten darf natürlich bei einer "richtigen" Gerätschaft aus der Landwirtschaft nicht fehlen, gefüllt mit einem kleinen Hammer und einem Schraubenschlüssel, den er eigens für die kleinen Schräubchen an der Getreidemähmaschine angefertigt hat. "Genau wie es in Wirklichkeit ist." Der enthusiastische Modellbauer sagt von sich selbst, dass er ein absoluter Perfektionist ist "So 'ne Sache ist nicht dafür da, um schön auszusehen, die Sache hat ihren Zweck."

Er fertigt seine Konstruktionen nach genauesten Vorstellungen: Die Haltung der handgeschnitzten Figuren muss immer an das jeweilige Fahrzeug angepasst sein. Dies zeigt er bei einem von Pferden angezogenen Feuerlöschwagen: "Die Pferde müssen die richtige Haltung haben, als ob sie im Galopp jagen." Dass ausgeprägte Fantasie bei diesem Hobby auch eine Rolle spielt, zeigt folgendes Beispiel: Er funktionierte die Schnürsenkel seiner Wanderschuhe kurzerhand zu einem Feuerwehrschlauch um, weil er Wert drauf legte, dass dieser innen hohl sei. Begeistert erzählt er: "Der Feuerlöschwagen spritzt acht Meter weit."

Paul Schubert ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Allroundtalent", er fertigt all seine Arbeiten in der Werkstatt und in seinem kleinen Maschinenraum komplett selbst an und beherrscht eine Vielfalt von Tätigkeiten, die von schnitzen über drechseln bis hin zur Eigenanfertigung der Gussformen reicht. "Ob es schnitzen ist oder Mauer bauen, spielt alles keine Rolle," sagt er über sich. Mittlerweile hat Paul Schubert aufgehört die Zeit zu stoppen, die er zur Fertigstellung seiner Modelle braucht. "Da kommen fantastische Stundenzahlen raus". Er betont allerdings, dass Geduld bei dieser Tätigkeit eine sehr wichtige Tugend sei. "Meine Frau hat schon manchmal 'Kellerassel' zu mir gesagt", scherzt der leidenschaftliche Technikfan. Seine Hände haben unter seiner Freizeitbeschäftigung auch schon gelitten: "Der Daumen wird auch immer kürzer, den hab ich mir schon zwei Mal abgesägt."

Seine Zielvorstellung war schon immer "die Beschäftigung mit technischen Dingen." Seit ungefär 20 Jahren baut er Modelle von Fahrzeugen, vorwiegend aus der Landwirtschaft nach. Als Vorlage dient ihm grundsätzlich das Original der Maschinen und bei der Konstruktion der Modelle helfen ihm technische Zeichnungen. Er selbst sagt: "Melodien kann ich mir nicht merken, aber bei Maschinen funktioniert mein Gedächtnis". Der Ingenieur mit Leib und Seele erzählt: "Ich will die Logik an einer Sache erkennen" Wenn der 80-Jährige gerade nicht seiner Passion, dem Modellbauen, nachgeht, löst er Sudokurätsel, bei denen er nach eigener Aussage jede Zahl auf Anhieb richtig setze.

Der Modellbauer rundet das Gespräch mit ein paar sehr treffenden Worten ab, indem er sein Motto kund tut: "Das Schlusswort wäre eigentlich, dass vor allem das Wollen das Wichtigste ist. Ohne Wollen geht gar nichts. Man muss die Dinge wollen und probieren. Das Wollen ist die Voraussetzung." Mit dieser Aussage wehrt er sich gegen alle, die zum Beispiel nach dem Besichtigen seiner Modelle behaupten: "Sowas könnte ich ja nie machen."

Dass Paul Schubert sein Hobby sowohl will als auch kann hat er jedenfalls mit zahlreichen Schmuckstücken bewiesen.