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"Alle wollen recyceln, aber möglichst weit weg"

Mehr als ein halbes Jahrzehnt ist es her, dass der Kirchheimer Gemeinderat dem Bau einer Recyclinganlage im Südwesten der Stadt neben dem Kompostwerk an der Autobahn grundsätzlich zugestimmt hat. Jetzt wird der Bebauungsplanentwurf mit etwas veränderten Vorzeichen erneut öffentlich ausgelegt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Die Planung ist gekennzeichnet von dem Bemühen, die Firmenfläche landschaftsgerecht einzupassen und dennoch den betrieblichen Erfordernissen gerecht zu werden. "Die überbaubare Fläche hat sich vergrößert aufgrund der betrieblichen Anforderungen", nannte Planungsamtsleiter Dr. Oediger die wichtigste Änderung. Ursprünglich sollte das Baufenster für die Halle 1800 Quadratmeter umfassen. Die neue Planung sieht mehr überdachte Lagerfläche vor und geht von 400 zusätzlichen Quadratmetern aus. Ferner hat sich die Erschließung verändert. Statt direkt auf die B 297 Richtung Reudern zu kommen, sollen die Lkws nun die Zufahrt zum Kompostwerk nutzen. Schließlich kam im Technischen Ausschuss noch der ursprünglich parallel zur Bundesstraße geplante Radweg zur Sprache. Bislang umrunden Radler das Kompostwerk auf Feldwegen.

Zunächst erläuterte Planer Helmut Kapp die Hintergründe des Vorhabens. "Es geht um die Lagerung und Aufbereitung von Bodenmaterial aller Art", beschrieb er das angestrebte Tätigkeitsfeld der Kirchheimer Firma Fees auf dem Areal beim Kompostwerk. Kapp bezeichnete den Standort an der Autobahn als geradezu ideal. "Wir haben einen Kompromiss gefunden", betonte auch Bürgermeister Günter Riemer. Er umschrieb die Problematik der modernen Gesellschaft: "Alle wollen recyceln, aber möglichst weit weg." Der Stadt sei es daher wichtig, ein deutliches Signal zu senden nach erfolgtem konstruktivem Dialog mit dem Investor.

Mathias Waggershauser (CDU) bezeichnete die Lage beim Kompostwerk zwischen Bundesstraße und Autobahn ebenfalls als optimal für einen Betrieb dieser Art und befürwortete die erweiterte Hallenfläche. "Die Halle in der gewünschten Größe schadet der Landschaft nicht", meinte auch Hagen Zweifel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Er bilanzierte: "Hier wird eine weitere Lücke in der Kreislaufwirtschaft geschlossen". Beide Redner sprachen sich für eine Radlerführung um das Gelände herum aus. Schließlich handle es sich nicht um einen Schulweg, sondern um eine Strecke für Freizeitradler. Entlang der B 297 ist ein durchgehender Grünzug vorgesehen.

Die sorgsame Abwägung ökologischer Grundgedanken mit der Bedeutung einzelner Schutzgüter, war Andreas Schwarz, Fraktionsführer der Grünen Alternative, ein Anliegen. Speziell südlich der Autbahn müssten alle Maßnahmen genau überdacht werden, einem wilden Wachsen der Stadt hier gelte es Einhalt zu gebieten. Er pochte weiter auf die Überwachung konkreter Ausgleichsmaßnahmen. Auch ein Entwässerungskonzept ist nach Aussagen von Dr. Oediger noch zu erstellen.

Das Baufenster so zuzulassen, dass bauliche und technische Voraussetzungen längerfristig gegeben sind, fand Hanns-Karl Schüle vernünftig, sachkundiger Bürger in Umweltfragen. Was den Radweg anbetrifft, gab er zu bedenken, dass auch die Umfahrung nicht unbedingt eine attraktive Strecke darstelle und Radler gerne grundsätzlich die kürzeste Verbindung wählten. Dr. Oediger plädierte ebenfalls für eine direkte Führung der Radfahrer. Im vorliegenden Fall bedeute die Route ums Werk nicht nur eine längere Strecke, sondern auch eine weitere Steigung.

Walter Aeugle, SPD-Fraktionschef, regte an, die zusätzlich gewünschte Fläche von 400 Quadratmetern zu genehmigen und die detaillierte Ausgestaltung im weiteren Verfahren zu diskutieren. Auch Hagen Zweifel sprach sich dafür aus, die Erweiterung in die öffentliche Auslegung zu bringen und Einwände bei Bedarf zu behandeln.

Albert Kahle (FDP/Kibü) stellte den Antrag, auf den Radweg entlang der Bundesstraße zu verzichten und die Radler ausschließlich hinter dem Kompostwerk herumzuführen. Der Antrag fand eine Mehrheit. Der CDU-Antrag, dessen wesentlicher Inhalt die Vergrößerung des Baufensters um 400 Quadratmeter war, wurde einstimmig angenommen. Der Bebauungsplanentwurf für das Gebiet Rabailen wird nun erneut öffentlich ausgelegt.