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Alle wollen Segelflugleistungszentrum erhalten

Für Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich muss der "Status quo" auch nach einer Umwidmung der Hahnweide zum Sonderlandeplatz die Grundlage für den weiteren Betrieb bleiben. Diese Position der Stadt erläuterte er in einer teilweise sehr emotional geführten Informationsveranstaltung in Reudern.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Dass das Thema Sonderlandeplatz Hahnweide vor allem in Reudern hohe Wellen schlägt, beweisen nicht nur die rund 200 Einwendungen gegen die Umwidmung. In der gut besuchten Informationsveranstaltung in der Reuderner Gemeindehalle war die Betroffenheit, aber auch das Misstrauen mancher Bürger gegenüber dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband BWLV und dem Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde deutlich zu vernehmen.

Rund 225 Interessierte waren gekommen, darunter Reuderner Ortschaftsräte, Bürger, auch aus anderen Gemeinden, sowie Segelflieger aus den acht Hahnweide-Flugsportvereinen, um sich die Stellungnahmen sowohl der Stadt Nürtingen und des Antragstellers BWLV als auch der Interessengemeinschaft gegen Fluglärm anzuhören.

Von dem Antrag auf Umwidmung des Segelfluggeländes Hahnweide zu einem Sonderlandeplatz habe die Stadt Nürtingen durch das Regierungspräsidium Stuttgart Ende letzten Jahres erfahren, berichtete Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich. Für die Stadt stelle der "Status quo" auf der Hahnweide die Grundlage des weiteren Betriebes dar, informierte der Verwaltungschef seine Zuhörer. Die Gemeinde Reudern habe mit der Entwicklung des Segelflugplatzes gelebt und den Status quo weitgehend akzeptiert. "Wir wollen, dass auf der Hahnweide nichts anderes passiert als das, was bisher dort betrieben wird", bezog der Oberbürgermeister Stellung.

Freilich wusste auch er, dass die "schleichende Entwicklung" der vergangenen 30 bis 40 Jahre auf dem Kirchheimer Segelfluggelände "etwas ist, das eigentlich den Status Sonderlandeplatz haben müsste".

Den Antrag des Luftfahrtverbandes auf Umwidmung der Hahnweide erläuterte BWLV-Vizepräsident und Schatzmeister Thomas Maier. Dabei versicherte er, der BWLV setze alles daran, das Kirchheimer Fluggelände als Segelflugleistungszentrum zu erhalten. "Wir haben nicht vor, eine Betriebserweiterung zu beantragen." Dies sei auch mit der Stadt Kirchheim, dem Regierungspräsidium und den Anrainerkommunen im Dezember so besprochen worden.

Kritik am BWLV-Antrag übte als Vertreter der Interessengemeinschaft Professor Dr. Heinz-Dieter Isengard aus Reudern. Die Umwandlung zum Sonderlandeplatz bedeute, dass die Hahnweide nicht nur von Segelflugzeugen, sondern generell auch von Motorflugzeugen benutzt werden dürfe. "Mündlich sprechen die Antragsteller vom Erhalt des Status quo, dies ist aber im Antrag nicht festgeschrieben", so Professor Dr. Isengard. Darüber hinaus werde immer auf den Vertrag zwischen der Stadt Kirchheim und dem BWLV als Platzhalter hingewiesen. Dieser privatrechtliche Vertrag, der sich auf das Segelfluggelände und nicht auf den Sonderlandeplatz beziehe, habe die Bürger in der Vergangenheit auch nicht vor Fluglärm geschützt. Deshalb komme ihm nicht diese Bedeutung zu, die der BWLV und Kirchheim darin sehen. Fazit des Sonderlandeplatzgegners: eine Umwandlung sei nicht notwendig. "Wir wollen, dass das Segelflugleistungs-zentrum so erhalten bleibt, wie es ist." Isenberg appellierte an den OB und Ortsvorsteher Herbert Benker, alles zu tun, um Reudern vor Schaden zu bewahren.

BWLV-Geschäftsführer Klaus Hallmayer begründete den Umwidmungsantrag beim Regierungspräsidium mit dem erheblichen Aufwand der Luftsportler für befristete Einzelerlaubnisse und der Planungssicherheit der Vereine durch den sicheren Status Sonderlandeplatz. "Das bedeutet aber nicht, dass wir auf der Hahnweide etwas ändern wollen", versicherte auch er. Deshalb gehe er davon aus, dass die Genehmigungsbehörde die Vereinbarung zwischen BWLV und Stadt Kirchheim in ihren Festlegungen berücksichtige. "Es wird kein Stuttgart II durch die Hintertür geben", widersprach Hallmayer entsprechenden Befürchtungen aus dem Publikum. Ähnlich äußerte sich auch Hans Puskeiler, Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf Hirth: "Wir haben kein Interesse, irgendwelche Verkehrsflieger auf die Hahnweide zu bekommen."

"Dem Misstrauen kann nur mit absoluter Offenheit begegnet werden", appellierte Nürtingens Stadtrat Helmut Nauendorf an die Antragsteller. Doch genau dies ist der Punkt. Ein Vertreter der Interessengemeinschaft brachte es auf den Nenner: "Alle wollen den Status quo. Wir haben nur nicht das Vertrauen, dass das Regierungspräsidium diesen so in die Genehmigung schreibt."

Wie Ortsvorsteher Herbert Benker informierte, wird sich die Stadt Nürtingen bis 15. Februar erklären.